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Der langjährige Rektor der Volksschule Fortuna, Anton Kolf

Ausarbeitung von Ulrich Reimann 

 

Anton Kolf wurde am 20.04.1892, als Sohn der Eheleute Christian Kolf, Schmiedemeister, (geb. am 11.05.1856 in Ramersdorf, gest. am 21. 06.1899 in Oberkassel) und Anna Margarethe Luchert (geb. am 13.07.1856 im Westerwald, gest. am 13.01.1939 in Frechen), in Ramersdorf, bei Oberkassel auf der rechten Rheinseite, Ldkrs. Bonn geboren.

Anton Kolf war der Älteste von drei Geschwistern. Seine 1894 geborene Schwester Katharina war auch Lehrerin. Sie lebte zum Schluß bei Herbert und Anne Kolf in Heinsberg, wo sie 1990 starb. Sein Bruder Mathias starb, als er 38 oder 39 Jahre alt war.

 

Nach dem Besuch eines Gymnasiums, besuchte Anton Kolf das Lehrerseminar in einem religiösen Orden in Wipperfürth.

Als junger Lehrer kam er am 29.02.1912 an die kleine Volksschule in Fortuna, an der er dann auch sein ganzes Berufsleben verbrachte. Hier erklomm er die Karriereleiter, vom Junglehrer über Lehrer, Hauptlehrer bis er 1923 erster Rektor in Fortuna wurde.

In einem Zeitungsbericht über seine Goldene Hochzeit steht, dass er zeitweise in einer einklassigen Schule bis zu 130 Schüler in acht Jahrgängen unterrichtete, woran man aber berechtigte Zweifel hegen kann. (Die Schule in Fortuna war 1912 zweiklassig, ab 1922 gab es die neue mehrklassige Schule)

 

Anton Kolf war auch eine Zeit lang Mitglied des Gemeinderates von Oberaussem-Fortuna gewesen.

Ab 1921 war er als Schriftführer im Vorstand des Kirchenbauvereins "St. Barbara" tätig.

 

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Lehrer Kolf eingezogen. 1915 erlitt er als Soldat in Frankreich, mit einem Schulterdurchschuss und einem Steckschuss, schwere Verwundungen, deren Folgen er bis zu seinem Tode nicht loswurde.

 

Kurz nach Kriegsende, am 14. od. 18.11.1919,  heiratete Anton Kolf in Bergheim Anna Franziska Nikolin (geb. am 04.02.1896 in Oberaußem, gest. am 17.06.1980 in Geilenkirchen). Sie war eine Tochter des damaligen Gemeindevorstehers von Oberaußem-Fortuna, Johann Nikolin.

Franziska Nikolin hatte die Volksschule in Oberaußem besucht. Danach war sie, wie ihre Schwestern Katharina, und Maria, zwei Jahre in Geldern im Internat „Zu Unseren Lieben Frau"  bei Ordensschwestern, in der Issumer Landstraße. Dort gab es einen Stundenplan für sogenannte höhere Töchter mit Musikerziehung, Konversation, Behandlung und Anleitung vom Personal, neben den üblichen Fächern wie Deutsch, Geschichte u.s.w.. Danach ist nur bekannt, dass sie bis zur Heirat im Haus ihrer Eltern in Oberaussem blieb.

Sie war das erste Kind der Nicolins, das heiratete. 23-jährig, ehelichte sie den 27-jährigen, stets aufs sorgfältigste gekleideten, Stöckchen schwingenden Junglehrer aus Bonn. So wurde er später von seinen Schwägern geschildert. Schon 1912 hatte die beiden sich kennen gelernt, wohl dabei, als er als Junglehrer nach Fortuna kam und sich beim Gemeindevorsteher vorgestellt hatte.

Laut Erzählungen in der Familie Nikolin, erwies er sich als unermüdlicher Freier, den nichts von seinem Ziel, der Heirat mit der schönen Franziska, abhalten konnte. So manchen Spott der heranwachsenden Brüder seiner Angebeteten, ertrug er damals mit Fassung.

 

Etwa ab 1922, wohnte Familie Kolf dann ihr Leben lang, in dem großen, ziemlich repräsentativen Amtswohnhaus in Fortuna neben der Schule.

