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Kommerzienrat Adolf und sein Sohn, Dr. Paul Silverberg

Bearbeitung Oktober 2006, 2018, Ulrich Reimann

 

Der Verfasser der nachfolgenden Zusammenstellung, möchte den interessierten Lesern zwei für die hiesige Braunkohlenindustrie und damit auch für Oberaußem sehr bedeutende Männer vorstellen. Beide haben den nicht nur für die beiden Orte, sondern für den gesamten Braunkohlenbergbau und die Deutsche Wirtschaft so wichtigen Industriezweig, in seiner Anfangszeit maßgeblich mitbestimmt und mitgeformt.

Es waren der Kommerzienrat Adolf Silverberg und insbesondere dessen Sohn,

Dr. Paul Silverberg.

 

 

Diese Zusammenstellung von Eckdaten aus dem Leben der beiden Herren, soll dazu beitragen, den Namen Silverberg und die damit verbundenen Einflüsse auf die Entwicklung der Braunkohlenindustrie und speziell in Oberaußem - Fortuna, allgemein wieder in Erinnerung zu rufen und zu bewaren.

War es doch Adolf Silverberg, der das Potential und die besondere Bedeutung der hiesigen Braunkohle erkannte und deren professionelle Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung in die Wege leitete und entwickelte.

Sein Sohn Paul Silverberg führte ab 1903 nach dem Tode von Adolf Silverberg, das Werk seines Vaters sehr erfolgreich fort.

 

Vielleicht ist diese Ausarbeitung auch Anregung dazu, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, ob man auch in Oberaußem, wie in einigen Nachbarorten bereits geschehen, eine dauerhafte Erinnerungsstätte (Straßenname, Platz, Erinnerungstafel o. a.), als kleines Dankeschön und als Zeitzeugnis, für diese beiden bedeutenden Männer errichten kann.

 

Die nachfolgend zusammengefassten Informationen wurden, teilweise im Originaltext, verschiedenen bereits veröffentlichten Werken zu diesem Thema entnommen.

Hier sei insbesondere auf folgende Bücher zu diesem Thema verwiesen:

  • Gerd Friedt: „Die Familie von Kommerzienrat Adolf Silverberg“. Zwangsläufig wird in diesem Buch auch ein Teil der Geschichte der Rheinischen Braunkohlenindustrie maßgeblich mit aufgearbeitet. 1996 veröffentlicht
  • Fritz Wündisch: „Von Klütten und Briketts“
  • Detlef Witt: „Kraftwerke Fortuna“

 

Kommerzienrat Adolf Silverberg

* 1845 in Goch; † 1903 in Köln, war ein jüdischer Industrieller.

Er trug Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung Bedburgs bei. Unter Führung von Adolf Silverberg entwickelte sich im Rheinland eine moderne Braunkohlenindustrie. Für seine Verdienste erhielt er den Titel eines Kommerzienrates.

Durch die Heirat mit Theodora Schönbrunn 1872 entstand die erste Verbindung zu Bedburg. Er und seine Familie verhalfen der Stadt im Rhein-Erft-Kreis (NRW) zu einigem Wohlstand. Adolf Silverberg arbeitete zunächst im Betrieb seines Vaters in Goch mit, bevor er seinen Teil des Gewinns in die Gründung der Bedburger Wolle und die Rheinischen Linoleumwerke investierte. Er schuf damit in dem beschaulichen Städtchen an der Erft 1000 Arbeitsplätze. Der Anschluss Bedburgs an die Bahnlinie im Jahr 1869 war eventuell der Grund für Silverbergs dortige Aktivitäten.

Auf seine Initiative hin, genehmigte der Kreistag 1894 den Bau eines Netzes von meterspurigen Kleinbahnen, den Bergheimer Kreisbahnen. Sie dienten u.a. dem Transport von Rohbraunkohle und Briketts.

In der weiteren Umgebung der Grube Giersberg-Fortuna entstehen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Kleinindustriebetriebe, u. a. Wollspinnereien, Zuckerfabriken und eine Linoleumfabrik. Die Eigentümer sehen sehr bald den Vorteil, ihre Kesselanlagen mit der in der Nähe lagernden Braunkohle zu befeuern. Am besten ist es, so eine Grube selbst zu besitzen.

Zu diesen Unternehmern gehören u. a. Justizrat Balduin Trimborn aus Köln sowie Adolf Silverberg aus Bedburg.

1898 kaufte eine Gesellschaft unter der Führung von Adolf Silverberg und dem Bankhaus Sal. Oppenheim aus Köln die Braunkohlegrube Fortuna auf. Kurze Zeit später wurde auch die Beisselsgrube erworben.

Zu den Unternehmern gehörte auch der Justizrat Balduin Trimborn aus Köln.

Trimborn hat anscheinend dem Baron Oppenheim die Idee der Gründung einer Gewerkschaft nahegebracht. Am 15. Mai 1898 verkauft Oppenheim seine Konzessionen: „Giersberg-Fortuna, Schlenderhan, Urwelt und Urwelt II (zusammen 5416 Morgen)“ an die „Gewerkschaft Fortuna zu Grube Giersberg-Fortuna bei Quadrath“, die offiziell am 20. Mai 1898 gegründet wird.

