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Das Vereinsleben in Oberaußem

Ausarbeitung von U. Reimann, 2010

 

Vorbemerkungen.

 

Oberaußem ist seit vielen Jahren im Kreis Bergheim und darüber hinaus, für ein außerordentlich umfangreiches, gut funktionierendes Vereinsleben bekannt und wurde auch oft darum beneidet. Etliche unserer Ortsvereine haben über die Gemeindegrenzen hinausgehend, über lange Zeiten große Erfolge, beispielsweise in sportlicher, kultureller und sozialer Sicht aufzuweisen. Stellvertretend für alle und wertungsfrei seien hier genannt:

Der Radfahrverein Freie Bahn mit zahlreichen deutschen Meistertiteln im Kunstradfahren.

Die Spielvereinigung von 1919, spielte über etliche Jahre hinweg in den höchsten deutschen Amateurfußballklassen.

Der Männergesangverein und der kameradschaftliche Theaterverein glänzen immer wieder mit ihren sehr beliebten, öffentlichen Aufführungen im Bürgerhaus.

Die vereinigten Karnevalsfreunde des Ortes können bereits seit 1959, also über 50 Jahre, ununterbrochen ein Karnevalsdreigestirn präsentieren.

Ein außergewöhnlich gut funktionierendes Vereinsleben trug also jahrzehntelang zu einem meist harmonisch verlaufenden Ortsleben bei, ja man identifizierte sich in Oberaußem und Fortuna mit seinen Vereinen. Dementsprechend wurden auch die vielen jährlichen Feste der Vereine, über gute, manchmal auch schwierige Zeiten hinweg, in unserem Orte gerne und ausgiebig, unter zahlreicher Beteiligung aller Bevölkerungsschichten gefeiert.

Heute erkennt man, wie wohl auch in anderen Gemeinden, leider einen deutlichen Abwärtstrend beim Oberaußemer Vereinsleben. Dies gilt zum Leidwesen vieler gebürtigen Oberaußemer, insbesondere für die noch bestehenden Traditionsvereine des Ortes. Sie können zwar noch größere Mitgliederzahlen aufweisen, haben aber kaum noch jüngere Nachwuchskräfte, die sich für das Vereinsleben begeistern können. Einer der Gründe für die Abwärtsentwicklung ist sicherlich die in der heutigen Gesellschaft vorhandene größere Mobilität und die damit verbundene persönliche Freiheit, wodurch eine leichtere Wahrnehmung der persönlichen Interessenslagen des einzelnen ermöglicht wird. Das wiederum bremst derzeit, bei jungen und auch älteren Menschen, die Lust auf eine gemeinsame Ausübung von Aktivitäten in den Traditionsvereinen rapide. Hinzu kommen sicherlich die teilweise bei diesen Vereinen noch vorhandenen, meist althergebrachten, verknöcherten Vereinsstrukturen, Vetternwirtschaft, eigene Vorteilsinteressen, Vorurteile gegenüber Fremden und das Machtstreben einzelner Mitglieder, was derzeit viele eigentlich interessierte Leute, von einer Teilnahme am aktiven Vereinsleben abhält. Auch die heutige, gute persönliche Wirtschaftlage großer Bevölkerungsteile, ermöglicht den Menschen, ihre Freizeit individuell, nach eigenen Vorstellungen zu gestallten und damit auf eine Teilnahme an Vereinsaktivitäten zu verzichten.

Auch der 2008 vom Heimatverein Oberaussem, mit Unterstützung einer politisch orientierten Gruppierung, mit großem finanziellen Aufwand, neben dem Haupteingang des Oberaußemer Bürgerhauses errichtete, sogenannte Vereinswappenbaum, kann den leider klar ersichtlichen Abwärtstrend beim hiesigen Vereinsleben nicht kaschieren, geschweige aufhalten.

An dieser aufwendigen Stahlrohrkonstruktion hat man inzwischen eine Vielzahl von Emblemen angebracht, wobei es sich dabei aber nur zum Teil um Vereinswappen handelt. So findet man mittlerweile auch Symbole von Gruppierungen, die man eigentlich nicht als Verein bezeichnen kann, wie z.B. die Label von politischen Parteien.

Zu dem gibt es innerhalb und außerhalb der Ortsbevölkerung, neben Zustimmung auch sehr kritische Stimmen zu diesem Prestigeprojekt. Viele Bürger sind der Meinung, daß man das hier ausgegebene viele Geld, in Anbetracht der finanziellen Schieflage vieler Kommunen, einer sinnvolleren, nützlicheren Verwendung hätte zuführen können.

