Startseite  Fortuna   Gesellschaft  Kloster Bethlehem

Das einstige Kloster Bethlehem.

Das einstige Kloster Bethlehem in voller Pracht um ca. 1920

Eine Ausarbeitung von Ulrich Reimann

 

Etwa 1 ½ km südwestlich von Oberaußem, in direkter Nähe zur einstigen Bergarbeitersiedlung Fortuna, am Rande des einstigen Bethlehemer Waldes, befand sich bis 1967 das Kloster Bethlehem.

 

Das ehemalige Kloster Bethlehem war ein altes, 1655 eingeweihtes und erstmals bezogenes Franziskanerkloster. Es war seit der Gründung 1648 bis zur endgültigen Aufgabe 1964 (der Abbruch erfolgte 1967 wegen Braunkohlenabbau) stets sehr eng mit den Orten Oberaußem, Bergheim und Fortuna verbunden.

Nach einer sehr bewegten wechselhaften Geschichte, gab es zum Ende des 19. Jhd. nur noch Reste der alten Klosteranlage. Besitzer war damals der Baron Pius von Bongart. Im Jahre 1898 wurden die Überbleibsel der Klosteranlagen und der dazugehörigen Ländereien vom Orden “Die barmherzigen Schwestern von der heiligen Elisabeth“ aus Essen erworben. 1899 wurde das Gut Bethlehem dazugekauft.

Da der alte Klosterbezirk zu dieser Zeit in einer sehr schönen ruhigen Gegend lag, nach Bergheim und Oberaußem waren es ja einige Kilometer und das Dorf Fortuna existierte zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht, war hier nach ihrer Ansicht ein guter Platz, um ein Haushaltspensionat mit angeschlossenem Erholungsheim zu eröffnen. Vor dem Kauf des Anwesens hatte man damals den Elisabetherinnen auch ausdrücklich versichert, daß die in den Anfängen befindliche Grube Fortuna wohl kaum eine größere Entwicklung nehmen würde.

Die kirchliche Genehmigung zur Errichtung einer Niederlassung des Ordens in der Bürgermeisterei Bergheim, mit dem Zweck, Betreuung und Pflege erholungsbedürftiger Mitschwestern und anderen Personen und zur Einrichtung einer Haushaltungsschule für junge Frauen, erhielten die Schwestern vom Kölner Erzbischof Antonius Hubert Fischer am 25. Januar 1899.

Bereits 1899 zogen als erste neue Bewohner, ein Hausknecht Namens Heinrich Deitenbrock aus Essen und Anna Dresen aus Bergheim, in die Klostergebäude ein. Die ersten Ordensschwestern kamen dann 1900 von Essen aus ins Kloster Bethlehem.

Nach einigen erfolgten Renovierungsarbeiten fand bereits im September 1900 der erste öffentlich zugängliche Gottesdienst im neu gegründeteten Kloster statt.

 

Die um die Jahrhundertwende rasch voranschreitende Industrialisierung mit ihrem steigenden Energiebedarf, mit all Ihren Vor- und Nachteilen, hielt dann aber doch recht schnell in die noch ziemlich ruhige und ländliche Gegend um die damalige Grube Fortuna und das Kloster Bethlehem Einzug. Die rasche Entwicklung des Braunkohlenabbaus, erwies sich später dann auch für das Kloster und den Ort Fortuna von großer schicksalhafter Bedeutung. Beide mußten dem Braunkohlenabbau weichen. 88 Jahre nach dem Klosterkauf, im Februar 1987, stehen einige Schwestern des Ordens am Grubenrand des Tagebaues Bergheim und können den ehemaligen Klosterstandort nur noch erahnen.

Das alte Kloster, bzw. was nach der wechselvollen Vergangenheit noch davon übrig war, wurde nach dem Erwerb vom Schwestern-Orden sehr schnell zu einem herrlichen Anwesen mit einer schönen Kapelle, vorzüglichen Gärten und einem Erholung spendendem Park ausgebaut.

Rasch entwickelte sich aber auch parallel zum Kloster, in dessen unmittelbarer Nähe, die Bergarbeitersiedlung „Fortuna“, deren Gründung praktisch fast mit dem Klostererwerb des Ordens zusammen datiert. Man lebte aber stets in guter Nachbarschaft und kam immer gut miteinander aus. Die Schwestern trugen sogar durch ihre persönlichen Arrangements zur positiven Entwicklung der Orte Fortuna und Oberaußem bei. Hier sei beispielhaft die Leitung der Kindergärten in den beiden Orten durch die Schwestern erwähnt. Anfangs besuchten die Einwohner von Fortuna auch die Klosterkapelle zur Feier der hl. Messe. Schnell wurde aber in dem rasch wachsenden Fortuna der Ruf in der überwiegend katholischen Bevölkerung nach einer eigenen Kirche laut. Aber erst nach den Wirren des 1. Weltkrieges trafen dann am 12. April 1921 im Kloster Bethlehem Vertreter des Erzbistums Köln und der damalige Direktor der RAG, Dr. Paul Silverberg zusammen um den Gedanken eines Kirchbaues in Fortuna in die Tat umzusetzen. Innerhalb von ca. 2 ½ Jahren wurde dies erreicht. Am 7. Oktober 1923 wurde die neue Kirche in Fortuna vom Kölner Kardinal Schulte eingeweiht. Der Namensgeber für die neue Kirche war die hl. Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute.

Bei der Einweihungsfeier der Kirche bedankte sich der Kardinal persönlich bei den Schwestern des Kloster Bethlehem für ihre Gastfreundschaft, die sie den Bewohnern aus Fortuna jahrelang in der Klosterkapelle gewährt hatten.

Im Oktober 1924 feierte das Kloster Bethlehem sein 25 – jähriges Bestehen als Pensionat und Erholungsheim.

Die Kindergärten in Oberaußem und Fortuna wurden von 1920 bis 1939 von Schwestern aus dem Kloster geleitet. Die 1933 an die Regierungsmacht gekommenen Nationalsozialisten verboten 1939 diese Tätigkeiten, obwohl sie die guten Leistungen der katholischen Ordens-Schwestern anerkannten.

Der Krieg brachte für Fortuna und das Kloster Bethlehem eine große Umstellung. Im Kloster wurde von Anfang an eine Flakabwehr-Einheit der deutschen Wehrmacht stationiert. Auf dem Dach des Klosters wurde ein Beobachtungsturm angelegt. Während der Fliegerangriffe auf die Kraftwerke Fortuna wurden die Bewohner zerstörter Hauser im Kloster untergebracht. Einmal während des Krieges stand das Kloster selbst fast vor der Vernichtung, als bei einem Fliegerangriff drei Bomben sehr nahe bei den Gebäuden einschlugen. Eine Bombe fiel in die Nähe der Lourdesgrotte, eine 2. Bombe fiel außerhalb der Klostermauern hinter die Christusstatue und die dritte Bombe landete im Kartoffelfeld vor dem Klostereingang. Zum Glück entstand überall nur Sachschaden, aber der Schock saß bei allen sehr tief. Der Ort Fortuna selbst war nicht direktes Ziel der vielen Fliegerangriffe, wohl aber die Kraftwerke und die Braunkohlenbetriebe in unmittelbarer Nähe des Ortes.