Eine Gewerkschaft ist eine juristische Person, die, ohne daß eine Gründung offiziell vollzogen werden muß, entsteht, wenn zwei oder mehrere Personen Eigentümer eines Bergbaubetriebes werden. Ein Grundkapital, wie es z. B. bei Aktiengesellschaften erforderlich ist, muß bei einer Gewerkschaft nicht vorhanden sein. Wenn Geld gebraucht wird, schießen die Herren Gewerken es zu, entsprechend der Anzahl ihrer Kuxe, d. h. Anteile. Nach Preußischem Bergrecht hat eine Gewerkschaft 100 Kuxe.

Am 23. Mai 1898 findet die erste Versammlung der 28 Herren Gewerken der aus 1000 Kuxen bestehenden Gewerkschaft statt. Repräsentant der Gewerkschaft wird Balduin Trimborn. Beteiligt sind u. a. die Herren Silverberg und Suermondt, letzterer ist ein Bankier aus Aachen.

Obwohl dem Anschein nach Trimborn die ersten Schritte zur Verwirklichung der Gewerkschaft Fortuna getan hat, kristallisiert sich von Anfang an Adolf Silverberg als leitende Figur heraus. Ihm wird im Übrigen 1899 der Titel „Kommerzienrat“ verliehen. Der damalige Handelsminister berichtet dem Kaiser: Silverberg habe sich durch hohe kaufmännische Begabung und regen Unternehmergeist aus kleinen Verhältnissen emporgearbeitet und zähle jetzt „zu den ersten Industriellen des Dürener Bezirkes“.

Adolf Silverberg macht sich 1900 schon Gedanken darüber, auf der Grube Fortuna ein „Elektrisches Kraftwerk“ zu errichten. 1902 werden sogar konkrete Verhandlungen mit der Stadt Köln geführt. Aber die Zeit ist noch nicht ganz reif für ein solches Unternehmen. Der Zündfunke dieser Idee aber glimmt weiter.

1902 führte Adolf Silverberg auf Grube Fortuna die ersten Versuche zur Einführung der maschinellen Kohlegewinnung im Grubenbetrieb durch.

Silverberg hat auch maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der damaligen Arbeitersiedlung Fortuna. Für die vielerorts, auch im Ausland angeworbenen, notwendigen Arbeitskräfte errichtet die Gewerkschaft Wohnhäuser in Fortuna. Die Übernahme sozialer Verantwortung für ihre Arbeitnehmer dokumentiert die Gewerkschaft unter Führung von Adolf Silverberg mit der Einrichtung der „Silverberg-Stiftung“. Die Gelder dieser Stiftung dienten zur „außerordentlichen Unterstützung“ von Arbeitern. Fortuna wächst schnell zu einem ansehnlichen Ort.

 

 

Dr. jur. Dr.- Ing. E.h. Dr. rer. pol. h.c. Paul Silverberg

* 6. Mai 1876 in Bedburg; † 5. Oktober 1959 in Lugano war ein deutscher Industrieller.

Paul Silverberg hat in Bonn und in München studiert und absolviert dort auch eine einjährige Militärzeit beim Ersten Schweren Reiterregiment „Prinz Carl von Bayern“. Er wird als Leutnant der Reserve entlassen. Anschließend, im Sommer 1902, promoviert er in Bonn. Den üblichen juristischen Vorbereitungsdienst übt er am Amtsgericht in Grevenbroich sowie am Amts- und Landgericht Köln aus. Im Frühjahr 1903 wird er als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht zu Köln zugelassen.

In seiner Freizeit arbeitet Paul Silverberg an kirchenrechtlichen Themen.

Am 25. September 1903 wurde der noch recht junge und unerfahrene Paul Silverberg in der Nachfolge seines verstorbenen Vaters, Kommerzienrat Adolf Silverberg, Generaldirektor der Fortuna AG für Braunkohlebergbau und Brikettfabrikation, aus der später die Rheinische AG für Braunkohle und Brikettfabrikation (Rheinbraun) entstand. 1926 wechselte er in den Aufsichtsrat des Unternehmens.

Mit ausgeprägtem Pflichtgefühl arbeitet sich Paul Silverberg ein und schafft es, unterstützt von einer günstigen Wirtschaftsentwicklung, die Fortuna AG in den folgenden Jahren wesentlich voranzubringen. „Der Doktor“, wie Paul Silverberg in Zukunft immer bezeichnet wird, erlangt schnell einen großen Bekanntheitsgrad.