Leider kann man inzwischen beobachten, daß einige Politiker versuchen, in Vereinen Einfluß zu gewinnen. Die Parteien sehen wohl angesichts der heutigen, knappen politischen Mehrheitsverhältnissen, bei den Vereinsmitgliedern ein mögliches Wählerpotential, das ev. durch eine aktive Beteiligung in der Vereinsarbeit (z.B. Bekleidung von Vorstandsfunktionen), zu den eigenen Gunsten beeinflusst werden kann. Generell kann man hier anmerken, daß es keinem Verein gut tut, wenn er unter den Einfluß von politischen Parteien gerät. Wie man aus der Erfahrung ja auch weiß, können sich politische Machtverhältnisse sehr schnell ändern. Das bedeutet für einen Verein, daß politische Neutralität wichtig ist und man die Einflussnahme von Politikern tunlichst verhindern sollte, wenn es zu keinem Schaden innerhalb des Vereinslebens kommen soll. Kurz gesagt: „Vereine und Politik passen einfach nicht zusammen !“

 

Die Oberaußemer Vereine früher und heute.

Über die Geschichte von Oberaußem gesehen, hatten die Ortsbewohner schon früh Interesse am organisierten, fest strukturierten Vereinsleben. Über eine lange Zeit, bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts, gab es in Oberaußem aber eigentlich nur die althergebrachte, katholische Sankt-Vinzentius-Bruderschaft mit den Sankt-Vinzentius-Schützen. In dem damals überwiegend katholischen Oberaußem, wurde seinerzeit fast jeder Einwohner unseres Ortes nach der Erstkommunion, - fast automatisch -, Mitglied dieser Bruderschaft. Es war eine starke Sozialgemeinschaft, die für jeden einzelnen, neben der Durchführung der gemeinsamen Veranstaltungen, auch Hilfe in vielen Lebenslagen bis hin zum Beistand für die Familie beim Tode des Mitgliedes bot. Die Bruderschaft und die Schützen existieren noch heute, haben aber längst nicht mehr so viele Mitglieder.

Erst mit dem Aufbruch ins Industriezeitalter kam es wie überall in Deutschland, auch in Oberaußem vermehrt zu Vereinsgründungen. Es entstanden etliche Ortsvereine der verschiedensten Art. Mit der gehäuften Gründung von Vereinen begann dann auch ein Umdenkprozess im Oberaußemer Ortsleben. Große Teile der rasch zunehmenden Ortsbevölkerung interessierten sich nun auch hier für Bildung, Kultur, Politik, Sport und Soziales. Die neuen Vereine wetteiferten bei der Anwerbung neuer Mitglieder bei den damals noch wenigen Einwohnern unserer Gemeinde. Bei einigen Vereinen kam es im Laufe der ersten Jahre nach der Gründung, zu vereinsinterner Interessenskonflikten, mit offen ausgetragenen Streitigkeiten unter den Mitgliedern. Der ein oder andere Verein spaltete sich auf, wodurch sich neue gleichartige Vereine bildeten, bzw. mancher Verein nach kurzer Zeit wieder verschwand.

Zum Thema Vereinsleben in Oberaussem hat sich 1912 der damalige Hauptlehrer Josef Dürbaum, in seinem Buch „Heimatkunde von Oberaussem“ recht wortgewaltig, heimatverbunden und auch kritisch geäußert.

So schreibt Dürbaum unter Kapitel 5. Vereine wie folgt:

 „Von einer rechten Entwicklung des Vereinslebens (wirtschaftliche und kirchliche Vereine sind hier nicht gemeint) kann in Oberaußem nicht gut die Rede sein. An dem heute so vielerorts beobachteten Krebsschaden der Vereinsmeierei krankt auch Oberaußem. Die Vielheit der Vereine schließt es aber von vorne herein aus, daß sich auch nur einer unter ihnen in rechter Weise entwickeln kann; denn soll ein Verein gedeihen und blühen, so verlangt er zunächst eine größere Zahl zusammenwirkender Kräfte, dann aber auch deren rege Betätigung. Der Ort Oberaußem ist jedoch zu klein, als daß er für die große Zahl der dort bestehenden Vereine die notwendige Anzahl tatkräftiger Mitglieder stellen könnte. Es bestanden nämlich zur Zeit in Oberaußem einschließlich Fortuna nicht weniger als 15 Vereinigungen und zwar ein Kriegerverein, eine Freiw. Feuerwehr, eine Sanitätskolonne, ein Gesangverein Erholung, ein kameradschaftlicher Verein, ein Turnverein, drei Musikkapellen, ein Radfahrverein, ein Kegelklub, ein Rauchklub, ein Tanzverein Unitas, eine Karnevalsgesellschaft, ein Bumbasklub. Das bei dieser Ueberzahl die Mitglieder dasjenige im Verein nicht finden, was er bieten soll, nämlich Förderung und Unterhaltung, ist natürlich, weshalb auch manches Mitglied, das eben in den Verein eingetreten ist, schon bereut, das Eintrittsgeld geopfert zu haben.

