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Die Familie Klein (Hötte)

Familienzweig Peter Joseph Klein im Volksmund Hötte

Ausarbeitung von Ulrich Reimann, Dezember 2019


Der Stammvater dieser Oberaußemer Familie ist Peter Joseph Klein (* 21.01.1848 Oberaußem – † 10.03.1926 Oberaußem), Sohn der Eheleute Theodor Klein und Odilia geb. Cremer.


Am 22.10.1881 heiratete Peter Joseph Klein, in der einstigen, auf dem Tonnenberg stehenden, kleinen Oberaußemer Pfarrkirche, Catharina Felten (* 14.10.1852 Oberaußem – † 15.01.1915 Oberaußem).

Ihre Eltern waren der aus Quadrath kommende Wilhelm Felten (* 1805 Quadrath - + 01.04.1876 Oberaußem) und Magdalena geb. Felten (* 1818 Kenten - + 04.05.1900 Oberaußem).

Das Ehepaar Klein – Felten bekam 13 Kinder, wovon 7 bereits in jungen Jahren vor ihren Eltern verstarben:

Anna Margaretha Klein (* 05.01.1885 Oberaußem)

Wilhelm Klein (* 04.01.1881 Oberaußem)

Odilia Klein (* 19.06.1879 Oberaußem)

Sibille Klein (* 08.01.1883 Oberaußem)

Gerhard Klein (* 08.02.1884 Oberaußem - + 10.03.1884 Oberaußem)

Jakob Klein (* 19.05.1885 Oberaußem - + 17.03.1963 Oberaußem)

Gerhard Klein (* 09.05.1887 Oberaußem)

Friederica Klein (* 1888 - 20.08.1888 Oberaußem)

Sophia Klein (* 22.04.1890 Oberaußem)

 

Über die weiteren 4 Kinder des Ehepaares liegen derzeit dem Verfasser noch keine Informationen vor.


Für die weitere Betrachtung der Geschichte der Familie Klein - Hötte, erfolgt nachfolgend eine Konzentration auf den Sohn und späteren Hoferben Jakob Klein mit seiner Familie.

 

Im Jahr 1912, suchte Wilhelmine -genannt Katharina- Esser einen Käufer für ihr an der Kirchstraße gelegenes, von ihren Eltern geerbtes, kleines landwirtschaftliches Anwesen.

Diese Chance, an einen eigenen Bauernhof zu gelangen, ließen sich der Wegewärter Peter Joseph Klein und seine Frau Catharina nicht entgehen.

Im Juni 1912 kauften sie die komplette Hofanlage Esser an der Kirchstraße, mit dem dahinter liegenden Garten.

Die Notariats-Verhandlung zum Verkauf fand im Amtssitz des damaligen Königlich Preußischen Notars Bernhard Mausbach in Bergheim statt.

Der Kaufvertrag wurde mit der Notariellen Urkunde Nr. 437 des Notarregisters von 1912 dokumentiert und besiegelt.

Verkauft wurden laut Urkunde vom 1. Juni 1912, das im Grundbuch von Oberaußem Band 1 Artikel 41 verzeichnete Grundstück: Flur Q Nummer 893/341 etc, Kirchstraße Nr. 18, Hofraum mit a) Wohnhaus nebst Anbau und Torbau, b) Pferdestall, c) Scheune, d) Stall, 7 ar 26 m².

Der Kaufpreis betrug sechstausendzweihundertfünfzig Mark. (6.250,--), zahlbar am 1. September 1912 in deutscher Goldwährung, in der Wohnung der Verkäuferin.

Der Besitz und die Nutzung gingen laut Vertrag am 1. Juli 1912 auf die Käufer über.

Das erworbene Anwesen wurde dann je zur Hälfte, im Juli 1912 auf die Eheleute Klein im Grundbuch von Oberaußem eingetragen.

Ab diesem Zeitpunk befand sich dann das einstige Anwesen Esser bis 2010 im Besitz der Familie Klein.

 

Wie es zu dieser Zeit in Oberaußem üblich war, erwarb Peter Josef Klein nach dem Tode seiner Frau, zu seinem Hof eine größere Familiengrabstätte auf dem alten Oberaußemer Friedhof.

In der noch vorhandenen Verleihungsurkunde steht u.a.: >>Der Ackerer Peter Josef Klein aus Oberaußem hat auf dem Friedhof in Oberaußem die Kaufgräber Nr. 8, 9 und 10 auf die Dauer von 50 Jahren gegen Zahlung der Gebühr von zusammen 240 Mark erworben, worüber diese Urkunde erteilt wird.<<

Nach Ablauf der 50 Jahre konnte der Vertrag für die Hälfte der gezahlten Gebühr, um weitere 50 Jahre verlängert werden

In diesen Grabstellen wurden alle Hofbesitzer Klein nach ihrem Tode beigesetzt. Peter Josef Klein und Katarina geb. Felten, Jakob Klein und Gertrud geb. Krüll sowie Josef Klein (Hötte Jupp) und Maria geb. Tenbrock.

Nach dem frühen Tod seiner Frau 1915, bewirtschaftete Peter Joseph Klein den kleinen Hof über einige Jahre hinweg alleine.


 

Der Sohn Jakob Klein, heiratete am 19.09.1915 in der Kirche St. Peter zu Köln, Gertrud Krüll (* 30.04.1987 Büsdorf - + 13.01.1968 Oberaußem).

Die ersten Jahre lebten sie bei ihren Eltern in Büsdorf, wo auch ihre beiden ersten Kinder geboren wurden.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, zog Jakob Klein mit seiner Familie nach Oberaußem, zum Vater auf den kleinen Hof in der Kirchstraße.