Da sich im Jahre 1944 die Kriegslage im Westen immer mehr verschärfte, wurde das Kloster Bethlehem immer mehr vom Militär belegt. Im Kloster selber war jetzt ein ganzer Flakstab mit ranghohen Offizieren untergebracht. Außerdem wurde die Besatzung eines in der Nähe gelegenen Munitionshauses im Kloster beköstigt. Dadurch kam es im ganzen Haus zu großer Unruhe. Noch schlimmer wurde es, als die Front näherrückte und die Evakuierung der Menschen einsetzte. Die Flüchtlings-Ströme durch Fortuna wurden immer größer und länger. Man erwägte nun auch eine vollständige Evakuierung Fortunas und des Kloster Bethlehems. In der Ferne hörte man den Kanonendonner, der täglich lauter wurde. Die Front rückte näher und näher an das Kloster und Fortuna heran. Vom Kloster Bethlehem hatte man in Richtung Südwesten eine unheimliche Aussicht, am Abend war der Himmel gerötet von dem Feuerschein der brennenden Dörfer und Gehöften. Im Bethlehemer Wald mußten die Bewohner von Bergheim, Oberaußem und Fortuna Schützengräben ausheben. In den Dörfern selbst wurden Panzersperren errichtet. Der Bergrücken von Bedburg bis Horrem sollte nach einem Befehl der deutschen Wehrmacht zur Verteidigungslinie ausgebaut werden. Das Kloster Bethlehem sollte hierbei Hauptstützpunkt sein. Das schnelle Anrücken der Amerikaner verhinderte dies allerdings. Der im Kloster untergebrachte Flakstab zog sich eiligst über den Rhein zurück. Nur eine kleine Besatzung mußte im Kloster Bethlehem zurückbleiben, um wie es hieß, die Verteidigung des Erftriegels zu gewährleisten. Mittlerweile rückten die Amerikaner von Elsdorf über die Erft weiter vor. Am 28. Februar 1945 rückten sie in Bergheim und Quadrath ein. Einen Tag später, am 1. März, kamen die Amerikaner in den frühen Morgenstunden in den Bethlehemer Wald. Um das Kloster wurde hart und erbittert gekämpft. Da die Alliierten nicht wußten wie stark der deutsche Widerstand sein würde, ging dem Vorrücken ein starker Artilleriebeschuß voraus. Die noch verbliebenen deutschen Soldaten, vor allem im Kloster, wehrten sich heftig und es gab ein sinnloses Blutvergießen. Am Freitag dem 2. März rückten die Amerikaner dann in das Kloster Bethlehem, in Fortuna und auch in Oberaußem ein. Der Rest der deutschen Wehrmacht im Kloster, ein Oberleutnant und 12 Soldaten, gab sich schließlich gefangen. Das Kloster hatte stark gelitten. Erst durch die deutschen Soldaten und jetzt durch die einrückenden Amerikaner. Es mußte auf Befehl der Amerikaner vollständig geräumt werden und diente den Besatzungstruppen dann eine kurze Zeit als Unterkunft.

Nach dem Ende des Krieges normalisierte sich aber das Leben im Kloster Bethlehem recht schnell. Die Schwestern durften ihren Tätigkeiten wieder nachgehen. So wurde recht bald auch wieder eine Schwester des Ordens Leiterin des Kindergartens in Oberaußem. Nach der Erlaubnis des amerikanischen Kommandanten, ab dem 23. April 1945 in Oberaußem einen von der Kirche betreuten Kindergarten zu eröffnen, gab auf Bitte des Pfarrer Oehm, die Oberin des Klosters die Schwester Annesia für diese verantwortungsvolle Tätigkeit frei. Schwester Annesia ging mit viel froher Hingabe und Begeisterung an die Arbeit und leitete diesen Kindergarten bis 3o. Mai 1947. Eine Krankheit zwang die in Oberaußem sehr beliebte Schwester dann dazu, ihren geliebten Posten aufzugeben. Ihre Nachfolgerin als Kindergartenleiterin wurde daraufhin die Schwester Agnella, welche früher bereits einmal im Oberaußemer Kindergarten tätig gewesen war. Nach ca. 20 Jahren harter, aufopferungsvoller Arbeit wurde dann auch die Schwester Agnella durch ihre General-Oberin in ihr Mutterhaus nach Essen zurückgerufen. Hiermit endete dann die Kindergartenbetreuung in Oberaußem durch die Schwestern des Kloster Bethlehem.

 

 

....Man lebte aber stets in guter Nachbarschaft und kam immer gut miteinander aus. Hier ein kleines Beispiel:

 

"Karneval im Kloster Bethlehem"

 

Jedes Jahr in der Karnevalszeit, gab es im Kloster einen Besuch des amtierenden Oberaußemer Dreigestirns, zusammen mit dem Karnevalskomitee. Man brachte auch stets einige Musikanten mit und feierte gemeinsam mit den Bewohnern des Klosters ein wenig Karneval.

Das Foto entstand im Februar 1960, mt dem Oberaußemer Dreigestirns der Session 1959/60.

Auf dem Foto sind abgebildet:

Vorn von links: die Musiker Mathias Kamp, Karl Peter Decker, Peter Lokum und Jakob Kamp

Hinten von links: Jungfrau Fritz (Fibbes) Esser, Bauer Hubert Kemp, Prinz Reiner Kux, Komitee-Präsident Jupp Scheurer, unbekannte junge Frau.

Die vier Musikanten hatten keinen Gruppennamen. Sie waren Mitglieder des MGV und traten bei Veranstaltungen des MGV und auch im Oberaußemer Karneval auf.

 

 

 

Da sich das Kloster im Braunkohlen-Abbaugebiet des Tagebaus Bergheim befand und aufgrund des Beschlusses bei der Fa. Rheinbraun, die unter ihm lagernde Braunkohle auch abzubauen, wurde es vom Orden 1964 geschlossen und 1966 an den Bergbaubetreiber Rheinbraun verkauft.

1967 wurden die Klostergebäude endgültig abgerissen. Neben dem Kloster fielen auch der an das Kloster angrenzende schöne, alte Bethlehemer Wald und der Ort „Fortuna“, in den 80-ziger Jahren, zum Leidwesen vieler Menschen, komplett dem Tagebau Bergheim zum Opfer.

 

Es währe wünschens- und erstrebenswert, wenn nach der erfolgten Rekultivierung des mittlerweile ausgekohlten Tagebaues an dem ursprünglichen Standort des Klosters eine Gedenk- und Erinnerungsstätte –vielleicht wieder eine kleine Kapelle- entstehen würde, um den hier lebenden Menschen einen Ort der Ruhe und der Besinnlichkeit zurückzugeben.

 

Nachfolgend nun zusammengefasst einige bereits veröffentlichte Texte, Berichte und Daten die dem interessierten Leser detailliertere Informationen zum Kloster Bethlehem und dessen Geschichte aufzeigen.

 

Belegte geschichtliche Daten zum Kloster Bethlehem:

 

1509 – 20

Bau einer Holzkapelle mit Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter Gottes, im späteren Bethlehemer Wald bei Bergheim, aufgrund einer Vision des Oberaussemer Försters Jacob Crämer. Die Kapelle war der Mutter Gottes geweiht. Schnell wurde die Kapelle zu einem Wallfahrtsort, zu der Gläubige aus der ganzen Umgebung pilgerten. Den Gottesdienst in der Kapelle übernahmen die Franziskaner.

 

ab 1608

Errichtung eines nachweislich durch die Kirchenbehörden genehmigten Ziegelsteinbaus, als Ersatz für die hölzerne Kapelle.

 

1637

am 22. April 1637 gestattete Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm und am 14. Mai desselben Jahres Erzbischof Ferdinand v Köln, auf Bitten des Ministers der Kölnischen Provinz der Minderbrüder von der strengen Observanz, den Franziskanern die Errichtung eines Klosters an der Stelle der Kapelle (H. J. Domsta, Inventar des Archivs der Kölnischen Provinz der Franziskaner im Stadtarchiv Düren. In: Dürener Geschichtsblätter 69, 1980, S. 115—157, Nr. 179; 75, 1986, S. 37-46, Nr. 257). Die Franziskaner bewohnten zunächst ein Haus in Bergheim, nahe der Georgskapelle. Darüber hinaus besaßen sie bei der Kapelle im Wald eine Unterkunft.

 

 

1639

erhielten sie vom Herzog von Jülich die Er­laubnis, eine Niederlassung im Wald zu gründen (Sta Düren A 25 Nr. 4, 5. 4; soweit nicht anders angegeben vgl. insgesamt J. Alcket, Bethlehemer Stern, Köln 1747, 5. 8-47; K. Unkelbach, Geschichte d. Klosters Bethlehem, 1885; Zander, S. 43-63; zur Lage vgl. Tafel 2, Tranchot/v. Müffling).