Aufgrund seiner fürsorglichen Art gegenüber allen Mitarbeitern war er sehr schnell auch außerordentlich beliebt. Dies galt vor allem für die Bewohner der zu Oberaußem gehörenden Kolonie Fortuna. So hatte er maßgeblichen Anteil an der Einrichtung einiger für den kleinen Ort so wichtiger Instutitionen wie z. B. Schule, Kindergarten und Kirche. Besonders bei der Einrichtung eines Pfarrrektorates und beim Bau der St. Barbarakirche hat sich Paul Silverberg sehr verdient gemacht. Als Dank für diesen Einsatz erhielt der gebürtige Jude, der zum evangelischen Glauben übertrat, ein Bild des Papstes mit persönlicher Widmung und eine silberne Papst-Medaille.

 

Als stellvertretender Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Industrie (RDI) (ab 1927), Vorsitzender der Vereinigungsgesellschaft Rheinischer Braunkohlenwerke (ab 1914) und Aufsichtsratsvorsitzender des Rheinischen Braunkohlesyndikats (ab 1914), war DVP-Mitglied Dr. Paul Silverberg einer der einflussreichsten Vertreter der Montanindustrie in der Weimarer Republik.

1926 wird Silverberg Vorsitzender des Aufsichtsrates der RAG. Seine in diesem Jahr in Dresden vorgetragene Rede „zum Sozialempfinden“ findet im Reich starke Beachtung. Silverberg wird zwei Jahre später auch Mitglied der „Ruhrlade“, einer Gruppierung von zunächst 12 Großindustriellen, die in der Kruppschen Villa Hügel, Absprachen zur Lohn- und Gewerkschaftspolitik sowie zu Mengenproduktionsquoten treffen.

1928 hielt er eine berühmt gewordene Rede vor den Mitgliedern des RDI, in der er für einen "staatsbejahenden Standpunkt" der Unternehmer, für Zustimmung zur Weimarer Republik und für eine Zusammenarbeit mit SPD und Gewerkschaften eintrat. Dies trug ihm herbe Kritik von Industriellen ein, die wie Fritz Thyssen, Emil Kirdorf und Albert Vögler der Republik weiterhin feindlich gegenüberstanden. Das Angebot, im Oktober 1931 als Verkehrsminister in das zweite Kabinett Brüning einzutreten, lehnte er ab.

Der Privatsekretär von Paul Silverberg, Otto Meynen, gab seit 1928 die Deutschen Führerbriefe heraus. Das Blatt unterstützte eine Regierungsbeteiligung der NSDAP im Sinne eines Zähmungskonzeptes. Es ist nicht bekannt, ob Silverberg diese Haltung teilte. Im November 1932 nahm er über das Mitglied des Herrenklubs, Werner von Alvensleben Kontakt zu Hitler auf.

Anfang der dreißiger Jahre gelingt es dem RWE die Aktienmehrheit der RAG zu erlangen. Man erreichte die Zustimmung der Aktionäre, die „Rheinische (RAG)“ dem RWE anzugliedern.

Paul Silverberg akzeptiert die Art der Angliederung nicht und tritt daher als Vorsitzender des Aufsichtsrates der RAG zurück. Den wesentlichen Grund für seine Resignation faßt er in folgendem Satz zusammen:

 

„….Damit wird künftig über die Geschicke der Rheinischen Braunkohle nach den Gesichtspunkten des übergeordneten Unternehmens entschieden werden.“

 

Mit der Generalversammlung am 31. März 1933 beginnt die Zugehörigkeit der RAG zum RWE.

 

Kurz nach seinem Ausscheiden aus der RAG bekommt auch Dr. Paul Silverberg die neue politische Macht zu spüren. Kurzerhand muß er das von ihm besonders geschätzte Amt des Präsidenten der Kölner IHK aufgeben.

1934 musste Paul Silverberg aufgrund seiner jüdischen Herkunft in die Schweiz emigrieren. Das tat er aber erst nachdem gute Freunde ihm sehr lange und intensiv zugeredet haben. In Lugano läßt er sich nieder.

Während und nach dem II. Weltkrieg hält sich in der Fortuna-Belegschaft hartnäckig das Gerücht, Silverberg habe durch seine hervorragenden internationalen Verbindungen dafür sorgen können, daß die Fortuna-Werke nicht, wie andere vergleichbare Anlagen, in Schutt und Asche gebombt wurden.

Trotz Bitten Konrad Adenauers lehnte Dr. Paul Silverberg nach 1945 eine Rückkehr nach Deutschland ab. Auch die 1951 erfolgte Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Bedburg, sowie die gleichzeitige Wahl zum Ehrenvorsitzenden der Kölner IHK haben Dr. Paul Silverberg nicht dazu bewegen können, seinen Wohnsitz wieder in Deutschland zu nehmen. Er stirbt am 5. Oktober 1959 in Lugano – 83jährig - und wird am 8. Oktober auf dem neuen Wald-Friedhof in seiner Heimatstadt Bedburg, im Grab seiner Eltern beigesetzt. In der großen Grabstätte fanden auch seine Schwester und ihr Mann ihre letzte Ruhe.

 

Sehr ausführlich beschreibt der Frechener Rechtsanwalt Fritz Wündisch den Werdegang und die Verdienste von Paul Silverberg in seinem 1964 erschienenen Buch „Von Klütten und Briketts“. Nachfolgend der Originaltext aus diesem Buch.