Insgesamt bekamen Jakob Klein und Gertrud Krüll 5 Kinder, wovon zwei bereits im Kindesalter verstarben:

Maria Margaretha Klein (* 26.06.1917 Büsdorf)

Anna Margaretha Klein (* 19.11.1918 Büsdorf)

Johanna Katharina Klein (* 13.03.1920 Oberaußem)

Peter Josef Klein (* 21.12.1921 Oberaußem - + 2000 Oberaußem)

Michael Klein (* 12.03.1927 Oberaußem)

 

Jakob und Gertrud Klein übernahmen kurze Zeit nach ihrem Umzug nach Oberaußem auch den Hof seiner Eltern.


Jakob Klein, dürfte vielen älteren Oberaußemern noch in guter Erinnerung sein. Er war eine imposante Erscheinung, mit einem riesigen, etwas blondrötlichen, nach außen abstehenden, weithin sichtbaren Schnurbart.

Noch bis zum Ende der 1950-ger Jahre, war er zusammen mit anderen Oberaußemern, als Brudermeister der Vinzentiusbruderschaft, für den störungsfreien Verlauf und die Abfolge der Bittgebete, der damals noch mit zahlreichen Teilnehmern ausgestatteten kirchlichen Prozessionen verantwortlich. Ausgestattet mit einer Samtschärpe und einem langen Zeremonienstab, sorgte er unmissverständlich für die notwendige Ehrfurcht und Disziplin, vor allem bei den jüngeren Prozessionsteilnehmern.

Während des 2. Weltkriegs waren auch im Hof Klein deutsche Soldaten einquartiert. So wohnte u.a. der spätere Oberaußemer Karl Ueberschär Ende 1944 bei Familie Klein auf dem Hof.


Nach dem Krieg wurde der Hof Klein-Hötte teilweise umgebaut, wobei auch eine Aufstockung des Wohnhauses erfolgte.

 

Letzte Betreiber des Landwirtschaftsbetriebes waren einer der Söhne von Jakob und Gertrud Klein, Josef Klein (* 21.12.1921 Oberaußem, † 16.08.2000 Oberaußem), im hiesigen Volksmund auch „Hötte Jupp“ genannt und seine aus Bocholt stammende Ehefrau Maria Tenbrock (* 26.02.1923 Bocholt, † 02.12.2003 Oberaußem).


Vielen älteren Oberaußemern ist Josef Klein bestimmt auch noch in guter Erinnerung. Er war es, der nach dem Krieg über viele Jahre hinweg, als Sankt Martin verkleidet, auf seinem Pferd den Oberaußemer Martinszug begleitete und anschließend die teilnehmenden Dorfkinder mit den von der damals noch wohlhabenden Gemeinde spendierten, leckeren Martinswecken beschenkte.


Mitte der 1960-ger Jahre stellte Josef Klein die haupterwerbliche Landwirtschaft ein.

Er arbeitete danach noch recht lange bei der hiesigen Braunkohlengesellschaft, im Bereich der Bahnanlagen im Tagebau Fortuna-Garsdorf.

Den heimischen Betrieb bewirtschaftete er dabei nur noch nebenberuflich, wie viele andere Besitzer von solch kleinen Gehöften in Oberaußem es zu dieser Zeit auch praktizierten.

 

Nachdem Josef Klein sich mit seiner Familie im Hausgarten der einstigen Hofanlage ein neues Wohnhaus errichtet hatte, wurden die Gebäude und Einrichtungen des kleinen Hofes an der heutigen Vinzentiusstraße fast kaum noch genutzt.

Eine Zeitlang hielt sich die Familie Klein in den alten Hofgebäuden noch einige Kleintiere zum Eigennutzen.


Nach dem Tod der Eheleute Josef und Maria Klein, wurde die Hofanlage von deren Erben überhaupt nicht mehr genutzt. Die Gebäude standen allesamt über Jahre hinweg leer und befanden sich zum Schluß in einem sehr schlechten, bedenkenswerten Zustand.

Da die Gebäude der alten Hofanlage langsam aber sicher immer mehr verfielen, es bestand sogar teilweise Einsturzgefahr, ließ der Sohn von Josef Klein, am 30. Juni 2006 den vollständigen Abriss des alten Anwesens durchführen.

Danach erinnerte nur noch die stehen gelassene rückseitige Außenmauer der Scheune, die zur Abstützung der Gartenböschung diente, an den einstigen kleinen Bauernhof Esser-Klein „An Hötte“.


Fotos vom Abriß des Hofes Klein - Hötte

 

Das Gelände, auf dem die Gebäude der einstigen Hofanlage standen, wurde 2010 von der Familie Klein an den Oberaußemer Elektrounternehmer Frank Dietrich verkauft, der dort inzwischen ein großes Wohn und Geschäftshaus errichtet hat.

 


Die Grabstätte der Familie Klein - Hötte, alter Friedhof Oberaußem

 

Noch heute leben direkte Nachkommen von Peter Joseph Klein und Catharina Felten in Oberaußem

 

Quellen:

Kirchenbücher St. Vinzentius Oberaußem

Dokumente: Hannelore Schmitz, Wilhelm Klein, Helga Boor, Giesela Volmer, Sofie Rademacher, Elisabeth Sensen, Elisabeth Bock

Fotos Hannelore Schmitz, Oberaußemer Privatfotos, U. Reimann

Recherchen, Texte, Grafiken, Seitenlayout, Ulrich Reimann