 

1648 – 63

Bau und Fertigstellung des Klo­sters, das 1637 zwei, 1643 zwölf und 1664 sechzehn Mönche hatte. Am 25. März 1648 legte Hermann von Häupter, Amtmann von Bergheim, im Namen des Herzogs Wilhelm von Jülich den ersten Stein.

Dieser Feier wohnte die französische Herzogin Maria von Rohan Chevreuse bei, die damals auf dem Schlosse zu Kerpen residierte, und welche Grafschaft ihr seit dem 7. Juni 1640 von Philipp IV. von Spanien verpfändet war. Im Jahre 1655 war der Bau des Klosters vollendet, und die Franziskaner zogen ein. Sie gaben dem Kloster den Namen Bethlehem. Der Grund dieser Namensgebung liegt wohl nahe. Die Hirten und Weisen fanden den Heiland zu Bethlehem; so wurde auch dieser Ort des Wiedergefundenen gewissermaßen ein neues Bethlehem.

Die Kapelle baute man 1650 um

 

1660

Anstatt der Kapelle wurde um 1660 eine Kirche erbaut, die ab 1963 benutzt wurde.

 

1662

mittels Dokument belegter Bau eines Brunnens im Kloster, durch die Reifferscheidsche Herrschaft aus Bedburg.

 

1665

Konse­kration der Klosterkirche (Patrozinium: Maria, Franz, Antonius, Sebastian und Rochus). Ab dieser Zeit starke Zunahme der Pilger. Jährlich kamen zwischen 30 – 40, manchmal sogar bis zu 60 Prozessionen zur neuen Kapelle.

 

1720

Bau eines neuen Klostertraktes. Der schöne Backsteinbau mit sieben Achsen, war eine Besonderheit in jener Zeit.

 

1746

das gesamte Kloster wurde mit einer Mauer umgeben.

 

1791

Renovierungsmaßnahmen

 

Im 18. Jh. kamen jährlich zwischen 10 000 und 40 000 Pilger.

 

1802

Aufhebung des Klosters durch die Franzosen. Das Gnadenbild wurde in die Pfarr­kirche nach Bergheimerdorf überführt, das seitdem Wallfahrtsort ist. Das Weihwasserbecken und ein Altarbild der Geburt Christi gingen an die St. Georgskapelle neben dem Bergheimer Krankenhaus. Der Besitz des Klosters sollte 1803 durch die fran­zösischen Behörden versteigert werden, er blieb allerdings zunächst unverkauft (Schieder, Säkularisation V 1, 5. 140).

 

 

1806

Verkauf des Klosters auf Abbruch, Niederlegung der Kirche und eines Teils der Klostergebäude mit Ausnahme des Traktes von 1720, der dann auch im Wesentlichen bis zum endgültigen Abbruch 1967 erhalten blieb.

 

 

1899

Die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth zu Essen, kaufte 1899 die Reste des Klosters und richtete dort ein Haushaltspensionat und Er­holungsheim ein.

 

20.3.1900

Kirchliche Weihe des neuen Klosters Bethlehem durch den Kölner Weihbischof Antonius Fischer.

 

27.5.1900

Nach über 100 Jahren wird wieder eine Hl. Messe gefeiert.

 

2.7.1900

Einweihung einer neuen, dem heiligen Herzen Jesu geweihten Klosterkapelle.

 

16.7.1900

Grundsteinlegung zu einem großen Haus mit 25 Logierzimmern, Fertigstellung im Juni 1901.

 

September 1900

Erster öffentlich zugänlicher Gottesdienst im neuen Kloster Bethlehem.

 

1907

Errichtung des Rektoratsgebäudes an der Kastanienallee.

 

1925

Ab diesem Zeitpunkt diente das Kloster überwiegend der Durchführung von Exerzitien.

 

1923

Eingemeindung des Klosters in die neu eingerichtete Pfarrei Fortuna. Erster Pfarrer wurde dort der aus dem Kloster Bethlehem kommende Rektor Heinrich Meurers.

 

1940 - 45

Das Kloster war von Einheiten der Deutschen Wehrmacht besetzt, ab 1942 war eine Flakeinheit im Kloster stationiert.

 

2.3.1945

Besetzung des Klosters durch Angehörige des amerikanischen "395th Regimental Combat Team".

 

7. - 10.8.1950

Der damalige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings feierte im Kloster Bethlehem sein 40jähriges Priesterjubiläum.

 

1953

Beschluß zur Aufgabe des Klosters wegen dem geplanten Abbau, der unter dem Klostergelände lagernden Braunkohle.

 

1966

Verkauf des Klosters an Rheinbraun (Zander, S. 55, 58; IV 5).

 

31.3.1966

Umsiedlung der letzten Bewohner des klösterlichen Altersheimes zum Stahlschen Stift nach Fliesteten.

 

18.4.1966

In der Herz Jesu Kapelle liest der Pater Smeets die letzte Hl. Messe im Kloster Bethlehem. Anschließend begann die endgültige Räumung des Klosters.

 

1967

Endgültiger Abbruch aller Klostergebäude und der dazu gehörenden Einrichtungen für den Braunkohleabbau im Tagebau Bergheim.

 

Weitere, umfangreiche Detailinformationen zum Kloster Bethlehem bietet das 2008 erschienene Buch "FORTUNA", von Volker H. W. Schüler und Helmut Schrön.

 

 

Nachfolgend ein Text-Abschnitt über das Kloster Bethlehem, aus dem Buch „Heimatkunde von Oberaußem“ von Hauptlehrer Josef Dürbaum, aus dem Jahre 1912

 

1. Das heutige Kloster

 

Etwa 1 ½ km südwestlich von Oberaußem liegt auf der Höhe des Hügelkammes, der das Erfttal von unserem Orte scheidet, am Waldrande das Kloster Bethlehem.

 

 

 

Lage Kloster Bethlehem, Auszug aus einer Landkarte von 1807/1808.

 

 

Es befindet sich seit dem Jahre 1900 im Besitz des Ordens der Elisabetherinnen, dessen Mutterhaus in Essen steht.

Der Orden hat in Verbindung mit dem renovierten alten Gebäude, das zuletzt als Försterwohnung diente und Eigentum des Barons von Bongart zu Paffendorf war, einen herrlichen Neubau erstehen lassen, der mit der ebenfalls sehr schönen Kapelle eine Zierde für die Umgebung bildete. Auch sind in der Nähe umfangreiche Dekonomiegebäude angelegt worden. Eine 2 ½ m hohe Mauer schließt den mit den Gebäulichkeiten ungefähr 2 ha umfassenden Klostergarten ein, der mit sehr schönen Anlagen versehen ist. Zu dem Kloster gehört daran anschließend ein größerer Komplex Wald, der mit dem Garten in Verbindung steht und in welchem Spazierwege angelegt sind. Für den Weidebetrieb ist über 1 ha Wiese, ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Klosters, vorhanden. Mit dem Kloster ist ein Haushaltungspensionat verbunden, das besonders von jungen Damen besserer Stände gut besucht ist. Auch erholungsbedürftige Personen finden dort Aufnahme und gute Pflege. Die Kapelle hat öffentlichen Gottesdienst. Ein ständiger geistlicher Rektor wohnt in einem an das Kloster angrenzendenhübschen Gebäude auf dem Wege nach Bergheim zu. Obgleich das Kloster Bethlehem nicht mehr in der Gemeinde Oberaußem liegt, so ist seine Geschichte doch so eng mit dem Orte verknüpft, daß wir sie nicht übergehen wollen.

 

2. Die Vergangenheit des Klosters.

 

Das Kloster Bethlehem bildete ursprünglich eine Niederlassung der Franziskaner, die im Jahre 1637 nach Bergheim herüberkamen und 1655 in den neuerrichteten Klosterbau Bethlehem einzogen. Schon früher stand an jener Stelle eine Kapelle, welche der schmerzhaften Mutter geweiht war und die als Gnadenkapelle in der Umgegend von Ruf war.