 

 

"Dr. PAUL SILVERBERG,der führende Kopf des Rheinischen Braunkohlenreviers!

 

Als im Sommer des Jahres 1902 der Gerichtsreferendar Paul Silverberg, Sohn des Kommerzienrats Adolf Silverberg aus Bedburg an der Erft, vor der als äußerst kritisch bekannten Juristischen Fakultät der Universität Bonn sein Doktorexamen ablegte, horchten die prüfenden Professoren auf. Dieser junge Doktorand war offensichtlich berufen, einmal eine Leuchte der Rechtswissenschaft zu werden. Fähig, entlegenste Zusammenhänge zu überblicken, und fähig, Schwierigstes einfach zu fassen, verband er gediegenes Wissen mit überzeugender Logik.

Auch Paul Silverberg fühlte sich dazu bestimmt, sein Leben der Wissenschaft zu widmen. Sobald er im Frühjahr 1903, nach wohlbestandener Assessorprüfung, als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Köln zugelassen war, benutzte er die Freizeit, die ihm seine junge Praxis ließ, um seine Habilitationsschrift — über ein kirchenrechtliches Thema! — auszuarbeiten. Eine glänzende Gelehrtenlaufbahn schien sich ihm zu eröffnen. Er mußte darauf verzichten, als am 8. September 1903 sein Vater unerwartet starb. Zeitlebens hat er aber der Wissenschaft wie einer unerreichten Jugendliebe gedacht.

 

Adolf Silverberg, der Vater, hatte sich aus kleinen Anfängen zu einem hochgeachteten, augenscheinlich erfolgreichen Großunternehmer emporgearbeitet. Sein reger Geschäftsgeist hatte ihn auf die verschiedensten Gebiete geführt. Wolle, Linoleum, Braunkohle — überall, wo er Gewinnaussichten erkannte, hatte er sich rührig betätigt. Indessen hatte er bei alledem seine Kräfte überschätzt. Mit seiner Gesundheit drohte auch sein Vermögen zusammenzubrechen.

In dieser Lage war es für Paul Silverberg eine selbstverständliche Sohnespflicht, einzuspringen, um zu retten, was zu retten war. Im Zuge der Ordnung des verworrenen Nachlasses wurde er am 29. September 1903 zum Generaldirektor der Fortuna AG für Braunkohlenbergbau und Briketfabrikation in Quadrath bestellt. Dieser 29. September 1903 wurde für den Siebenundzwanzigjährigen zum entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. Das Schicksal verband ihn mit dem Braunkohlenbergbau und fügte, daß er nicht als Professor des Kirchenrechts, sondern als Wirtschaftsführer Großes leisten sollte.

 

Daß bei der Fortuna AG dem ‚Kommerzienrat‘ der ‚Doktor‘ folgte, war in mehrfacher Hinsicht ein Symbol. Allenthalben im Revier wurde zu jener Zeit die erste Generation der Selfmademen, die mit rauher Hand und bisweilen auch mit rauhen Mitteln ‚ihre‘ Unternehmen aufgebaut hatten, abgelöst durch eine jüngere, wissenschaftlich gebildete, mehr intellektbestimmte Generation. Gleichzeitig wuchs der Kapitalbedarf der Unternehmen derart, daß diese nicht mehr Eigentum einzelner Kapitalisten sein konnten, sondern zu Aktiengesellschaften ‚objektiviert‘ werden mußten. Damit wurden die Unternehmer zwangsläufig von „Herren im eigenen Werk“ zu Treuhändern; an die Stelle des eigenen finanziellen Risikos trat mehr und mehr die Verantwortung für „das Gedeihen des Unternehmens‘.

Paul Silverberg hat frühzeitig in aller Klarheit erkannt, was dieser Wandel der Unternehmerfunktionen, dieser (Übergang vom „ichbezogenen Unternehmen“ zum „Unternehmen an sich“ für alle Beteiligten — im weitesten Sinne — bedeutete. Seine Arbeit war zeitlebens ausgerichtet auf „das Gedeihen des Unternehmens“. Nicht als Selbstzweck, sondern als „Betriebserfolg für die Volksgesamtheit“. Immer wieder betonte er, daß dieser Erfolg abhänge „von der Initiative des Unternehmertums oder —um es genauer zu fassen: von der Initiative der leitenden Persönlichkeiten“ und daß diese Initiative nur dann zum Nutzen aller entwickelt werden könne, wenn sie frei bleibe von allen unnötigen Hemmungen.

