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Der Bildhauer Heinrich Klein-Arendt

Heinrich Klein-Arendt +2005

Der Schriftbildhauer Heinrich Klein bezog 1971 sein Haus in Oberaußem, Am Berg. Mit ihm bekam das kulturelle Leben in Oberaußem eine neue Qualität, In einer Ausstellung in der Pauluskirche und der ev. Erlöser-Kirche in Niederaußem wurden die Werke von Klein-Arendt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Veranstaltung, die in der Zeit v. 23. Februar bis 11. März 2907 dauerte, organisierte das Kath. Bildungswerkes im Rhein-Erft-Kreis in Zusammenarbeit mit den Kath. Pfarrgemeinden St. Vinzentius in Oberaußem, St. Baptist in Niederaußem sowie der Ev. Kirchengemeinde in Niederaußem und dem Stadtteilforum Oberaußem.

Hans Griese

Ausstellung Heinrich Klein-Arendt

Die Ausstellung ist eröffnet!

In der gutbesuchten Pauluskirche in Niederaussem eröffneten Pfarrer Achim Brennecke, Pfarrer Christopf Tebbe und Prälat Josef Sauerborn mit einem ökumenischen Gottesdienst am Freitag, 23.2.2007, 19:00 Uhr, die Kunstausstellung des Künstlers Heinrich Klein-Arendt.

Pfarrer Christoph Tebbe
Prälat Josef Sauerborn
v.l. Prälat Josef Sauerborn, Pfarrer Christoph Tebbe und Pastor Achim Brennecke

Biografie von Heinrich Klein-Arendt

PD Dr. Reinhard Klein-Arendt

Vortrag von Privatdozent Dr. Reinhard Klein-Arendt

 

"Mein Vater wurde 1916 in Köln geboren und hat die meiste Zeit seines Lebens dort oder in der Nähe verbracht. Aber das gängige Stereotyp vom urwüchsigen Domstädter mit Dialekt, jovialem Auftreten und Vorliebe für Karneval passt überhaupt nicht zu ihm. Dies hat nicht zuletzt mit seiner vielschichtigen und abwechslungsreichen Biografie zu tun.

Er hatte eine strenge Erziehung genossen, besonders durch seinen älteren Bruder Willi, der ihm den Vater ersetzen musste. Nur wer seine emphatischen Schilderungen über den Bruder gehört hat, kann ermessen, welch wichtige Rolle dieser in seinem Leben gespielt hat. Die Erziehung stellte die Neugier auf das Wissen dieser Welt in den Vordergrund (was sich bei meinem Vater später in einem enzyklopädischen Wissen und einem breitgefächerten Interesse für zeitgeschichtliche Phänomene niederschlug). Vor allem lag dem Bruder die Förderung des musischen Interesses und Talents seines Schützlings am Herzen: Das Fundament für die Liebe zur Kunst, Literatur und Musik wurde in dieser Zeit gelegt.

 

So ist es auch nicht verwunderlich, dass mein Vater von Jugend an besonders eine Vorliebe für die Bildhauerei und das Zeichnen entwickelte. Er mutierte jedoch nicht etwa zu einem verschrobenen, abgehobenen Atelierhocker, sondern nahm am Leben teil. Dies äußerte sich beispielsweise darin, dass er aktiv Leichtatlethik betrieb, hart trainierte und es darin zu beachtlichen Leistungen brachte. Beide Aspekte, die bildende Kunst und die Leichtathletik, kamen Zeit seines Lebens in seinem bildnerischen Schaffen zusammen: Viele der Figurenpositionen wurden aus sportlichen, insbesondere gymnastischen Bewegungsabläufen abgeleitet.

 

Seine Ambitionen, nach dem Abitur die Künsterlaufbahn einschlagen zu können, erlitten durch den Zweiten Weltkrieg mehrere herbe Rückschläge. Zunächst musste er seine Zeit im Reichsarbeitsdienst ableisten, dann seiner Wehrpflicht nachkommen. Diese fiel mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zusammen, den mein Vater bis zum bitteren Ende mitkämpfen musste. Der Krieg war in mehrfacher Hinsicht für ihn eine Katastrophe: Er hatte, zunächst jedenfalls, keinerlei Erlaubnis zu studieren. Was für eine Wirkung die Kriegsgräuel auf einen musischen, sensiblen Menschen gehabt haben müssen, lässt sich nur erahnen. Mein Vater hat deswegen, noch über den Überlebenskampf im Kriegsgeschehen hinaus, immer seinen eigenen, stillen Überlebenskampf geführt. Sichtbarster Ausdruck dafür war, dass er sich überall dort in Europa, wo er hinkam, Bücher über Kunst und Literatur kaufte und las, um damit ein Gegengewicht gegen das Grauen zu schaffen.