Ueber die Entstehung dieser Kapelle erzählt man folgendes:

In der altehrwürdigen Kirche zu Bergheimerdorf, ausgezeichnet durch ihre vorteilhafte Lage u. ihre schönen gothischen Formen, wurde unter der Regierung Wilhelms IV., Herzogs von Jülich (1475 - 1511) ein furchtbares Verbrechen verübt. Ein Kirchmeister von Bergheimerdorf und ein Brudermeister aus Wiedenfeld stiegen in einer finsteren Nacht in die Kirche ein, erbrachen den Tabernakel, um die goldene Monstranz zu rauben und schleppten diese nebst einer Anzahl heiliger Gefäße samt den darin aufbewahrten hl. Hostien fort. Sie beabsichtigten, die Schätze in Cöln an einen Juden zu verkaufen, und auf dem Wege dorthin warfen sie die hl. Hostien in einem zerbrochenen Glase in den nahen Wald, der sie einstweilen von den Nachstellungen der Verfolger schützen sollte. Es währte jedoch nicht lange, so wurde man der schändlichen Kirchenräuber habhaft; sie wurden zum Tode durch den Strang verurteilt und am Erbsenbusch, dem Bedburger Hofgericht, hingerichtet.

 

In jenen Tagen nun begab es sich, daß ein Förster von Oberaußem, mit dem Namen Jakob Crämer, an dem Orte vorbei kam, an dem die hl. Hostien verborgen lagen. Da bemerkte er etwas so sonderbares, daß ihn wohl, wäre er nicht der in Nacht und Nebel im Walde heimische unerschrockene Hüter gewesen, leicht in Furcht versetzen können. Ein heller Lichtschein strahlte unter einem Strauche hervor. Er dachte an leuchtende Käfer, an vermoderndes, phosphoreszierendes Holz, doch mit allen diesen Gedanken vermochte er nicht in die Lösung des Rätsels einzudringen. An den Strauch heranzutreten aber wagte er nicht; denn eine ungewisse Scheu hielt ihn zurück. Nachdenkend ging er nach Hause und grübelte wohl die ganze Nacht hindurch dem seltsamen Bilde nach, das er im Walde soeben geschaut hatte. Morgens früh begab er sich wieder auf den Weg zum Walde, um sich über die Erscheinung vom verflossenen Abend genauer zu unterrichten. Seine Mühe war vergeblich, er fand nichts, denn er hatte sich die Stelle nicht genügend gemerkt, wo er den Schein abends vorher gesehen hatte. Am folgenden Abend jedoch erblickte er, als er denselben Weg wieder ging, das geheimnisvolle Licht von neuem. Er bezeichnete jetzt den Strauch und am nächsten Morgen fand er unter ihm die hl. Hostien in zerbrochenem Glase. Sogleich fiel ihm der Kirchenraub zu Bergheimerdorf ein, und er beeilte sich, Anzeige von seinem Funde zu erstatten. Da zog die kirchliche Gemeinde in feierlicher Prozession aus, um die hl. Gestalten wieder an ihren Ort zurückzubringen.

Der Förster vergaß nie mehr den Ort, wo er den Leib des Herrn gefunden hatte, und stets, wenn er an jener Stätte vorüber schritt, gedachte er im Gebet seines Herrn und Meisters. Um das Andenken an die wunderbare Begebenheit bei der Nachwelt zu erhalten, ließ der fromme Mann ein hölzernes Kreuz nebst einem Marienbild an jenem Orte errichten. Die Stelle, an der er die Hostien gefunden, nannte er Bethlehem, d.i. Haus des Brotes. Eines Abends kniete er wieder vor dem Bilde und verrichtete seine Andacht, als er ermüdet in den Schlummer sank. Da vernahm er eine Stimme, die ihm klar und deutlich den Auftrag gab, an Stelle des Kreuzes eine Kapelle zu erbauen, damit es den frommen Gläubigen möglich sei, die Mutter Gottes hier besonders zu verehren. Krämer erzählte den Vorfall seinen Mitbürgern, und bald ging die Kunde von diesem Auftrage von Dorf zu Dorf. Man sang sogar Lieder, die diese wunderbare Begebenheit zum Gegenstand hatten, unter anderem auch das nachstehende, in dem der Ort der Begebenheit jedoch in die Wohnung des Försters verlegt ist:

 

„Die Stimm zu Jakob Förster sprach so laut,

daß er davon erwacht, befahl,

daß schnell er sollt aufsteh´n

und eilends hin nach Bethlehem geh`n.

Da sollt er bau`n ein Gotteshaus,

da Pilger gehen ein und aus.

Bald kamen häufig klein und groß.

Maria ließ sie nicht ohn` Trost.

Sie waren krank und lahm und blind,

Gott macht` sie all` gesund geschwind.“

 

Förster Krämer führte seinen Auftrag bald aus. Er baute eine Kapelle aus Holz und stellte das Marienbild dorthin, wo früher der Strauch gestanden hatte. Nunmehr kamen aus der näheren und weiteren Umgebung zahlreiche fromme Christen, um in dieser schlichten Kapelle ihre Andachten zu verrichten; sogar reiche Kaufleute, die nach der Frankfurter Messe zogen, kehrten hier ein. Zahlreiche Opfergaben wurden vor dem Bilde niedergelegt, und als dem frommen Förster auch noch anderwärts Beihilfen zugesichert wurden, entschloß er sich, an Stelle der hölzernen eine steinerne Kapelle zu erbauen. Nachdem er zum Bau die Genehmigung des Pfarrers von Bergheimerdorf erhalten hatte, begann er auf der Heide mit dem Brennen von Ziegelsteinen. Bald ausbrechende Kriegswirren aber machten seine Pläne zu nichte, und er selbst erlebte die Durchführung derselben nicht mehr. Auf längere Zeit geriet der Bau einer neuen Kapelle in Vergessenheit, während jedoch der Zudrang fremder Pilger stets größer wurde. Um das Jahr 1600 wandte sich die Bürgerschaft von Bergheim in dieser Angelegenheit an den damaligen Landesherren, den Kurfürsten Jean Wellem. Er genehmigte den Bau und gab gleichzeitig dem Einnehmer und Kellner Bertraud zu Bergheim Befehl, für die Ziegelsteine und sonstige Baumaterial zu sorgen, während der Wehrmeister Johann von Juden zehn Fuhren Kalk beschaffen mußte. Es kann nun ein Kirchlein von 20 Fuß Länge und 19 Fuß Breite zustande. Jetzt wünschte man darin auch einen ständigen Gottesdienst. Zwar brachten benachbarte Geistliche, besonders auch Franziskanerpatres aus Brühl, hin und wieder das hl. Meßopfer dar und spendeten die hl. Sakramente, aber das war gegenüber der großen Zahl der dorthin wallfahrtenden Pilger nur Notbehelf. Man wandte sich darum an den Pater Provinzial der Franziskaner mit Bitte, eine dauernde Niederlassung des Ordens bei der Kapelle zu ermöglichen. Nachdem der Erzbischof von Cöln und der Herzog Wolfgang Wilhelm die Erlaubnis zur Gründung eines Klosters gegeben hatten, kamen zunächst gegen 1637 einige Patres zur Bedienung der Kapelle nach Bergheim herüber. Zur selben Zeit wurde ein Nebenschiff an die Kapelle gebaut, die sich aber noch immer als zu klein erwies. Auch ging man daran, für die Franziskanerpatres neben der Kapelle eine Wohnung zu errichten. Sie wurde 1640 bezogen. Der Herzog hatte dazu sechs Morgen Ackerland und soviel Wald geschenkt, als die Väter begehren würden. Aber Kapelle und Wohnung waren bald zu klein, da die Pilgerzüge sich mehrten und die Zahl der Ordensmitglieder auf zwölf d.i. ein Convent, gesteigert wurde. Es wurde zunächst ein Klosterneubau in Angriff genommen und 1655 beendet. Eine neue Kirche stand 1663 ebenfalls vollendet da. Den bei dem Kloster befindlichen Brunnen ließ Graf Erich Adolf von Salm-Reifferscheidt im Jahre 1662 herstellen.