Deshalb wandte sich Silverberg in den großen Sozialisierungsdebatten der Zeit nach dem Ersten Weltkriege geradezu leidenschaftlich gegen alle Bestrebungen, der Unternehmerinitiative bürokratische Fesseln anzulegen: „Weisen Sie mir nach, daß der Unternehmer die nötige Bewegungsfreiheit hat, der jede Neuanlage, jede Betriebsverbesserung dem Reichskohlenrat zur Genehmigung vorlegen und nachweisen muß, und weisen Sie mir nach, meine Herren, daß die Mittel immer zur Verfügung stehen!“

 

Auch die Dividendenpolitik „seiner“ Gesellschaft richtete Silverberg ganz auf das Gedeihen des Unternehmens aus: „Ich möchte wohl sagen: die Dividenden und der verteilte Gewinn ist beinahe die Nebensache; ein Unternehmen kann nur gedeihen, wenn es finanziell auf eigenen Füßen steht, d. h. es muß von seinen finanziellen Reserven zehren können. Damit haben auch die deutschen bergbaulichen Unternehmungen zum großen Teil die Schwierigkeiten des Krieges und der Revolutionszeit überstanden, dadurch, daß sie in der Lage waren, sich aus ihren Erträgnissen diejenigen Mittel zu schaffen, die die regelmäßige Instandsetzung und Erneuerung im Sinne der technischen Weiterentwicklung ihrer Betriebe gewährleistet haben.“

In der Erkenntnis, daß das Gedeihen eines Unternehmens nicht nur vom Kapitaleinsatz abhängt, sondern fast mehr noch von der — geistigen und körperlichen — Arbeit der für dieses Unternehmen Tätigen, fühlte sich Silverberg den Werktätigen in gleicher Weise verantwortlich wie den Kapitalgebern.

In denkwürdiger Weise bekannte er seine Oberzeugung in der großen Rede, die er am 4. September 1926 in Dresden vor den Mitgliedern des Reichsverbandes der deutschen Industrie hielt:

 

„Man sagte einmal, es kann nicht gegen die Arbeiterschaft regiert werden. Das ist nicht richtig. Es muß heißen: es kann nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden!“

 

„Wir haben in Deutschland zusammen viel wieder aufzubauen. Dazu sind in erster Linie die beiden aufstrebenden Schichten im Volke berufen: das deutsche Unternehmertum im weitesten Sinne gedacht und die deutsche Arbeiterschaft. Kein Teil hat es bis jetzt dem anderen leicht gemacht, zu einer aufbauenden Zusammenarbeit zu gelangen...“

 

„Ich glaube an den Wiederaufbau Deutschlands und der deutschen Wirtschaft, an die Zukunft unseres Volkes. Und weil ich daran glaube, glaube ich an die vertrauensvolle und zukunftsreiche Zusammenarbeit der gewaltigen Kräfte, die in unserem Volke Unternehmertum und Arbeiterschaft darstellen.“

 

Mit solchen Gedanken war Silverberg zu jener Zeit, die noch weithin vom Wahn des „Klassenkampfs“ beherrscht wurde, ein Prediger in der Wüste. Bei der Unternehmerschaft fand er wenig Verständnis, und die Gewerkschaften griffen ihn heftigst an. Davon ließ er sich aber nicht beirren. Der Art, wie er seine Überzeugung als Chef der ihm unterstellten Werke und als Vorsitzer des Arbeitgeberverbandes im rhein. Braunkohlenrevier betätigte, ist es zu nicht geringem Teil zu verdanken, daß vertrauensvolle Zusammenarbeit im rheinischen Revier zur guten Tradition wurde. In den Jahren zwischen 1918 und 1932, als im Reich fast immer irgendwo gestreikt wurde, hat das Revier nur einen einzigen Streik erlebt — im Frühjahr 1924 —‚ und dieser hatte revierfremde Ursachen.

 

Doch zurück zu jener Fortuna AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation in Quadrath bei Bergheim, deren „Generaldirektor“ Paul Silverberg am 29. September 1903 wurde. Am 25. Mai 1898 war dieses Unternehmen durch Adolf Silverberg und das Aachener Bankhaus Suermondt als Gewerkschaft gegründet, und am 2. Januar 1903 war es zu einer Aktiengesellschaft umgeformt worden. Schlecht geleitet und empfindlich gehemmt durch den Sitz in einer damals noch gänzlich weltentlegenen Gegend, war die Fortuna AG im Jahre 1903 mit einer Brikettproduktion von 136.505 t nur eine der drittrangigen Unternehmungen des Reviers, die ganz beschränkte örtliche Bedeutung hatten.

 

Zehn Jahre später stellte die aus der Fortuna AG hervorgegangene Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, Köln (RAG), bereits 1.424.874 t Briketts her, und weitere zehn Jahre später war die RAG unstreitig die Wortführerin des rhein. Braunkohlenreviers und eine der größten und angesehensten Braunkohlenunternehmungen der ganzen Welt. Wie ist dieser steile Aufstieg zu erklären?