Nicht eher können für das Vereinsleben in Oberaußem bessere Tage anbrechen, bis ein Teil der geselligen Vereine zu Grabe getragen ist. Das ist vielleicht für denjenigen, der mit seinem ganzen Herzen an dem einen oder anderen Verein hängt, ein hartes Wort; es wäre aber töricht, es nicht auszusprechen; denn Schäden können nicht geheilt werden, ohne daß sie vorher aufgedeckt würden, und das bessere Neue ist der Feind des guten Alten.

Jeder Verein hat seine Ideale. Der Gesangverein z.B. will die Gesangeskunst, der Turnverein Gemeinsinn und Kraft, der Radfahrverein Geschicklichkeit, Mut und Ausdauer fördern. Jedoch sind diese Ideale nicht überall erreichbar. Wie nicht jedes Dorf über einen Meister im Gesange verfügt, so fehlt es auch vielfach an Führern in der Turn- und Radfahrkunst, die andere wirklich zu fördern imstande wären. Daß unter ungenügender Führung der Verein aber seine Aufgabe nicht lösen kann, ist selbstverständlich; er mag vielleicht weiterleben, aber gedeihen und blühen kann er nicht, ja, vielfach lassen sich die Mitglieder nur noch durch Nebensächliches und äußere Rücksichtnahme halten; weiß man ja, daß Mitglieder eines eingegangenen Vereins nicht selten Spötteleien ausgesetzt sind.

Der geschulte Führer ist es aber nicht allein, was den Verein ausmachen kann. Ein wichtiges Moment für den rechten Bestand eines Vereins, das gerade in Oberaußem fehlt, ist der kräftige Zusammenschluß eines größeren Teiles der für das Vereinsleben geeigneten Bürgerschaft aus idealen Rücksichten. So duldsam und hilfsbereit man sonst hierorts im Leben ist, so kleinlich und unnahbar ist der Oberaußemer in Vereinsangelegenheiten. Wie oft verliert er dabei nicht den ganzen, idealen Zweck des Vereins aus den Augen, und der Verein selbst sinkt herab zum puren Spielball in den Händen von eigennützigen Interessen. Das ist der große Fehler bei einem Teil der bei uns bestehenden Vereine: nicht hohe ideale Gesinnung haben sie geboren, sondern Strebertum und materielle Interessen. Vermöchten die Mitglieder ihre Vereine natürlich nicht in der jetzt bestehenden Ueberzahl --- wieder auf eine gesunde Grundlage zu stellen, so würden sie sich entwickeln und blühen; nimmer aber darf ein Verein zu persönlichen Zwecken ausgebeutet werden, noch darf er Selbstzweck sein; vielmehr hat jeder seine Ideale, der Kriegerverein die Vaterlandsliebe, der Gesangverein die Kunst des Gesanges, die Feuerwehr und Sanitätskolonne die Rettung und Hilfe des Nächsten als seine einzigsten Ziele zu betrachten und zu verfolgen. Möge in diesem Sinne bald für die Vereine Oberaußems das Morgenrot einer besseren Zukunft aufsteigen! Hoffen wir das zugunsten besonders derjenigen Verbände, die sich die höchsten Ideale: Vaterlandsliebe, Rettung des Nächsten und Hebung der edlen Gesangeskunst auf die Fahne geschrieben haben. Möchten allen für das Vereinsleben geeigneten Bürgern der Gemeinde die Worte aus Mozarts Bundeslied vorschweben:

 

Brüder reicht die Hand zum Bunde,

diese schöne Freundschaftsstunde

führ´ uns hin zu lichten Höh´n!