Von dem Bilde der Muttergottes nun ging, wie die Klosterchronik berichtet, ein Gnadenstrom aus über die ganze Gegend. Von zahlreichen wunderbaren Krankenheilungen und Gebetserhörungen wird uns mitgeteilt. So berichtet uns P. Alcket in den Urkunden des Bethlehemer Archivs u. a. folgendes:

Im Jahre 1598 wurde die Pfarrei Bergheim von der Pest heimgesucht; täglich starben 12 bis 18 Personen. Die erschrockenen Bewohner nahmen Zuflucht zu Maria, dem Heil der Kranken und zogen auf Anordnung ihres Pfarrers Petrus Klock in Prozession zu dem Gnadenbilde in Bethlehem. Die Hilfe der Gottesmutter ließ sich augenscheinlich erkennen, indem die Seuche plötzlich aufhörte und von allen, die bis dahin erkrankt waren, keiner mehr starb. Diese Tatsache wird urkundlich bezeugt von dem damaligen Bürgermeister von Bergheim, Johann Wolters, welcher sich auch persönlich an der Prozession beteiligte.

Einer gleichen wunderbaren Gebetserhörung hatte sich die Stadt Düsseldorf zu erfreuen, wo die Pest 1622 und 1623 große Verheerungen anrichtete. Infolgedessen flüchteten die herzoglichen Räte mit den Kanzleien und der Rechnungskammer nach Bergheim, wo sie eine Zeit lang blieben. Im Vertrauen auf die Fürbitte der hl. Jungfrau machten sie eine Wallfahrt nach Bethlehem. Nachdem sie dort die Andacht verrichtet und die Darbringung des hl. Meßopfer veranlaßt hatten, nahm die Krankheit ein baldiges Ende. Bürgermeister J. Wolters, welcher die Tatsache ebenfalls bezeugte, führte unter den Herren, welche sich an der Pilgerfahrt beteiligten namentlich an: den Präsidenten Orsbeck, den Marschall Spiring, Dr. Brackelmann, Dr. Hofer und Johann Merken. Um dieselbe Zeit herrschten Viehseuchen im weiteren Umkreise bis Düren, Jülich, Neuß, Cöln und Bonn hin. Aus diesem Anlaß begaben sich zahlreiche Pilger zum Gnadenbilde nach Bethlehem und die Seuchen nahmen ab, was wiederum Bürgermeister Wolters bestätigt.

Auch aus Oberaußem ist eine wunderbare Gebetserhörung zu verzeichnen. Statius Kemmerling hatte im Jahre 1643 von einer schweren Krankheit eine solche Schwäche zurückbehalten, daß er nicht mehr gehen konnte und des Gebrauchs seiner Sinne gänzlich beraubt war. Ein Gelübte zu Ehren unserer lieben Frau von Bethlehem verschaffte ihm baldige Genesung.

Volle 300 Jahre hatte Mariens Schutz sich an der bedrängten Menschheit im weiteren Umkreis ihres Gnadenortes offenbart, da brach1789 die französische Revolution aus, die ihren Unsegen auch über unsere Gegend ergoß. Die Klöster wurden aufgehoben und die Güter eingezogen. Dieses Los traf auch Bethlehem. Am 2. Juli 1802, dem Feste Maria Heimsuchung, stand der letzte Gottesdienst daselbst statt. Nach Beendigung des feierlichen Gottesdienstes wurde die Kirche von französischen Beamten geschlossen, die Mönche mußten das stille und friedliche Kloster verlassen. Der letzte Guardian wurde Pfarrer in Paffendorf.

Großer Unfug wurde nach dem Berichte der Pfarrchronik zu Oberaußem in der folgenden Zeit in den Räumen des Klosters getrieben. Der damalige Küster von Niederaußem, Johann Esser, und ein raffinierter Betrüger aus Cöln verbreiteten das Gerücht, daß in den Kellerräumen des Klosters der Teufel umgehe. Es seien von ihm gegen geringes Geld große Schätze zu erstehen. Leichtgläubige und abergläubige Leute aus Wiedenfeld, Kenten, Quadrath und anderen Orten kamen auf die Kunde davon nach Bethlehem, um Gewinne zu machen. Der Teufelsbeschwörer aus Cöln las nun ausgewählte Stücke aus dem sogenannten Christophel- Buch vor, und nun bot er dem im Keller als Teufel vermummten Küster eine gewisse Summe, welche die törichten Leute zusammengelegt hatten. Der Teufel aber suchte natürlich möglichst viel draus zu schlagen, er verlangte bedeutend mehr, bis man sich endlich über eine bestimmte Summe einigte, wofür, wie man den Leuten vorschwindelte, hl. Messen gelesen werden sollten.

Im Jahre 1806 wurden Kirche und Kloster mit Ausnahme des wahrscheinlich um 1720 errichteten neuen Baues auf Abbruch verkauft. Der Grund und Boden ging in den Besitz eines Kamp zu Königskamp über, bis im Jahre 1835 ihn der Frhr. von Bongart zu Schloß Paffendorf erwarb. Die kostbaren Geräte und Heiligtümer wurden an die umliegenden Kirchen verschenkt. Die Kirche zu Oberaußem erhielt einen Teil der Orgel und mehrere Statuen. Das Gnadenbild wurde in der Kirche zu Bergheimerdorf überführt.

Auf den um 1720 aufgeführten Neubau, der die spätere Wohnung des Bongartschen Revierförsters bildete, nimmt Meering in seiner Geschichte der Burgen, Heft III, bezug. Eine darin enthaltene Mitteilung bezieht sich auf eine Verordnung vom Kurfürsten der Pfalz zu Düsseldorf aus dem Jahre 1712, die Siechenhäuser betreffend. Mit dieser letzteren hatte es folgende Bewandtnis:

Der Abt von Brauweiler, Godesmann von Freimersdorf (1196 - 1126) erbaute in Ichendorf ein Siechenhaus, Leprosum genannt, welches zur Aufnahme der von der Pest befallenen Kranken diente. Solche Häuser bestanden in Melaten, bei Bonn, zu Riehl bei Cöln, zu Rodenkirchen u.a. Der genannte Kurfürst verfügte nun, daß alle Siechenhäuser abgebrochen werden sollten, da die Kranken sich vieler Untaten schuldig gemacht hatten. Dieses Los traf auch Ichendorf und die dortige Kapelle. Bei dieser Gelegenheit hatten die Franziskaner von Bethlehem sich heimlich eine Reliquie des hl. Hubertus, nämlich eines Zahnes, der von der Abtei Brauweiler herrührte, bemächtigt und ihn in den Grundstein des neuen Klosters - der erwähnte neue Bau - eingelegt. Der Guardian Foßen mußte ihn wieder herausgeben.

 

 

Abschnitt über das Kloster Bethlehem, aus dem Buch „Heimatkunde des Kreises Bergheim“ von Rektor F. W. Noll, Elsdorf aus dem Jahre 1928

 

Auf der Höhe des Vorgebirges liegt östlich Bergheim, weitschauend über die Ebene, das Kloster Bethlehem. Lange Jahre diente es profanen Zwecken. Seit 1899 ist es seiner alten Bestimmung wiedergegeben: Nonnenkloster, Exerzitien-, Erholungs- und Rekonvaleszenten-Haus und Haushaltungsschule.