 

Die Antwort auf diese Frage kann man vielleicht dem Gutachten entnehmen, das Paul Silverberg im Jahre 1920 dem Siebener-Ausschuß für die Sozialisierung des Bergbaus erstattete und dem sich die Mehrheit dieses Ausschusses anschloß. Unter C. II dieses Gutachtens sagte Silverberg damals:

 

»Es ist notwendig:

 

a) die Zusammenlegung kleiner zum Teil abgebauter Grubenfelder zum Zwecke rationellen und vollständigen Abbaues;

b) der Zusammenschluß von Unternehmungen mit besonders guten Flözverhältnissen mit im Aufschluß stehenden oder aufzuschließenden Feldern, deren Betrieb im Gesamtinteresse der Wirtschaft notwendig ist;

c) der Zusammenschluß von Unternehmungen nach dem Gesichtspunkt des Ausgleichs der aus guten Flözen erzielten höheren Erträgnisse mit den aus minderen Flözen erreichbaren;

d) der Zusammenschluß von Unternehmungen, deren Kohlenvorkommen in absehbarer Zeit abgebaut ist, damit sie nach dem Gesichtspunkt der Konzentration der geistigen und materiellen Kräfte rechtzeitig zusammen den für die Gesamtwirtschaft notwendigen Bau neuer Schachtanlagen durchführen können. . .“

 

Aus diesen Sätzen läßt sich der „Generalstabsplan“ ablesen, nach dem Silverberg die Fortuna AG ausbaute, so weit es zu seiner Zeit möglich und zweckmäßig war. Die zeitlose Gültigkeit seiner Oberlegungen erwies sich, als 40 Jahre später, zu Ende des Jahres 1959, mit fast gleicher Begründung die großen Gesellschaften des Reviers zur Rheinische Braunkohlenwerke AG zusammengeschlossen wurden.

Den Plan, alle ihm erreichbaren und geeigneten Gruben und Fabriken zu einem leistungsfähigen Verband zusammenzuschließen, verwirklichte Silverberg — der sich auch hierbei als hervorragender Jurist erwies — durch ein kunstvolles System von Pacht-und Betriebsführungsverträgen, Interessengemeinschaften und Dividendengarantien, Beteiligungen und Verschmelzungen. Die einzelnen Etappen dieses Ausbaus können hier nicht dargestellt werden. Am bedeutsamsten war zweifellos, daß Silverberg zum 4. Januar 1908 die Gruhlwerk GmbH und die Gewerkschaft Donatus in die Fortuna AG einschmelzen konnte, die dazu ihr Kapital von 9 Mio. Mark auf 26 Mio. Mark erhöhte und ihre Firma in Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation (RAG) änderte.

In der Erkenntnis, daß ein derart vergrößertes Unternehmen nicht von einem Dorf aus geleitet werden konnte, verlegte Silverberg zum 1. April 1908 die Hauptverwaltung nach Köln. Der stattliche Barockbau, den er 1922 für sie am Kaiser-Friedrich-Ufer errichten ließ, verkörperte das kraftvolle Selbstbewußtsein einer wohlfundierten Gesellschaft.

Silverberg war aber nicht nur ein meisterhafter Organisator. Staunend bemerkten seine technischen Kollegen und Mitarbeiter immer wieder, mit welch sicherer Intuition er zukunftsreiche technische Ideen aufspürte und tatkräftig förderte. Wieweit die so erfolgreiche Rationalisierung der RAG-Betriebe sein Verdienst ist, kann hier nicht untersucht werden. Unbestreitbar ist aber, daß er als einer der Ersten die bedeutenden Zukunftsaussichten des Braunkohlenstroms erkannte, und daß ihm sogleich klar war, daß man Kraftwerke nicht an den Orten des Stromverbrauchs, sondern an den Orten der Kohleförderung errichten müsse, da Strom billiger transportiert werden kann als Kohle.

Deshalb beschäftigte er sich schon im Jahre 1904, als man fast nur kleine Steinkohlenkraftwerke an den Stromverbrauchsorten kannte, mit dem Gedanken, bei der Grube Fortuna ein Großkraftwerk zu errichten.

Bis er diesen Plan verwirklichen konnte, verging allerdings einige Zeit. Erst Ende 1909 entschloß sich die Stadt Köln, der weitaus größte Verbraucher im rhein. Revier, ihren Strombedarf aus einem Braunkohlenkraftwerk zu decken. Monatelang blieb es aber noch ungewiß, ob dieses Kraftwerk durch die Berggeist AG und die Roddergrube AG in Knapsack oder durch die RAG bei Grube Fortuna errichtet werden würde. Am 3. Juni 1910 siegte schließlich Silverbergs Verhandlungsgeschick: Die Stadt Köln schloß mit der RAG einen langfristigen Stromlieferungsvertrag. Auf Grund dieser Vereinbarung und eines ähnlichen mit dem Kreise Bergheim abgeschlossenen Vertrages konnte die RAG am 28. Juni 1910 die „Rheinisches Elektrizitätswerk im Braunkohlenrevier AG“ (REW) gründen, die sogleich mit dem Bau des für jene Zeit mustergültigen Kraftwerks Fortuna begann. Mehrmals erweitert und den technischen Fortschritten angepaßt, trug dieses Kraftwerk jahrzehntelang wesentlich zum Gedeihen der RAG bei.