 

Erst eine Kriegsverwundung verschaffte ihm einen Studienurlaub in Königsberg, wo er im Staatlichen Meisteratelier für bildende Künste bei Professor Hans Wissel seine Ambitionen in die Praxis umsetzen konnte. Der Frieden währte jedoch nur kurze Zeit. Bald musste er wieder an die Front. Der weitere Kriegsverlauf brachte für meinen Vater weitere Verwundungen mit sich, darunter den Verlust des linken Auges, wodurch das für einen Bildhauer so wichtige räumlich Sehen spürbar beinträchtigt wurde.

Da die Umstände der Nachkriegszeit es nicht zuließen, schon zu diesem Zeitpunkt an eine Akademie zurückzukehren, zog er es vor, beim Steinmetzmeister Peter Muschard praktische Erfahrungen am Material zu sammeln. Das sollte sich später auch auszahlen.

 

1947 wurde er in die Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen, wo er in der Bildhauer-Klasse von Professor Sepp Mages seine künstlerische Entwicklung fortsetzen konnte, zusammen mit illustren Gestalten wie Günter Grass und Joseph Beuys. Besonders Grass erinnert sich gerne an meinen Vater: Dieser, als Nachbar von Grass am Modellierbock, habe ständig ganze Sinfonien vor sich hin gepfiffen. Diese Pfeifkonzerte hätten wesentlichen Anteil daran gehabt, dass er, Grass, seine Liebe zur klassischen Musik entwickeln konnte.

Die bei Mages entstandenen Arbeiten waren Frauengestalten in archaischer Strenge, die wegweisend für sein späteres figürliches Werk sein sollten: zumeist als Akt blieb die menschliche Figur das bestimmende Thema. Auf die Frage nach dem Warum nannte mein Vater stets zwei Gründe: Erstens sei die Auseinandersetzung des Künstlers mit Materie und Raum unabhängig davon, ob man sie mit figürlichen oder abstrakten Formen führe, wobei die Übergänge eh fließend seien; zweitens würden nicht wirklichkeitsbezogene Plastiken leichter als figürliche die Gefahr in sich bergen, eine – wie er es immer nannte – „Masche“ (also erfolgsheischende Masche) zu kreieren, das heißt künstlerisch unehrlich zu werden. Das letzte Argument rührt wohl aus einem seiner Schlüsselerlebnisse: Aus der Erkenntnis heraus, dass künstlerische Arbeit die In-Frage-Stellung von Bestehendem, die Überwindung von Verkrustungen bedeutet, entstand die Idee zu dem Tableau mit der Bezeichnung „Aufbrüche“. Das Tableau besteht aus einer rechteckigen Tafel, deren glatte Oberfläche an einigen Stellen „aufgebrochen“ ist und den Blick in die inneren Reliefstrukturen freigibt. Als diese Arbeit ausgestellt wurde, reagierte das Publikum mit viel Lob und Zuspruch für diese neue Idee. Aber was viele andere mit Stolz erfüllt hätte, ärgerte meinen Vater über alle Maßen. Er mißbilligte vor allem die Oberflächlichkeit, mit der die „neue Masche“ gefeiert bzw. konsumiert wurde, ohne dass nach der eigentlichen, künstlerischen Absicht, der dahinter stehenden intellektuellen Idee gefragt wurde.

Resultat dieses Ärgers war, dass er sich sofort von dieser ja Publikumserfolg versprechenden Ausdrucksform abwandte und das abstrakte Arbeiten bleiben ließ. Resultat war auch, dass er, trotz zahlreicher Angebote, kaum noch an Ausstellungen teilnahm, weil er mit der Oberflächlichkeit des Kunstbetriebs bzw. des Kunst-Business nicht einverstanden war. Man kann diese Haltung natürlich mit Schulterzucken kommentieren – aber es war einfach nur seine konsequente künstlerische Linie, die sein Verhalten und sein Werk bestimmten. Wie man heute sagen würde: „Er hat sein Ding durchgezogen.“ Auf der anderen Seite bedeutete dies nicht, dass er sich nun von der Öffentlichkeit abgewandt hätte. Dies zeigt sich bspw. darin, dass er zwischen 1973 und 1989 Lehrbeauftragter für die Kurse „Bildhauerei“ und „Bildnerisches Gestalten“ des Anton-Heinen-Hauses in Bergheim war.

