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Philipp May besuchte am 21. Juli 2019 die Absturzstelle seines Vaters

 

Die Besatzung des Halifax-Bombers V II RG 455

 

Die Crew des Halifax-Bombers. Den Absturz nicht überlebt haben: Edwin Patzer, Pilot, Christoph Grant, Ingenieur, Gibb Mendenhall, Mittlerer Oberer Schütze

In den frühen Morgenstunden des 21. Feb. 1945 stürzte der Halifax-Bomber V II RG 455 mit dem Code QO-X in Oberaußem brennend ab. Alexander May konnte sich mit dem Fallschirm retten, geriet in Kriegsgefangenschaft und wurde nach Kriegsende in sein Heimatland Kanada entlassen. Er heiratete und hatte Sohn Alexander. 1973 verstarb er.


 

Rachel und Philipp May aus Kanada zu Besuch

 

 Nachbetrachtung einer emotionalen Begegnung


Philipp May erklärt sehr bewegt, mit welcher Absicht er das Blumenarrangement gestaltet hat: "In der Mitte sind sieben Callas-Blumen, die für die sieben Besatzungsmitglieder stehen, um diese herum sind Sonnenblumen, die für die deutschen Soldaten stehen und das Grün, das um sie herum ist, das ist unser Universum". (Fotos Gaby u. Laura Brüggen)
Philipp May und Peter Brüggen, die Söhne ehemaliger Kriegsgegner, umarmen sich in Freundschaft und Frieden.
v.l.: Ca. 30 Meter vom Absturzort des Halifax-Bombers gruppieren sich Philipp u. Rachel May, Peter u. Gaby Brüggen zu einem gemeinsamen Foto.
Ein Stück Erinnerung in Form von Metall aus der Bordwand.
Zu Hause bei Gaby und Peter Brüggen
Besuch im (Eis) Salon Schmitz auf der Aachener Straße in Köln
Denkmal -Kaltes Eck- am Ende der Markmannsgasse / Ecke Frankenwerft in Köln
Spaziergang am Rhein-Ufer in Köln

Report von Gaby Brüggen 

21. Juli 2019


Nun sind mittlerweile schon 12 Jahre vergangen, dass wir in Oberaußem Besuch aus „Übersee" begrüßen durften. Hier und da erinnert man sich noch gerne an diese Zeit, war es doch für alle ergreifend und manchmal sogar unfassbar.

Am Sonntag, 21. Juli 2019, es war ein heißer Sommernachmittag, klingelte es bei uns an der Tür. Unsere Tochter Laura öffnete und nach einem kurzen Gespräch mit den Besuchern war ihr klar, dass es sich hierbei um weitere Angehörige von einem Besatzungsmitglied des Halifax-Bombers, der in unserem Garten abgestürzt war, handelte und bat sie rein.

Etwas schüchtern und sehr freundlich teilten Philipp May und seine Ehefrau Rachel uns mit, dass sie zur Zeit auf Europareise sind und sich als Ziel vorgenommen haben, den Absturzort der Halifax, bei der sein Vater- Alexander May - überlebendes Besatzungsmitglied war, einmal zu besuchen. Sie wohnten für drei Tage in Bergheim in einem kleinen Hotel und haben sich über eine Mitarbeiterin vom Museum „Bergheimat" erkundigt, wie sie zu uns kommen könnten. Als Information hatten sie Foto aus dem Internet mit der Erinnerungs-Tafel , die an unserer Scheune angebracht ist.

Wir gingen alle zusammen hoch in den Garten und zeigten beiden die Absturzstelle sowie einige Wrackteile, die als Erinnerung an einem Mauerstück angebracht worden sind. Es war die gleiche Sympathie wie auch bei den anderen Angehörigen, die schon bei uns waren. Es wurde noch viel erzählt und Unterlagen vom damaligen Besuch und Gedenkfeier im Garten gezeigt. Am Abend verabredeten wir uns für den nächsten Tag zum Kaffee bei uns.