 

Große Verdienste erwarb sich Silverberg auch beim Aufbau einer leistungsfähigen Brikettverkaufs-Organisation. Im Jahre 1903 fand er einen „Verkaufsverein“ vor, der nur einen Teil der Werke umfaßte und wegen wechselseitigen Mißtrauens auseinander zubrechen drohte. Das von Emil Kirdorf kraftvoll geführte Rheinisch - Westfälische Kohlensyndikat war im Begriff, auch den Verkauf der Braunkohlenbriketts zu übernehmen. In diesen Verhandlungen machte sich Silverberg, juristische Formulierungsgewandtheit mit wirtschaftlicher Weitsicht verbindend, alsbald zum Sprecher und Anwalt des rhein. Reviers. In zäher Kleinarbeit erreichte er, daß die Vertreter der Steinkohle die Eigenständigkeit des rhein. Braunkohlenbergbaus anerkannten und daß sämtliche Werke des Reviers sich zu einem neuen, zweckmäßiger gestalteten Verkaufsverein zusammenschlossen.

Damit war der erbitterte Kampf aller gegen alle, der um die Jahrhundertwende das Revier durchtobt hatte, endgültig beigelegt. Wirtschaftliche Vernunft hatte über kleinlichen Werksegoismus gesiegt.

Im Juni 1914, kurz vor Kriegsausbruch, wurde an Stelle des Verkaufsvereins das Rhein. Braunkohlenbrikett-Syndikat gegründet, das seine Tätigkeit am 1. April 1915 aufnahm. Es war dem Ruhrkohlensyndikat nachgebildet, zeigte aber in seinen Einzelheiten unverkennbar die juristische Gestaltungskraft Paul Silverbergs. Unter seinem Vorsitz hat „das Syndikat“ die schwierigen Jahre des Ersten Weltkriegs, der Besatzungszeit und der Wirtschaftskrise unerschüttert überstanden.

 

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Silverberg, dessen Fähigkeiten bis dahin eigentlich nur im Kölner Raum bekannt waren, zu einem Wirtschaftspolitiker allerersten Ranges, der sich im ganzen Reich hohes Ansehen erwarb. Dieses Gebiet seines Wirkens zu schildern, muß indessen berufenerer Feder überlassen bleiben. Auch seine bedeutenden Reden und Schriften können hier nicht dargestellt werden. Einige Sätze seines Biographen Franz Mariaux mögen für das Ganze stehen:

 

„Zu einem öffentlichen Begriff wird Silverberg als Mitglied der Sozialisierungskommission. Zunächst an der Seite von Stinnes, Vögler und Duisberg, dann als der Sprecher der Arbeitgebergruppe und schließlich als der von allen, auch den Arbeitnehmervertretern, anerkannte Schiedsrichter liquidierte er dieses irrlichternde Intermezzo.“ Weiter „erstrebt und erwirbt er die Stellung eines Unternehmers, der im Ruhrbergbau selbst“ — als Vorsitzer des Aufsichtsrats der Harpener Bergbau AG und als Mitglied der „Ruhrlade“ — „einen Standort bezieht, von hier aus wirtschaftspolitisch richtungsweisenden Einfluß gewinnt und, mit dem Vertrauen der im Ruhrbergbau traditionell führenden Personen und Instanzen ausgestattet, sich die Lösung der großen regionalen, nationalen und internationalen Probleme der Kohle überhaupt vornehmen kann.“

 

„Den Höhepunkt dieser Etappe bildet, daß Silverberg 1928 den gesamten deutschen Kohlenbergbau auf der vom Völkerbund nach Genf einberufenen ersten internationalen Kohlenkonferenz« — mit großem Erfolg — „vertritt“.

 

„Damals, im Jahre 1928, war Silverberg eine Autorität bereits weit über Bergbauprobleme hinaus geworden und darin anerkannt, im Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie gehörte seine Meinung zu den entscheidenden. Er war Mitglied in fast 50 Aufsichtsräten größter und mittlerer Industrie-, Bank-, Verkehrs- und Versicherungsunternehmen, darunter der Deutschen Reichsbahn, des Rhein. Westf. Elektrizitätswerks und (mit Zugehörigkeit zum Kleinen Kreditausschuß) der Deutschen Bank.“ „Den Höhepunkt seiner volkswirtschaftlich orientierten Unternehmertätigkeit erreicht Silverberg, als auf seinen Vorschlag die Bank für Deutsche Industrieobligationen in Berlin gegründet wird, ein Unternehmen, das unter seiner Vorsitzführung aus freiwillig aufgebrachten Mitteln der deutschen Industrie die Sanierung der ostdeutschen Landwirtschaft und eine großzügige Kredithilfe für das Mittel- und Kleingewerbe einleitete.«

 

„Er wäre gern Reichswirtschafts- oder Reichsfinanzminister geworden, Ämter, für die er nach seinem preußischen Ethos und mit seiner Erfahrung fraglos geeignet war.