 

Seine Möbel oder war es Franziskas Aussteuer?, wurden nach der Hochzeit  mit einem Pferdefuhrwerk seines Schwiegervaters, einer einachsigen Schlagkarre die 20 Zentner trug, von Köln nach Fortuna herangeschafft. Einige der Möbel waren auf der ungefederten, rüttelnden Karre, die Fahrt  über die fast 30 km dauerte sechs Stunden, durchgescheuert und beschädigt. Danach gab es eine der seltenen aufregenden Szenen durch Gemeindevorsteher Johann Nicolin. Der Fuhrmann des Möbeltransportes, es muß ein Bruder von Franziska Nikolin gewesen sein, der die Möbel wie Knollen (Zuckerrüben) verladen hatte, bekam eine deftige Strafpauke seines Vaters zu hören, denn kurz nach dem Ende des I. WK. waren gute Möbel teuer und nur schwer zu bekommen.

 

Anton Kolf und Franziska Nikolin hatten zwei Söhne.

 

Johann Herbert Kolf, geb. 13.01.1921 in Fortuna, gest. 08.08.1999 in Heinsberg geheiratet am 01.0 6.1957 in Gronau (Bergheim), Anneliese (Anne) Golletz geb. 20. 8. 1929 in Herzogswaldau Niederschlesien

Henning Kolf geb. 1960 in Heinsberg, geh.1999 in Neubrandenburg, Lena Gowtwan geb. 1965 in Korkant Usbekistan.

 

Karl Richard Kolf, geb. 21.06.1922 in Köln Lindenthal, gest. 01.07.1991 in Immerath

 

Beide Söhne waren Soldat und überlebten den II. Weltkrieg, wenn auch nicht ganz unverletzt.

Richard hatte als Soldat ein furchtbares Erlebnis. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft. Gemeinsam mit anderen deutschen Soldaten, wurde er zum Tode durch Erschießen verurteilt und auch an die Wand gestellt.

Die durchgeführte Exekution hat er als einziger überlebt, weil er sich tot gestellt hatte. Nach einer grauenhaften Wartezeit,  konnte er sich in der Dunkelheit von der Last der auf ihm liegenden toten Kameraden befreien. Schwer verwundet konnte er sich zu den deutschen Linien schleppen. Dieses schreckliche Erlebnis hat er Zeit seines Lebens nie ganz verarbeiten können. Es führte später sogar dazu, dass er psychisch schwer erkrankte.

 

 

Die Frau des Rektors, Franziska Kolf, galt stets als eine vornehme Dame der Gesellschaft. Meist war sie dunkel gekleidet, mit weißgrauen Haaren, die sie eingeschlagen getragen hat. Sie sprach bewußt langsam und immer leise.

 

1969 feierte das Ehepaar Kolf in Fortuna die goldene Hochzeit.

 

Wohl inspiriert durch die Jagdleidenschaft der gesamten Familie Nikolin, entdeckte auch Anton Kolf im reiferen Alter seine Liebe zur Jagd. Sein Jagdglück hielt sich aber in Grenzen. Sein stets prompt, nach einem von ihm abgefeuerten Schuss erfolgter Ruf „Hat Schuss", war bei einschlägigen Jagdgesellschaften legendär.  Da er im Vergleich zu seinem Schwager Johann Nikolin, der in Oberaußem ein großes Revier hatte, kein besonders guter Schütze war, vermied er es meistens in dessen Revier zu jagen. Denn Johann Nicolin war trotz nur einem Arm, ein Kunstschütze und jeder andere sah neben ihm wie ein Anfänger aus. Viel lieber suchte er sein Glück, oft zusammen mit dem Metzgermeister Johann (Jean) Secker aus Fortuna, im Jagdrevier seines Schwagers Peter Nicolin in Frauweiler.  

 

Gestorben ist Anton Kolf am 28.04.1976 in Fortuna. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Oberaußemer Friedhof beigesetzt.

Seine Frau lebte noch bis 1980. Nach ihrem Tod fand sie neben ihrem Mann die letzte Ruhe.

 

 

 

Quellen:

  • Aufzeichnungen von Hermann Josef Nikolin, Butzbach
  • Willi Nikolin, Oberaussem
  • Text, Layout, Recherchen: U. Reimann
  • Fotos: Willi Nikolin