Über die Entstehung und Gründung erzählt die Frauweiler Klosterchronik folgendes:

Zur Zeit der Regierung des Herzogs Wilhelm IV. von Jülich (1475 – 1511) und seiner Gemahlin Sibilla von Brandenburg wurde die Pfarrkirche zu Bergheim beraubt. Zwei „nichtswürdige Insassen und Einwohner von Wiedenfeld, von denen der eine Kirchmeister derselben Kirche und der andere Brudermeister war“, drangen nächtlicherweise in das Gotteshaus ein und stahlen unter anderem eine kostbare Monstranz mit der heiligen Hostie. Ihren Weg nahmen sie in den nahen Wald östlich von Bergheim. Dort warfen sie die hl. Hostie ins Gebüsch; die Monstranz verkauften sie an Deutzer Händler. Als eines Abends nun der Waldhüter Jakob Krämers durch den Wald gen Bergheim ging, bemerkte er im Gesträuch ein helles Licht. Da er die Ursache des selben nicht finden konnte, bezeichnete er die Stelle, um am nächsten Morgen nachzusehen. Er teilte die Erscheinung zu Bergheim auch der Behörde mit. Man suchte nach und fand die hl. Hostie an der selben Stelle im Gestrüpp, wo der Waldhüter das brennende Licht gesehen hatte. Sie wurde in feierlicher Prozession abgeholt und in die Kirche nach Bergheim zurückgebracht. Die beiden Kirchenräuber aber wurden entdeckt, von dem Bedburger Richter ergriffen und erhielten an dem „Erzbüschgen“ die verdiente Strafe.

An dem Orte, wo die hl. Hostie gelegen, errichtete Kremers ein Kreuz mit dem Bilde der Mutter Gottes und darnach eine kleine, hölzerne Kapelle. Viele Bewohner pilgerten dahin, hier ihre Andacht zu verrichten. Aus dem Opfer baute der Waldhüter später eine Kapelle aus Ziegelsteinen, die aber in den nachmaligen Ktriegsläuften fast gänzlich zerstört wurde. Auf die Bitten einflussreicher Hofleute ließ Herzog Johann Wilhelm im Jahre 1608 die Kapelle wiederherstellen und bedeutend erweitern. Im Jahre 1637 erhielten Franziskanerpatres von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm und dem Erzbischof von Köln die Erlaubnis, in Bergheim eine Niederlassung zu gründen. Sie wohnten in der Nähe der alten Kapelle, an der Stelle des jetzigen Hotels Weidenbach. Der Herzog von Jülich schenkte ihnen in der Folge 6 Morgen Wald auf dem Berge, anschließend an jene Kapelle, mit der Erlaubnis, daselbst ein Kloster zu bauen. Am Feste Mariä Verkündigung des Jahres 1648 wurde in Gegenwart des Amtsmannes von Bergheim, Hermann von Häupter, als Vertreter des Herzogs, und der Herzogin Maria von Rohan Thevreuse aus Kerpen der Grundstein dazu gelegt. Der Bau wurde 1655 vollendet. Mit de Erbauung einer neuen Kirche (1665) legte man auch auf dem Wege von Bergheim zum Kloster einen Kreuzweg an. --- Fast 300 Jahre ist das Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutter in der Kirche beim Kloster verehrt worden, und von vielen wunderbaren Gebetserhörungen wird aus dieser Zeit berichtet. 30 – 40 Prozessionen pilgerten alljährlich aus nah und fern nach Bethlehem. --- Als nach der französischen Revolution die Franzosen in unser Land eindrangen, fiel auch das Kloster dem Aufhebungsdekrete zum Opfer. Am 2. Juli 1802 wurde nach feierlichem Gottesdienste die Kirche geschlossen. Von den Gerätschaften gelangten manche in die benachbarten Kirchen. Das Gnadenbild erhielt die Pfarrkirche zu Bergheim, in der es anfangs auf dem Hochaltar, später auf einem besonderen Altar Aufstellung fand. Noch heute kommen jedes Jahr Prozessionen zur Verehrung desselben nach Bergheim.

Nach Aufhebung des Klosters wurden die Gebäude teils auf Abbruch verkauft. Von dem ersten Ankäufer Kamp erwarb es 1835 Reichsfreiherr Ferdinand von dem Bongart zu Paffendorf, dessen Förster es längere Zeit bewohnte. Im Jahre 1899 kauften es die Elisabetherinnen aus dem Mutterhause Essen zum Zwecke einer Niederlassung.

Von dem alten Kloster steht nur mehr ein zweistöckiger Bau und die 3 m hohe Umfassungsmauer. Bedeutende Erweiterungsbauten sind in jüngster Zeit vorgenommen worden. An der Südseite ziert den Weg eine schöne Kastanienallee. Der wohlgepflegte Garten und die schattigen Waldwege laden zu einem angenehmen Aufenthalte ein. Im Gebüsch liegt versteckt der große, 1662 durch Graf Erich Du. von Salm angelegte Brunnen

--- Von der Höhe hat man bei klarer Luft eine schöne Fernsicht bis zum Annaturm in Düren und zu den Kaminen von Stolberg.

 

Auszug aus Intelligenzblatt

Intelligenzblatt für den Kreis Bergheim und den Landkreis Cöln.

 

Bergheim, den 6. Oktober 1860

Zum Kloster Bethlehem

 

Das Bild stammt aus der ehemaligen, Franziskanerkirche des nahe liegenden Bethlehem und wurde nach deren Zerstörung durch Abbruch nach Bergheimerdorf übersiedelt. Das Conterfei jener Kirche als Ölgemälde wird daselbst an der Turmwand aufbewahrt. Die Sage über die Entstehung des Klosters Bethlehem hat zu viel Lokalinteresse, als daß wir uns enthalten können, dieselbe mitzutheilen, wie sie in einem alten Manuscripte aufgezeichnet ist.

"Zu Anfang des 17. Jahrhunderts war es Dieben gelungen, sich in die Pfarrkirche zum h. Remigius in Bergheimerdorf einzubrechen und dieselbe zu berauben. Sie hatten selbst des Allerheiligsten nicht geschont und die Monstranz sammt der h. Hostie aus dem Tabernakel mitgenommen. Obgleich man sofort Nachforschungen anstellte, um die Spur der Diebe zu entdecken, so blieb doch jede Bemühung fruchtlos. - Damals wohnte in Bergheim ein Förster, Namens Jakob Kremer, ein frommer, gottesfürchtiger Mann, dem die Hut der nahe gelegenen Waldungen anvertraut war. Einige Tage nach dem Diebstahle durchstreift er den Busch auf der östlich von Bergheim gelegnen Höhe und will, da es dunkel geworden, den Heimweg antreten, als er im Dickicht ein wunderbar strahlendes Licht dicht an der Erde erblickt. Er tritt hinzu und entdeckt, daß dieses Licht von einer im Moose liegenden Hostie ausgeht und ist sogleich überzeugt, daß es die h. Hostie der geraubten Monstranz ist. Er sinkt in Andacht nieder und betet den allmächtigen Gott im h. Sakramente an; dann eilt er raschen Laufes zum Pfarrer Wilhelm Arnolts in Bergheimerdorf und zeigt an, was er gesehen und entdeckt habe. In wenigen Minuten verbreitet sich die Kunde im ganzen Dorfe; ein feierliches Geläute vom Kirchthurme dröhnt durch die Stille der Nacht, und eine Prozession von mehreren Hundert Menschen zieht unter Anführung des Försters Kremer nach der Waldeshöhe, um das geraubte Allerheiligste zurück zu holen. Es war ein großartiger Augenblick, als die Menge andachtsvoll und die h. Hostie niederkniete, von der noch immer das hellstrahlende Licht ausging und erst verschwand, als der Pfarrer sie von der Erde nahm und in das geweihte Gefäß brachte. Kein Laut war hörbar, kein Blättchen regte sich; und das ferne Geläut von Bergheimerdorf unterbrach die Stille der Nacht. Unter feierlichen Gesängen zog die Prozession in die Pfarrkirche und schloß den nächtlichen Gottesdienst mit dem ambrosianischen Lobgesange, Te Deum.