 

„Für die höchste Ehre, die ihm erwiesen wurde, hielt Silverberg die Wahl, durch die er im Herbst 1932 Präsident der Industrie- und Handelskammer Köln wurde; genau hundert Jahre, nachdem dieses Amt Ludolf Camphausen übernommen hatte, der Kaufmann und Staatsmann, der — mit Gustav Mevissen —... Silverbergs bewußt aufgenommenes Vorbild gewesen war.“

 

So hatte Paul Silverberg in dreißig Jahren unablässiger, konzentriertester Arbeit die Stellungen und Würden errungen, die sein Ehrgeiz füglich erstrebte. Wenige Monate später stürzte ihn ein widriges Schicksal vom Gipfel herab.

Die Wende seines Lebenswegs zeichnete sich ab, als in den letzten Tagen des Jahres 1932 bekannt wurde, daß das Rhein. Westfäl. Elektrizitätswerk, Essen, (RWE) sich die Verfügungsmacht über die Mehrheit der RAG-Aktien gesichert hatte. Damit war die Eigenständigkeit der RAG, die Silverberg — seit 1926 als Vorsitzer ihres Aufsichtsrats — Jahrzehntelang sorgfältig gehütet und verteidigt hatte, unmittelbar bedroht. Der Interessengemeinschafts- und Dividendengarantievertrag, den das RWE alsbald der RAG vorschlug, war mit dieser Eigenständigkeit unvereinbar. Nach Lage der Dinge ließ sich aber die „Überfreundung“ der RAG nicht mehr verhindern. Als stellv. Vorsitzer des Aufsichtsrats des RWE stimmte Silverberg dessen Vorschlag zu — „das RWE hat nie ein besseres Geschäft gemacht“ —; als Vorsitzer des Aufsichtsrats der RAG konnte er nur erreichen, daß das RWE sein Vertragsangebot in einigen wichtigen Punkten zu Gunsten der freien Aktionäre änderte. Im Übrigen enthielt er sich der Stimme. Am 31. März 1933 wurde in einer spannungsgeladenen Hauptversammlung der RAG der verbesserte Vertragsvorschlag des RWE mit 167.729 gegen 19.652 Stimmen bei 8.160 Enthaltungen angenommen.

 

Im Anschluß an diese Hauptversammlung legte Silverberg alte seine Ämter bei der RAG und bei den Organisationen des rheinischen Braunkohlenbergbaus nieder. Vergeblich versuchte man ihn zu halten.

 

„Für mich war die Rheinische Braunkohle keine Addition von Gruben und Brikettfabriken, Beteiligungen und liquiden Vermögensanlagen, sondern ein Unternehmen mit eigener selbständiger Lebensführung und Lebensberechtigung. Diese Periode der Rheinischen Braunkohle ist mit dem Zeitpunkt abgeschlossen, zu dem die Mehrheitsgruppe die Dividende des Unternehmens zwar in der Höhe garantiert, sie aber im Grundsatz von den Erträgnissen eines anderen Unternehmens abhängig macht. Damit wird künftig über die Geschicke der Rheinischen Braunkohle nach den Gesichtspunkten des übergeordneten Unternehmens entschieden werden.“

 

Mit dem Ausscheiden aus der RAG hatte Silverberg seine „Hausmacht“ verloren. Seine anderen Positionen waren aber damit noch nicht gefährdet. Indessen veranlaßten ihn die politischen Ereignisse des Jahres 1933, auch auf diese Positionen zu verzichten. Er tat es unwillig. Zwar jüdischer Abstammung, aber bei seiner Geburt christlich getauft, Rittmeister d. L. und mit heißem Herzen Deutscher, konnte er nicht fassen, daß er seine großen Fähigkeiten nicht weiterhin seinem Vaterlande widmen durfte.

Schweigend ging Silverberg in die Verbannung. Als man ihn nach 1945 bat, sein Können und seine Erfahrungen dem neuen Deutschland zur Verfügung zu stellen, lehnte er ab. Er sei zu alt dafür; eine jüngere Generation müsse den Weg aus dem Chaos finden, In Würdigung seiner Verdienste wählte ihn die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Köln am 16. April 1951 einstimmig zu ihrem Ehrenpräsidenten.

 

Am 5. Oktober 1959 ist Paul Silverberg in Lugano gestorben. Die Epoche des rheinischen Braunkohlenbergbaus, deren Erscheinungsbild er kraft seiner überragenden Persönlichkeit geprägt hatte, war bereits im Jahre 1933 zu Ende gegangen."

 

Über Paul Silverberg haben bereits berichtet:

Franz Mariaux: Paul Silverberg, Reden und Schriften, Köln 1951;

Paul Maste, Gustav Brecht, Jacob Herle und W. Bötzkes in den Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer zu Köln, 11. Jhg. (1956) Nr. 9;

Franz Mariaux: Paul Silverberg — ein „Letzter Mann“, in Der Volkswirt, 13 Jhg. (1959) S. 22.800.

Dem letztgenannten Aufsatz sind die zitierten Sätze entnommen. Der schriftliche Nachlaß Paul Silverbergs, ist dem Bundesarchiv Koblenz zur Aufbewahrung übergeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

 

· Internet unter Wikipedia, die freie Enzyklopädie,

· Die Kraftwerke Fortuna, von Detlef Witt,

· Von Klütten und Briketts, Fritz Wündisch,