 

In den Jahrzehnten nach dem Krieg hat er sich vielen Materialien und vielen Thematiken gewidmet. Die Formate seiner Skulpturen reichen von der Fingergröße bis zur Überlebensgröße, die verwendeten Materialien waren Ton, Plastilin, Gips, Stein und Bronze. Eine Reihe dieser Skulpturen können Sie in der Ausstellung betrachten. Dabei war „Qualität“ einer seiner Leitbegriffe. Handwerkliche Qualität war für ihn die Voraussetzung, aber nicht das Ziel seiner Arbeit. Schöpferische Qualität bedeutete für ihn, bei dem Aufbau einer Plastik mit der Zähigkeit vorzugehen, deren Basis allein die künstlerische Wahrheit sein kann. Dies bedeutete auch, dass er Werke, von denen er glaubte, dass sie diesem Anspruch nicht standhielten, mit eigener Hand wieder zerstörte, nicht selten unter dem Wehklagen seiner Umgebung.

Bei Figurengruppen griff mein Vater meist auf lebensgroße bis überlebensgroße Formate zurück. Hier hat er mehrere herausragende Arbeiten geschaffen. Beispiele sind die Gruppe „Vier Haimonskinder“ zu Pferde, die in Köln-Braunsfeld vor der Schule Geilenkircher Straße steht und deren Abbild seit einigen Jahren das Schulwappen ziert. Die Gruppe „In Erwartung des Vaters“ (volkstümlich „Mutter mit Kindern“) in Bergheim auf dem Hubert-Rheinfeld-Platz wird jedem von Ihnen bekannt sein.

Ein weiterer Schwerpunkt im Zusammenhang mit seinem figürlichen Schaffen waren seine Sonnenuhren, die er beispielsweise vor Schulen in Duisburg und Köln aufstellte. Damit bewies er sein Talent, einen eigentlich rein funktionalen Gegenstand mit bildhauerischen Mitteln in ein Kunstwerk, eine Plastik umzusetzen. Darüber hinaus konnte er die künstlerischen Prinzipien, die ihn allgemein bei der Schaffung von Skulpturen leiteten, auch hier anwenden: Ruhe, Geschlossenheit und Materialgerechtigkeit.

Neben der Schaffung von Skulpturen im weitesten Sinne galt sein zweites großes künstlerisches Interesse der Schrift. Da mein Vater niemals die Werbetrommel in eigener Sache gerührt hat und niemals daran dachte, die Ergebnisse seiner Kunst zu kommerzialisieren, war die Beschäftigung mit der Herstellung von Grabsteininschriften häufig die Lebensgrundlage für ihn und seine Familie. Dies bedeutet aber nicht, dass für ihn die bildnerische Gestaltung von Grabsteinen zweitrangig gewesen wäre. Vielmehr war er der festen Überzeugung, dass gerade hier, in einem teilweise vorgegebenen Rahmen, bildhauerische Disziplin und Kreativität gefordert waren. Gerade hier kommt das zum Ausdruck, was er als „pädagogischen Anspruch“ an sich selbst bezeichnete. Damit ist die Fähigkeit des Schaffenden gemeint, durch die Arbeit in einem immerwährenden Lernprozess zu bleiben.

In den letzten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit blieb er der Schrift zugewandt. In seinem Atelier schuf er, mit Tusche, Zeichenpapier und viel Experimentierfreude ausgestattet, Kalligraphien – pointierte Texte mit Lebensweisheiten oder zeitlos kritischen Kommentaren zu Phänomenen der modernen Welt. Diese verfasste er in verschiedenfarbigen Zierschriften und harmonischen Arrangements, so dass der Gesamttext auf der weißen Fläche des Papiers wiederum ein harmonisches Muster bildet. Und damit ist die Eigenschaft genannt, die alle künstlerischen Schaffensbereiche meines Vaters zusammenhält, so unterschiedlich diese auch vom Material und der Konzeption her sein mögen, nämlich die Harmonie. Die Figurengruppe mit der Mutter, die ihre Kinder an der Hand hält, hat mit diesen einen harmonischen Halbkreis eingenommen, die Sonnenuhr bildet einen harmonischen Kreis, die Inschriften auf Stein und die Schriften auf Papier folgen exakten Harmoniemustern.