Von dieser Zeit an war dem Jakob Kremer jene Stelle heilig; er besuchte sie oft und betete dort lange. Zuerst baute er einen Hügel von Rasen auf, gab demselben die Form eines Altars und pflanzte ein Kreuz darauf; später brachte er ein Dach darüber an. Vor und nach entstand eine hölzerne Kapelle, die nun nicht mehr allein von ihm, sondern von vielen Andächtigen der Nachbarschaft besucht wurde, die ihr Scherflein dazu beitrugen, daß statt der hölzernen Kapelle bald eine von Stein aufgeführt wurde. Die schöne und gesunde Lage, so wie auch die Berühmtheit, die der Ort in kurzer Zeit erlangte, veranlaßte die Franziskaner=Väter des Ordens von der strengen Observanz, an dieser Stelle ein Kloster zu erbauen und erhielten am 22. April 1637 von dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm und am 14. Mai desselben Jahres vom Erzbischofe Ferdinand zu Köln dazu die Erlaubnis. Der Bau konnte aber erst 1648 begonnen werden. Am 25. März desselben Jahres legte Hermann von Häupter, Amtmann von Bergheim, Namens des Herzogs Wilhelm von Jülich den ersten Stein dazu.

Dieser Feier wohnte die französische Herzogin Maria von Rohan Chevreuse bei, die damals auf dem Schlosse zu Kerpen residierte, und welche Grafschaft ihr seit dem 7. Juni 1640 von Philipp IV. von Spanien verpfändet war. Im Jahre 1655 war der Bau des Klosters vollendet, und die Franziskaner zogen ein. Sie gaben dem Kloster den Namen Bethlehem. *) Anstatt der dort vorgefundenen Kapelle wurde um das Jahr 1660 eine neue Kirche erbaut und das ganze Kloster 1746 mit einer Mauer umgeben.“

[*) Der Grund dieser Namensgebung liegt wohl nahe. Die Hirten und Weisen fanden den Heiland zu Bethlehem; so wurde auch dieser Ort des Wiedergefundenen gewissermaßen ein neues Bethlehem.

Als in der Mitte der 90er Jahre, am 1. Oktober 1794, die Soldaten der siegreichen, französischen Revolutionsarmee auch unsern Kreis mit Freiheit, Gleichheit, Verbrüderung überschwemmten, da brach die alte Ordnung der Dinge, geistliche und weltliche Einrichtungen wurden niedergehalten und zerstört; neue Beamten mußten die alten ersetzen. Bergheim war ein Herd dieser Neuerungen. An der Spitze stand der Commmissaire, Advokat Rick daselbst, unter ihm der Präsident Worringen. Für die einzelnen Ortschaften waren Agenten, quasi Bürgermeister ernannt. Es war im Plane, aus den geistlichen Churfüstenthümmern Köln und Trier, beim Herzogthume Jülich u.s.w. eine cisrhenanische Republik zu bilden. Die stillen Zellen des Klosters Bethlehem wurden wachgerufen durch große Versammlungen in dessen Sälen. Daselbst sollen sich Freiheitsmänner aus Köln, Aachen, sogar Brüssel eingefunden haben. Auf die erste Rede des Präsidenten Worringen, so erzählte ein glaubhafter Augen- und Ohrenzeuge, lief die Masse Neugieriger Thür und Thor hinaus. Die Rede hatte bei ihrem Dunst von Luftschlössern den Zweck, jeden, der ein echter, französischer Bürger sei, das durch Namensunterschrift bekunden zu lassen. Worringen verdrängte auch später die Augustiner Mönche im Bedburger Kloster aus ihren Klausen und nahm mit seiner Familie selbst Wohnung darin. Sogar das Arrangement von wilden Bällen im Speisesale wurde nicht gescheut. Ein zweiter Mitbrauch, den die Räume des Klosters Bethlehem in jener Zeit zu erdulden hatte, war eine so genannte Teufelsbannerei, der grellste Gegensatz zur französischen Gottesleugnung. Sie wurde mit Helfershelfern von einem Landkrämer aus Köln, mit Namen Engelsberg, wenn ich Recht behalten habe, geleitet. Viele, die den süßen Gedanken hegten, reich werden zu wollen, wurden oft stundenweit von Agenten gelockt, an einem gewissen Tage mit ordentlicher Börse im Versammlungs=Lokale zu erscheinen. Der arme Teufel, der selbst nichts hat, als seine Hölle, sollte Geld bringen; aber wer den Teufel bannen will, muß rein sein. Nachdem die Versammelten im Gebete saßen, hörte man fürchterliches Brüllen; hinter einer Gardine befand sich der Teufel, in eine Kuhhaut gehüllt. Er zeigte seinen Kopf mit den darauf stehenden Hörnern, und ein Mitwisser sprengte dann mit Weihwasser gegen ihn, sein Brüllen zu beschwichtigen. Darauf wurde Jedem verkündigt, wie er noch nicht rein genug sei, und daß darüber der Teufel noch immer in Wuth gerathe. Anberaumung neuer Versammlungstermine, Aufbringung neuer Gelder für gute Werke; - aber die Geldsüchtigen sind immer nicht rein und werden nicht rein, um den Teufel zu bannen. So ging es fort, bis die französische Polizei die Rädelsführer endlich auffischte und in Gewahrsam brachte. Sie hatten eine bedeutende Summe erschwindelt. Die Geschichte ist auf einem Zettel in Druck erschienen mit einer Vignette, der Teufel mit seinen Kuhhörnern hinter der Gardine herauslauernd. Das Kloster Bethlehem wurde 1802 aufgehoben und als Domaine verkauft. Die schöne Kirche und einen Theil des Klosters riß man nieder. Erst später, nach dieser Demolierung, kamen die Gebäulichkeiten in die Hände des jetzigen Eigenthümers, des Freiherrn von Bongart.

Bedburg, den 4. Oktober 1860

 

Aus der Dorfchronik des Joan Peter Delhoven

Anmerkungen zum Kloster Bethlehem von Joan Peter Delhoven,

 

Vor der Franzosenzeit gingen viele der Pfarreingesessenen von Oberaußem in das einstige, zwischen Bergheim und Oberaußem gelegene Franziskanerkloster Bethlehem zur Frühmesse. Die Klöster wurden dann durch Napoleon I. aufgehoben und deren Güter eingezogen. Hierzu schreibt Delhoven in seiner Dorfchronik:

 

Sonntag, 4. Julius 1802. Gestern Abend kame ein Commissair extraordinair von Kölln hier an, der den Auftrag hatte, alle Effecten der Klöster und Kirchen zu versiegeln. Er ritte mit dem Mair Neesen und 3 Gensdarmen auf Knechstein; der Friedensrichter gienge desfals auf Zons und der hiesige Secretair Adolf Verhagen ward für Hakenbroich und unsere Kirche beauftragt. Gemäß dem Arette müssen alle Klostergeistliche in Zeit von zehn Tagen die Klöster räumen und weltgeistliche Kleidung anziehen. Was sie eigenthümlich auf ihren Zellen haben, das dörfen sie mitnehmen. Auch ward in den Pfarrkirchen nur das nöthige Messgewand, so alle Tage gebraucht wird, nicht versiegelt. Alle Canonici und Geistliche, wes Ordens sie sind, müssen ihre von einer Fundation herrührende Wohnungen räumen. Sie, die Bischöfe, Nonnen und Bettelmönche sollen von der Nation ohne Unterschied salarisirt werden, das ist: alle, so 60 Jahre alt sind, bekommen 600 Franc jährlich, alle anderen 500 Franc. In 10 Tagen Zeit nach der nun bald nachfolgenden Publication müssen sie alle weltgeistliche Kleider anziehen und ihre Klöster verlassen.