 

Man gönnt mit Recht dem Kriegerverein den ersten Platz in der Gemeinde. Hier finden sich jene deutschen Männer zusammen, die ihren Arm gestärkt und ihren Mut gekühlt haben zum Schutz und zur Erhaltung unseres lieben Vaterlandes, hier lernen wir die naturnotwendige Staatsgewalt achten, ehren und erhalten, hier drücken sich heute noch jene Braven die Hände, die heldenmütig ihr Gut und Blut einsetzten für uns auf den Feldern des Todes.

Und was ist das Ideal des braven Feuerwehrmannes? Er weist es weit von sich, des eitlen Ruhmes oder Vergnügens wegen Helm und Axt zu tragen. Gott zur Ehr´ und dem Nächsten zur Wehr! dafür zieht er hinaus zu den mühevollen und gefahrvollen Uebungen, dafür steigt er hinein zwischen lodernde Flammen und krachende Balken und rettet das Leben hilferufender Menschen, dafür stirbt so mancher Treue unter ihnen nach seiner Art den Heldentod in den Flammen.

Auch das Lied vergiß nicht, Deutscher, das deutsche Lied, ein Merkmal deines Wesens! Nichts rettet dich so von dem Gemeinen, nichts zieht dich mehr empor zu dem Guten und Schönen als die Künste, vor allem der Gesang. Sagt doch kein Geringerer als Schiller mit seiner tiefen Menschenseele im Festgesange an die Künstler:

 

Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie!

Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben!

Der Künste heilige Magie dient einem weisen Weltenplane,

still lenke sie zum Ozeane der großen Harmonie!

 

Der Kameradschaftliche Kriegerverein Oberaußem wurde im Jahre 1889 gegründet; seine Mitgliederzahl beträgt 60. Darunter befinden sich noch 9 Kriegsveteranen. 1897 feierte der Ort das Kreiskriegerverbandsfest unter Beteiligung zahlreicher auswärtiger Vereine.

Die Freiwillige Feuerwehr Oberaußem besteht seit dem 4. September 1900. Sie trat mit einer Stärke von 73 Mann ins Leben. Heute zählt sie 40 Mitglieder. Die Freiwillige Feuerwehr Oberaußem ist eine anerkannte Wehr im Sinne der Bestimmungen des Provinzial- Feuerwehrverbandes der Rheinprovinz. Ihre hervorragenden Dienstleistungen bei dem großen Brande 1907 wurden bei der Geschichte des Ortes bereits erwähnt.

Die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Grube Fortuna wurde 1906 durch Joh. Mörs gegründet. Sie unterstützt in Kriegszeiten den Landesverein vom Roten Kreuz und leistet in Friedenszeiten Hilfe bei jeglicher Art von Unglücksfällen. Die Stärke der Kolonne beträgt gegen 30 Mann. Ihre Leistungen haben wiederholt von kompetenter Seite Anerkennung gefunden.

Der Gesangverein Erholung besteht seit dem Jahre 1878. Er hat besonders das Theaterspiel gepflegt. Seine Mitgliederzahl beläuft sich auf 70.

Der Kameradschaftliche Verein Oberaußem, der echte Kameradschaftlichkeit fördern will und ebenfalls das Theaterspiel pflegt wurde im Jahre 1897 gegründet und hat 36 Mitglieder.“

Soweit der Originaltext von Josef Dürbaum.

Vieles aus der Niederschrift von Josef Dürbaum hat noch heute Gültigkeit. Manch einer der jetzigen Vereinsoberen sollte die Worte Dürbaums einmal persönlich, auf sich und seine Verhaltensweise bezogen, selbstkritisch überdenken. Dies gilt  unter den Vorzeichen des Abwärtstrends beim Vereinsleben, insbesondere für diejenigen, die ihren Verein oft für politische und eigennützige Interessen missbrauchen und damit auch direkt zum Niedergang der Vereinskultur und einzelner Vereine beitragen.

 

Auch in einer Familienchronik des Oberaußemers Martin Schneider aus der Bahnstraße, findet man einige Informationen zum Oberaußemer Vereinsleben.