Wie Peter Tange vor über 20 Jahren über meinen Vater schrieb (und mit diesem Zitat möchte ich schließen): „Vor dem Hintergrund dieses Willens zur gleichsam universalen Qualität der Harmonie ist das Werk Klein-Arendts zu sehen; denn es ist nicht spektakulär – aber es läßt sichtbar werden.“

 

 

v.l. Frau Klein-Arendt, Prälat Josef Sauerborn u. Pfarrer Achim Brennecke
v.l. Pfarrer Christoph Tebbe, Besucherin u. Frau Klein- Arendt
v.l. Prälat Josef Sauerborn, Dr. Rheinhard Klein-Arendt, Sohn des Künstlers, Pfarrer Achim Brennecke
v.l. Josef Wagner, Stadtteilforum Oberaussem, Ulrike Nießen, Kath. Bildungswerk im Rhein-Erft-Kreis, Hans Griese, Stadtteilforum Oberaussem
Die Reitende, Bronze

Ausgestellte Plastiken des Künstlers in der Pauluskirche Niederaussem.

Die Ausstellungs-Vitrinen stellte freundlicherweise die Stadt Bergheim zur Verfügung.

 

 

Plastiken des Künstlers in der Pauluskirche in Niederaussem. Die Vitrinen wurden freundlicherweise von der Stadt Bergheim für diesen Anlass zur Verfügung gestellt.

Weitere Kunstwerke

In Erwartung des Vaters

Mit dieser Figurengruppe (1981) hat sich der Künstler Heinrich Klein-Arendt in der Stadt Bergheim für immer ein Denkmal gesetzt.
Namensschild v. HKA neben der Skulptur

Die vier Haimonskinder

Die bronzene Figurengruppe „Die vier Haimonskinder" (1969) mit Gestalten aus dem karolingischen Sagenkreis, der Haimonskinder-Sage – den „Wunderhengst“ Bayard, der die vier Haimonskinder in die Freiheit trägt, sah Heinrich Klein-Arendt „Symbol der Schule, die den Werdenden in das Leben hinausführt“. Köln-Braunsfeld, Geilenkircher Straße 52.
Das kunstvolle Monogramm von HKA ist an den vier Ecken der Bodenplatte angeordnet.

Erinnerungstafel für die jüdische Gemeinde Bergheim

 

Die alte jüdische Synagoge genügte nicht mehr den Anforderungen und wurde 1882 für baufällig erklärt.

Am 9. November 1883 wurde die neuerbaute Synagoge der hiesigen israelischen Gemeinde eingeweiht und ihrem gottesdienstlichen Zwecken übergeben.

Am 2.Februar 1938 gab Bürgermeister Simon der Ratsversammlung bekannt, dass israelische Gemeinde die Synagoge zum Kauf angeboten habe.

Familie Hilgers und Bohlen kauften die Synagoge und bauten sie zu einem doppelten Wohnhaus um.

In der sogenannten Kristallnacht wurden die beiden Familien von den Braunhemden heimgesucht, Nach dem die neuen Eigentumsverhältnisse geklärt waren, holten die Braunhemden den Leichenwagen aus dem Schuppen, beluden ihn mit dem Restinventar wie Bänke, Pult und Gebetsbüchern und zogen damit durch die Stadt und verbrannten es vor der Kreisleitung.

Zum Ende des 2. WK wurde das Doppel-Haus durch Bomben stark beschädigt.

Wiederaufgebaut, ist es in den 70ziger Jahren im Rahmen der Stadtsanierung verschwunden.

1981 schuf der Künstler Heinrich Klein-Arendt die Erinnerungstafel, die heute an der Ziegelsteinmauer an der Klostergasse zu finden ist.

(Quelle:  Gerd Friedt,  München. "Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bergheim")

 

 

 

ev. Erlöserkirche Niederaußem

Kunst-Kirchenfenster von Heinrich Klein-Arendt 1980 entworfen!

Heinrich Klein-Arendt: „Ich sah die Ähren als Symbol der Vergänglichkeit". 

 

Ein Interview mit dem Künstler H. Klein-Arendt über seine Kirchenfenster in der Erlöserkirche.

 

 

Die Kunstfenster aus der Sicht von innen

Die beiden Fenster mit den Namen der Evangelisten Matthäus, Markus, Johannes und Lucas

Die Renovierung der sieben Kirchenfenster auf der Nordseite der 1955/56 erbauten Evangelischen Kirche des Erlösers wurde 1980 erneuert und durch Bleiglasfenster ersetzt, deren künstlerische Gestaltung Heinrich Klein-Arendt übertragen wurde. Während die Motive der 5 rechten Fenster & Ohren Motive zeigen, sind die Glasflächen der beiden linken Fenster mit den Namen der Evangelisten Johannes, Paulus, Matthäus und Markus gestaltet. Der Klein-Arendt zeigt seine Leidenschaft, Schriften zu kreieren und die Buchstaben so zu gestalten und zu strukturieren, dass jedes Wort ein kleines Kunstwerk darstellt.