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SAGEN - OBERAUSSEM

 

 

Sagen aus und um Oberaußem

 

Am Deutschen Busch

Heimatkunde von Oberaußem“ von Josef Dürbaum

>> Dahin gehört die Erscheinung in der Reutersgasse oder dem deutschen Busch, wie diese auch genannt wird. Allnächtlich wandelte hier um die zwölfte Stunde ein fein gekleideter Mann mit einem dreckigen Hute auf dem Kopfe die einsamen Hohlwege entlang. Ob er jemals einem ein Leid zugefügt hat, weiß man nicht, jedoch hielt eine große Furcht manchen Bewohner des Ortes davon ab, zu ungelegener Zeit die Höhlen zu passieren.

In der ersten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts lebte in dem benachbarten Glessen der Ehrenbürgermeister Schult. Er fand sich an einem bestimmten Abend wöchentlich in der Wirtschaft Hündchen in Oberaußem ein, woselbst die besser situierten Leute der Umgegend zu einem Trunke zusammen kamen. Eines Abends nun widerfuhr ihm auf seinem Heimwege etwas höchst Eigenartiges. Auf dem Tonnenberge nämlich gesellte sich zu ihm ein einsamer Wanderer, der klein von Person war und sich ihm anbot, sein Führer zu sein. Froh, einen Begleiter gefunden zu haben, wanderte Schult an dessen Seite, aber merkwürdigerweise ganz unbekannte Pfade hin. Plötzlich fand sich Schult vor der Pforte des Klosters Bethlehem wieder, und sein eigenartiger Führer war mit einem Male verschwunden. Niemand hat bis heute die seltsame Tatsache (?) zu enträtseln vermocht. <<

 

Die weiße Dame am Ziegenbusch

Heimatkunde von Oberaußem“ von Josef Dürbaum

>> Am Ziegenbusch, der, wie schon früher bemerkt, sich an der Stelle des jetzigen Tagebaues der Grube Fortuna befand, wandelte nachts eine weiße Dame durch das dunkle Gebüsch. Um Mitternacht lud eine unbekannte Stimme zum Essen ein. <<

 

Die wilde Jagd

Heimatkunde von Oberaußem“ von Josef Dürbaum

>> Furchtbar muß die wilde Jagd gewesen sein, die nachts von den Mönchhöfen her auf Oberaußem zu durch die Lüfte zog. Ob es alte wilde Ritter waren, die als Geister ihre Raubzüge noch fortgesetzt in die Lande unternahmen, weiß man nicht genau. <<

 

Der Wehrwolf

Heimatkunde von Oberaußem“ von Josef Dürbaum

>> Wie so manche Gegend, so war seinerzeit auch unser Ort von den Schrecken verbreitenden Taten des Wehrwolfes erfüllt. Hinter Hecken und Gärten, auf stillen Pfaden und im offenen Felde wurde er nächtlich beobachtet. Ein gar sonderbares Naturell besaß dieses Untier: äußerlich einem Bären ähnlich, kam seine Raubgier der eines Wolfes gleich, und Verstand und Klugheit waren ihm gegeben gleich einem Menschen. Kein Wunder, daß bei solchen Naturgaben eine ungewohnte große Zahl von Gräueltaten auf sein schwarzes Gewissen kam. Ein jähes Ende nahm die nächtliche Herrschergewalt des Untieres, als es eines nachts von beherzten Männern unseres Ortes in den Wiesen erwischt und derart verprügelt wurde, daß es sich völlig verzog und niemanden mehr in Bangen versetzte. <<

 

Et Zöbelsdier

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

>>[…] In den Sagen dieser Gruppe begegnen wir Wesen, die man schwerlich in aufklärende Beziehung bringen kann. Hier scheint lediglich das Grausen, das man an unheimlichen Orten empfindet, in der durch andre Sagenbilder befruchteten Phantasie des Volkes, eine, wenn auch unbestimmte, äußere Gestalt angenommen zu haben. Am ehesten könnte man noch dabei an die schrecklichen, ungestalteten Riesen der Vorzeit denken.[…]

Bergheim. Wer sich abends in der Gegend vor der alten Stadtmauer aufhält, kann dem Zöbelsdier begegnen und von ihm überfallen werden. […]