Er schreibt  1961 zu diesem Thema wie folgt:

„Vor 1914 bestanden in Oberaussem folgende Vereine und Klubs:

Kameradschaftlicher Krieger-Verein, gegr um 1890

Männer-Gesang-Verein “Erholung, gegr. um 1878

Kameradschaftlicher “Theater-Verein“ gegr. um 1897

Verein “Unitas“ gegr. um 1900

Radfahr-Verein “Freie Bahn“ gegr. um 1906

Turn-Verein “Deutsche Eiche“ gegr. um 1900

Karnevalsgesellschaft “Gemütlichkeit“ gegr. um 1910

St. Vinzentius-Schützenbruderschaft gegr. vor 1685

Ferner existierten 1 Wanderklub, 1 Rauchklub und 1 Kegelklub.

Heute bestehen noch von diesen Vereinen die unter lfd. Nr. 2, 3, 5 und 8 genannten.

Dazu gekommen sind:

1 Taubenzucht-Verein, 1 Kaninchenzucht-Verein, 1 Gartenbau-Verein und der Spiel- und Sportklub Oberaußem-Fortuna. Außerdem bestehen heute 6 Kegel­klubs, darunter ein Damen-Kegelklub.

Über den Sinn und Zweck der Vereine ist folgendes, soweit nicht aus dem Namen des Vereins hervorgeht,  zu sagen:

Der Krieger-Verein sollte die militärische Erziehung wach halten. Jeder vom Militär in Ehren Entlassene konnte und sollte Mitglied werden. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Krieger-Verein von seiten der englischen Besatzung verboten. Nach Abzug der Besatzung flammte das Vereinswesen wieder auf und 1933 wurden die mili­tärischen Vereine gestützt. Nach Ende des 2. Weltkrieges geriet der Krieger- Verein wieder in Vergessenheit. Der kameradschaftliche Theater-Verein wurde von jüngeren, aus dem Gesang-Verein “Erholung“ aus folgendem Grunde ausgetretenen Mitgliedern gegründet: Die jüngeren Mitglieder verlangten, daß der Gesang-Verein außer Gesang- und Theater-Veranstaltungen auch Tanzvergnügen abhalte. Dieses Ansinnen wurde versagt. Dadurch entstand die Gründung des neuen Vereins, der außer Theater auch Tanzveranstaltungen abhielt. Diese beiden Vereine lebten seit eh und je in Fehde. Seit ca. 15 Jahren hat das Verhältnis sich gebessert.

Der Verein “Unitas“ war finanziell der stärkste Verein. Er hielt an den Hauptfesttagen, wie Neujahr, Karneval, Pfingsten und Kirmes Tanz ab. Er war somit ein Vorläufer der jetzigen Kirmesgesellschaft. Er hatte wenig Ausgaben und dadurch stete Reingewinn. Aber trotzdem, anscheinend, weil er kein Ideal hatte, starb er nach 1918 aus. Der Turn-Verein hielt sich noch bis ungefähr 1930.

Die Karnevalsgesellschaft erlosch ebenfalls in den 20er Jahren, ferner auch der Wander- und Rauchklub.

Im Januar 1921 bildete sich die Volkstümliche Bogenschützengesellschaft in Oberaussem. Da Feuerwaffen verboten waren, betrieb diese den Schießsport mit Pfeilbogen. Nachdem wieder Feuerwaffen erlaubt waren, stellte sich der Verein auf diese um und erhielt die neue Bezeichnung “Schützengilde Oberaussem“. Der Verein machte gute Fortschritte und hatte nach einigen Jahren gute Waffen, einen Schießplatz mit einem Vogelhochstand, einen 100 m- und einen 50 m - Scheibenstand auf dem Driesch. Die Anlagen wurden Ende des 2. Weltkrieges mutwillig zerstört, in späteren Jahren wurde das Gelände bebaut. Die Waffen wurden durch die amerikanische Besatzung beschlagnahmt. An ein Wiederaufleben des Vereins ist aus finanziellen Gründen nicht mehr zu denken.“

Soweit Martin Schneider.

 

Im Jahre 1909 hatte sich in Oberaußem der Turnverein „Germania Oberaußem“ gegründet.

Wie lange der Verein bestanden hat ist derzeit nicht bekannt. Erst kürzlich hat man bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden eines alten Oberaußemer Hauses die Original-Vereinsfahne dieses Vereines wieder gefunden.

Die Forderseite der aus Samtstoff bestehenden Fahne zeigt zentral ein Portrait des „Turnvater Jahn“ und den aufgestickten Vereinsnamen mit dem Gründungsjahr. Auf der Rückseite sieht man das Logo, der von Friedrich Ludwig Jahn 1811 ins Leben gerufenen allgemeinen Turnbewegung in Deutschland. Das aus vier F bestehende Turnerkreuz, die für das Motto „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ stehen. Neben den in den Ecken angeordneten Mottowörtern ziert noch der Spruch „Wer seinen Körper stählt pflegt seine Seele“ die Rückseite der sehr gut erhaltenen Fahne.