Am Montagnachmittag kamen beide um 15.00 Uhr zu uns nach Hause, wo wir gemeinsam Kaffee tranken und weiter ins Gespräch kamen. Wir merkten bei der Unterhaltung schon, dass es Philipp bedrückt hatte, mitzuerleben, wie stark sein Vater, der den Absturz überlebt hatte, doch traumatisiert war. In den vorangegangenen Berichten steht u.a. von den überlebenden Besatzungsmitgliedern: von Philipp May haben wir nie wieder was gehört.*

Nun schließt sich hier der Kreis und wir haben doch noch etwas erfahren: dass das Besatzungsmitglied Alexander May geheiratet hat, dass er einen Sohn - Philipp May -  hat und dass er 1973 verstorben ist. Philipp May lebt mit seiner Ehefrau Rachel und Familie in Sunbey in der Nähe von Toronto. Und weiter noch: Philipp May ist Lehrer, aber auch ein bekannter Jazz-Drummer. Zu unserer CD-Sammlung reihen sich jetzt noch vier weitere Jazz-CD's dazu.

Nach dem Kaffeetrinken zeigte uns Philipp einen großen Blumenstrauß, den er mitgebracht hat und nach seinen Vorgaben hat binden lassen. Es waren sieben Callas-Blumen, die für die sieben Besatzungsmitglieder stehen, um diese waren Sonnenblumen gesteckt, die stehen für die deutschen Soldaten und das grün, was darum herum war, das ist unser Universum. Dann zeigte er uns ein Beutel mit Sand von dem Strand in Kanada, an dem sein Vater gerne war und ein Beutel mit Steinen von seinem zu Hause. Philipp bat darum, mit uns hoch in den Garten zu gehen und den Blumenstrauß an der Absturzstelle hinstellen zu dürfen sowie Sand und Steine dort verstreuen. Das war auch für uns ein sehr ergreifender Moment und wir gingen gemeinsam in den Garten. Als wir oben standen, sprach Philipp rührende Worte, welche uns das Gefühl gab, dass er und natürlich auch seine Frau etwas abschließen möchten. Als Erinnerung schnitt Hans Peter für Philipp noch ein Stück vom Flugzeugwrack als Erinnerung für zu Hause ab.  Es war ein beglückender Moment und wir drückten uns anschließend sehr herzlich. Als weitere Erinnerung füllte Phillip noch etwas Erde aus unserem Garten in eine Dose, die er auch mit nach Hause nehmen wird.

Als wir wieder unten im Hof waren, telefonierte Philipp mit der Nichte des abgestürzten Piloten Patzer. Mit ihr hatte er einen Kontakt aufgebaut und sie mit seinen Erkundigungen auf dem Laufenden gehalten. Wir hatten die Möglichkeit, aufgrund der Handy-Lautsprecherfunktion zwar unbekannter Weise, aber doch von Herzen ihr Grüße und gute Wünsche aus Deutschland zukommen zu lassen. Auch sie freute sich sehr für Philipp, Rachel und uns für die gemeinsame Zeit und das Erlebte. Abends fuhren wir nach Glessen zu „Ronny" und haben dort lecker gegessen und auch noch bis Mitternacht erzählt. Ronny saß nachher noch bei uns mit am Tisch und lud uns zum Abschluss noch zu einem lecker Kölsch ein.

Dann war es Zeit nach Hause zu fahren und wir verbredeten uns auch noch für den nächsten Tag in Köln. Es war der 59. Geburtstag von Philipp May und es war wohl mit einer der heißesten Tage in diesem Jahr. Wir besuchten zuerst - wie es sich gehört - den Kölner Dom. Von dort ging es weiter durch die City bis zur Aachener Straße. Hier schauten wir uns noch ein paar interessante Bauten sowie zwei romanische Kirchen an und erzählten noch was zu Kölschen Vierteln und Anekdötchen. Natürlich wurde auch etwas geschoppt.

Es war ein langer Fußmarsch und als Belohnung gab es für alle das beste Eis von Köln beim „Schmitz" auf der Aachener Straße. Dort haben wir eine ganze Weile noch pausiert und von dort aus ging es mit der Straßenbahn weiter in die Altstadt und zum Rhein.

Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem schönen Lokal mit Blick zum Rhein hieß es dann für alle „Goodbye" zu sagen und wir zogen gemeinsam zurück in Richtung Hotel und Bahnhof. Es folgte ein sehr herzliches und emotionales Verabschieden mit einem inneren Dankgefühl für diese schönen Tage.

Für Philipp und Rachel geht die Reise nun weiter nach Frankreich und Belgien und dann zurück nach Hause. Wir hoffen auf ein Wiedersehen.

An dieser Stelle möchten wir: Gaby, Hans-Peter und Laura Brüggen dem damaligen Team vom Stadtteilforum herzlich danken, die die Weichen für diese Besuche überhaupt ermöglicht und unser Leben bereichert haben.

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