Frauweiler. Man erzählt, das die Leute in früheren Jahren abends im Felde das Zöbelsdier gesehen, und zwar besonders, wenn die gemähte Frucht auf Haufen stand. Keiner erkühnte sich, die Gestalt in ihrer Tätigkeit, die im Stehlen bestand, zu stören. […]<<

 

Teufelssagen

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

>>[…] Kein Wesen tritt in unsern Sagen häufiger auf als der Teufel, und das dürfte anderwärts ähnlich sein. Die ersten christlichen Bekehrer haben, wie bekannt, manche heidnische Vorstellung, die zu tief im Volksglauben, wurzelte, um ausgerottet zu werden, dadurch unschädlich oder gar ihren Zwecken dienstbar zu machen gesucht, daß sie dieselben, je nach Art, auf einen ihrer Heiligen oder auf den Teufel bezogen. Das letzte geschah wohl am meisten, und so mag sich schließlich auch das Volk gewöhnt haben, mancherlei unheimliche Erzählungen, deren rechte Herkunft und Beziehung unklar geworden war, kurzerhand mit dem Teufel oder sonst einem unholden Geist, dem „schwarzen“ oder „weißen Mann“ etc., in Verbindung zu bringen.[…]<<

 

Aberglauben

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

>>[…] Unsere Zeit arbeitet eifrig daran, den Aberglauben vergangener Zeiten auszurotten. Aber die Bevölkerung ist zu konservativ angelegt, als daß dieses so schnell geschehen könnte. Volksbrauch und Volksglaube schwinden nicht leicht; sie liegen vielfach in der menschlichen Natur begründet, und es wird wohl noch längere Zeit vergehen, bis der Glaube an Hexerei, Geistersehen, Vorbedeutungen etc. ganz aus dem Volke verdrängt sein wird. Auch in unserer heimatlichen Gegend war er einst sehr verbreitet und spielt vereinzelt noch, wenn auch im Verborgenen, eine Rolle. […]<<

 

Hexen

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

Schwarze Katzen in der Nacht bedeuten Hexen. – Berührt eine als Hexe verschrieene Person jemanden, so soll er sich ja säumen, sie wieder zu berühren; dann hat sie keine Gewalt über ihn. – Schleicht sich des Abends zu der versammelten Familie ein Katze auffälligerweise ins Wohnzimmer, so ist dem abwesenden Vater ein Unglück zugestoßen. - Von Berrendorf ging die Sage, daß dort viele Hexen wohnten. Daher muß man, bevor man den Ort betritt, am Heiligenhäuschen sich segnen, dann ist man vor ihnen geschützt.“

 

Räuber

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

>>[…] Vor allem begann man auch ernstlich mit der Herstellung der Öffentlichen  Ordnung und Sicherheit. Mit ihr war es infolge der vorausgegangenen langen Kriegswirren in unserer Heimat schlecht bestellt. Da Ackerbau und Gewerbe darniederlag, durchzog arbeitsloses und arbeitsscheues Gesindel das Land, dem sich entlaufene Söldner aller Nationen anschlossen. Der Krieg hatte die Gemüter dieser Menschen verroht, sie wild, kühn und unternehmend gemacht. Mit der Zeit vereinigten sich die verschlagensten unter ihnen zu Räuberbanden, die  vollständig organisiert waren. Die Kriegszeiten gaben ihnen Gelegenheit, sich, wenn sie in Banden nachts vor den auszuplündernden Häusern erschienen, das Ansehen von militärischen Korps zu geben, und so den Landbewohnern allen Mut zum Widerstande zu nehmen.

Die ersten organisierten Banden waren holländische, von denen die von Meersen ihr Unwesen in der Gegend von Aachen trieben, aber auch in unsere Heimat streiften. Sie wurden die Bocksreiter genannt, welchen Namen sie von der sonderbaren Fabel erhalten, daß jedem Räuber ein schwarzer, zottiger Bock zur Verfügung stehe, mit dem er durch die Luft zu reiten pflegte.