 

Dieses Los traf auch das Kloster Bethlehem. Das Kloster war anfangs nur eine kleine Niederlassung der Franziskaner. Im Jahre 1637 waren sie von Brühl aus nach Bergheim gekommen. Von Bergheim aus übernahmen sie in der zur Ehre der Gottesmutter Maria errichteten, seit etwa seit 1500 bestehenden Kapelle Bethlehem den Gottesdienst. Der eigentliche Klosterbau erfolgte in der Zeit von 1648 bis 1655. Die kleine Kapelle wurde durch eine neue Klosterkirche ersetzt, die 1665 konsekriert wurde. Laut „Provinzial-Annalen“ war das Kloster Bethlehem eine Zeit lang ein bedeutender Wallfahrtsort. Dies findet auch in der oben erwähnten Chronik von Joan Peter Delhoven eine besondere Erwähnung. So schreibt er hierzu wie folgt:

 

„Sonntag 4. Julius 1784. Diesen Morgen umb 2 Uhr ward das erstemal, und ¼ auf drei zusammen geläutet. Um halb 4 gieng der Hr. Pastor und Vicar an den Altar die Messe lesen. Nach gegebenem Segen um 4 Uhr ward eine zahlreiche Prozession nach Bethlehem ausgeführt. Weil die sonst von hier mit den Worringer auf Kevelar geführte Procession jetz von geist- und weltlicher Obrigkeit verbothen ist, so ist dieses Jahr das 3te Jahr, dass wir auf Bethlehem gehen. Ohne zu rasten waren wir um 9 Uhr am Gnadenorte. Zu Oberaussem ward Mittag gehalten, zu Stommel einst getrunken – und um 7 Uhr zu abend waren wir theils gesund und wohlbehalten alle wieder hier. Es war ein ganz schöner Sommertag. „

 

Anderthalb Jahrhunderte lang blieb das Kloster von den kriegerischen Wirren und Drangsalen in unserem Gebiet verschont. Die Säkularisation verschonte Bethlehem nicht. Am 2. Juli 1802, dem Feste Maria Heimsuchung, wurde in der Klosterkirche zum letzten Male ein feierliches Hochamt gehalten. Nach Beendigung des feierlichen Gottesdienstes wurde die Kirche von französischen Beamten geschlossen, die Mönche mußten das stille und friedliche Kloster verlassen. Der letzte Kloster-Guardian (Vorsteher) Joh. Baptist Elfen wurde Pfarrer in Paffendorf. Kirche und Kloster wurden 1806 mit Ausnahme eines um 1720 errichteten Bauteiles, des sog. Neubaues, auf Abbruch verkauft. Die beim Abbruch wiedergewonnenen Steine fanden beim Häuserbau eine neue Verwendung. Grund und Boden mit dem Restbau gingen in französischen Staatsbesitz. Nach dem Abzug der Franzosen ging 1815 alles in preußischen Staatsbesitz über. In den 1820-er Jahren verkaufte die preußische Regierung das gesamte Anwesen.

 

Nach Auflösung des Klosters stellte man in Oberaußem eigene Primissare oder Frühmesspriester an, und mancher ausgewiesene Ordensmann war froh, auf diese Weise ein Unterkommen zu finden. Zu ihrem Unterhalt diente der Ertrag von 8 Morgen Land, die „Frühmeßlöscher“ genannt, welche später verkauft wurden. Als Oberaußemer Primissare während der Franzosenzeit werden genannt:

 

Philipp Kappes, früher Franziskanerpater, war von 1802 bis zum 6. Oktober 1805 in Oberaußem, wo er auch starb.

 

Gereon Lehmann, im hiesigen Sterberegister mit „professor doctissimus“ benannt, war in der Pfarre zu St. Martinus in Cöln geboren und unterhielt in Oberaußem eine lateinische Schule. Eine Zeit lang war er Vikar an St. Aposteln in Cöln. Er starb am 19. Dezember 1815 in Oberaußem.

 

 

 

Erinnerungsbildstock, östlicher Stadtrand Bergheim / Erft

Artikel aus Revier und Werk, Heft 211, Oktober 1988, Zis

Mit freundlicher Unterstützung von Pfarrer Hubert Köllen, Sankt Remigius Bergheim

 

Maria half in der größten Not:

Ein 1988 errichteter Bildstock erinnert an die Pestzeit in Bergheim und auch ein wenig an die damit verbundene Geschichte des Kloster Bethlehems.

 

Bergheim. — Wer heute über die Neusser Straße in Bergheim kommt, wird am Rand des Tagebaus Bergheim einen Pilgerbildstock vorfinden, der mit seiner Abbildung der Schmerzhaften Muttergottes den Pilger zum Gebet einlädt. Seit dem Herbst 1986 steht er an dieser Stelle als Ersatz für die alte Kapelle, die dem Braunkohlentagebau weichen mußte.

Bis auf den heutigen Tag kommen zahlreiche Wallfahrer aus nah und fern zum Gnadenbild in der Bergheimer St.- Remigius-Kirche und machen dann hier erste Station auf Bergheimer Boden.

 

Eine Chronik berichtet:

 

„Zur Zeit der löblichen Regierung des durchleuchtigsten Fürsten Wilhelm, Herzog zu Jülich (1475—1511), ist die Pfarrkirche in Bergheimer Dorf von zwehen Bösewichtern, deren einer Kirchmeister, der andere Brudermeister gewesen, beraubt worden. Unter anderem auch das hochwürdigste Sakrament samt der Monstranz hinweggenommen. Die Monstranz haben sie zu Stücken geschlagen und zu Dütz (Köln-Deutz, d. Red.) verkaufet, die heiligen Hostien aber mit gebrochenem Glas in eine Stauden des Bergheimer Wäldleins geworfen.

Auf einen Abend kommt Jacob Krämers, der Förster, durchs Wäldlein heim nach Bergheim zu gehen. Da er an dieser Stauden vorüber geht, sieht er ein brennend Licht. Er bewegt sich morgens Frühe wieder dahin und findet das hochwürdigste Sakrament. Laufet eilig nach Bergheim und gibt es dem Magistrat zu erkennen, alsobald wird das Sakrament unter andächtiger Prozession des zulaufenden Volkes ehrwürdig erhebt und in die Pfarrkirche getragen.“

Die beiden Kirchenräuber sind übrigens später ergriffen und in Bedburg hingerichtet worden. Dem Förster befahl eine innere Stimme, an diesem Ort eine Kapelle zu errichten. In dieser Kapelle stand bis zum Jahre 1802 das heute noch In der Pfarrkirche befindliche Gnadenbild.

Es soll hier auch einige urkundlich bezeugte Gnadenerweise gegeben haben. So wurde Bergheim im Jahre 1598 von der Pest heimgesucht. Täglich starben viele Menschen den „Schwarzen Tod“. In ihrer Verzweiflung betete die Bevölkerung vor dem Gnadenbild, und die Pest hörte auf zu wüten.

 

Quellen:

 

  • Josef Dürbaum, Heimatkunde von Oberaußem von 1912, sowie die Neuauflage Oktober 2000 von Hans-Josef Weck, Hans-Joachim Mörs, Carsten Meyer
  • F. W. Noll, Heimatkunde des Kreises Bergheim von 1928
  • Intelligenzblatt für den Kreis Bergheim und den Landkreis Cöln
  • Dorfchronik des Joan Peter Delhoven
  • Neue Rheinzeitung, 29.03.1964
  • Rheinischer Städteatlas, Heinz Andermahr 2001
  • Christian Kämmerling, 100 Jahre Pfarrkirche St. Vinzentius in Oberaußem
  • Hans Joachim Mörs, In Gedanken durch Fortuna gehen von 1992
  • Detlef Witt, Die Kraftwerke Fortuna
  • Artikel aus Revier und Werk, Heft 211, Oktober 1988, Zis
  • Schwarzweisfotos: Privatfotos Oberaußemer Bürger
  • Fotos von Architekt Hans Nalbach / Rolf Kremer
  • Zeichnung: von Willi Müller
  • Buch "FORTUNA", Volker H. W. Schlüter / Helmut Schrön
  • Bergheim-Bruderschaft
  • Fotos Gnadenbild, Dieter Konertz
  • Pfarrbrief "Herbst 2011" Pfarreiengemeinschaft Bergheim Ost, S. 36-37
  • Layout, neue Texte und Textergänzungen: Ulrich Reimann 2005/09