Mehr durchstreiften Mitglieder der Crefelder und der Neußer Bande unser Heimatland. Sie hatten eine andere Taktik als die holländischen Banden. Während diese „mit den Waffen in der Hand mit Lärmen und Schießen die festesten Tore einrennen und in die sichersten Wohnungen dringen“, schlichen jene wie furchtsame Diebe zaghaft nur in kleiner Zahl vor die Häuser, die sie bestehlen wollten, „ brachen neben Türen und Fenstern eine Öffnung“ und schlüpften so in die zu plündernden Wohnungen. Berüchtigte Namen dieser Banden waren K. Heckmann, J. Brückmann, Weyers,  Kremerius, Nagels Pitterchen, der Oberländische Hannes, der taube Franzis, Deikes Schumacher, der Züllicher Wellem, Töller, Bröcker und vor allem der genialste unter ihnen, der listige und verschlagene, aber in allen Lagen kühnste Räuber Matthias Weber, genannt Fetzer, der Anführer der Bande. 192 Diebstähle hat er begannen und bei allen sich so mutvoll und kühn betragen, wie in seiner schrecklichen Sterbestunde. Er endete auf der Guillotine in Köln erst 25 Jahre alt.

Im Süden unserer Provinz hauste die Neuwieder Bande. Ihr Anführer, der kühne Johannes Bückler. Gen. Schinderhannes, soll bei seinen Streifzügen in das Niederland auch unsern Kreis berührt haben. So erzählt man in Buchholz:

Damals, als noch die Umgegend des Ortes bewaldet war, ging einmal eine alte Frau aus dem Orte durch den Wald gen Grevenbroich. Die Angst vor dem berüchtigten Räuber, der in der Gegend sich aufhalten sollte, ließ sie ihre Schritte beschleunigen. Da gesellte sich unterwegs ein Mann zu ihr, der ihr anbot, ihr den schweren Korb zu tragen.  Die Frau teilt ihm die Angst vor dem Räuber Schinderhannes mit und erzählte seine jüngsten Schandtaten, wobei sie es an Schimpfen nicht fehlen ließ. Der Mann hörte ihr aufmerksam zu. Kurz vor dem Ziele verabschiedete sich der Fremde mit dem Bemerken, sie dürfe jetzt erzählen, Schinderhannes habe ihr heute den Korb getragen, sprachs und verschwand in den Wald.

Auch an einzelnen anderen Orten findet man noch Nachklänge der bösen und schelmischen Streiche des Räuberhauptmannes. Im Ichendorfer Walde, an der Grenze des Königsdorfer Gebietes, „in der Mordkuhl“, habe er, so erzählt man, auch gehaust, und seine Schreckenstaten sollen dieser Stelle den Namen gegeben haben. – Schinderhannes wurde mit zwanzig seiner Gesellen am 20. November 1803 zu Mainz hingerichtet.

Mit der Verfolgung dieser Banden und dem tollkühnen Treiben ihrer Mitglieder erwuchs der Polizei die größte Arbeit. Man war ihnen jedoch auf den Fersen und machte allenthalben kurzen Prozeß mit ihnen. Um die Jahrhundertwende räumte man stark mit ihnen auf. Dreißig Räuber wurden alleine in Köln von den Franzosen hingerichtet.[…]“

 

Spuk

Heimatkunde Kreis Bergheim“ von F. W. Noll

>>[…] vom Spuk erzählt man noch an vielen Orten.

Der Schreiner, der einen Sarg anfertigen muß, hört in der vorhergehenden Nacht, wie auf dem Lager von unsichtbarer Hand die Bretter durcheinander geworfen werden. –

Man will häufig mehrere Tage vor einem Sterbefall gehört haben, wie die Schubladen von Kommoden, Türen von Kleiderschränken unter Gepolter nachts von selber geöffnet und geschlossen wurden, aus denen man später Leinen, Trauerkleidung etc. gelegentlich des Todesfalles heraussuchte. –  Die Laterne, welche dem Leichenzug vorangetragen wird, war abhanden gekommen. Jemand beschaffte eine neue und stellte sie oben auf einen Schrank zu anderen Sachen. Eines Nachts  geht im Dunkeln die Schlafzimmertür auf, ein Stuhl wird an den Schrank gerückt, es spukt auf  dem Schrank. Man sieht nichts, und die Tür schließt sich wieder. Andern Morgens wird die Laterne geliehen. Unter dem selben Geräusch und in der selben Weise holt jemand dieselbe vom Schrank herunter. – […]<<