 

 

In Oberaußem gab es vor dem 1. Weltkrieg einen Bumbass-Club. Der Bumbass, auch als Teufelsgeige bekannt, wurde bereits im Mittelalter vom fahrenden Volk gespielt. Es handelt sich dabei um ein Rhythmus- und Krachmacher-Instrument, das insbesondere während der Fastnachtszeit, aber auch zu anderen Gelegenheiten wie Polterabend, Hochzeit, Party, etc. ein unvergleichlicher Stimmungsmacher und Schmuckstück zugleich ist. Ein Bumbass gilt noch heute als der perfekte Stimmungsmacher. Ursprünglich war das Instrument aber eher zum Lärmen als zum Musizieren da. Für den besonderen Krach wurden Teufelsgeigen in Europa seit dem 17. Jahrhundert mit Schellen, Glocken und Becken bestückt. mit bis zu 2 Metern Höhe ein gewaltiges Instrument. Man kann diese Lärminstrumente noch heute kaufen oder selbst bauen. Um die großen Instrumente transportfähig zu machen, sind sie heute meist zusammenklappbar. Es sollte darauf geachtet werden, daß Tamburins und Glocken verwendet werden, die besonders klangvoll sind. Gute Teufelsgeigen mit einer Höhe von ca. 2 m kosten heute um die 280 €. Ein  ca. 1 m hoher Tischbumbass kostet etwa 185 €.

Die Mitglieder des damaligen Oberaußemer Bumbass-Clubs bauten ihre Instrumente meist selbst. Gemeinsam sorgte man mit den Instrumenten für gute Stimmung bei jeder sich bietenden Gelegenheit besonders aber beim Straßenkarneval.

Jede der selbstgefertigten Oberaußemer Teufelsgeigen war ein Unikat und jeder Besitzer war stolz auf sein Instrument. Es ist überliefert, daß Oberaußemer Bumbass-Spieler mit ihren Instrumenten auch im Kölner Rosenmontagszug mitgezogen sind.

Martin Schneider schreibt dazu in seiner Chronik:

„1914 fuhren folgende Oberaußemer Karnevalsanhänger, in Lumpen verkleidet, zum Kölner Rosenmontag:

Frambach Franz ‚ Frings Jakob, Geuer Christian, Hamacher Peter, Hamacher Martin, Hintzen Martin, Hintzen Hubert ‚ Hintzen Peter, Hintzen, Mathias, Hoven Gottfried, Krebs Peter‚ Rauwald Josef, Schneider Martin, Wintz Edmund, Wintz Reiner, Ülpenich, Heinrich. Bedingung für die Teilnahme war: Holzschuhe und buntes Taschentuch mit einer Kartoffel als Halstuch. Es waren Aufsehen erregende Kostüme zusammengekommen.

An Musikinstrumenten gingen mit: Bumbaß, Wirbel-Trommel, Flöte, Klarinette und 2 Trompeten. Wir gingen am Schluss des Kölner Zuges.

Nachher im Tanzlokal “Edengarten“ angelangt, mußten wir einen Extratanz spielen. Die kein Instrument spielten, tanzten auf ihren Holzschuhen. Das Gaudium war groß. Dienstagmorgen gelangten wir wohlbehalten in Oberaussem an. Der Pfarrer Leuchter bemängelte am folgenden Sonntag wieder in der Predigt, daß Oberaussem zu klein sei zum Karnevalfeiern. Es war Ironie.“

 

In den 1920ger Jahren hatten sich junge Oberaußemer Motorradfahrer zu einem Motorradclub, dem MSC Oberaußem, zusammengefunden. Mit ihren schweren Maschinen veranstalteten sie u.a. gemeinsame Ausflugsfahrten. Das nachstehende Foto zeigt die Clubmitglieder mit ihren Motorrädern auf dem Oberaußemer Rott.

Der erste von links ist Heinrich Brings, der auf der Inselstraße eine kleine Kfz-Werkstatt betrieb. Bei ihm gab es immer Hilfe bei technischen Problemen. Vielen alten Ortsbewohnern dürfte er noch in guter Erinnerung sein.

Des Weiteren erkennt man auf dem Foto:

2. von links Ferdinant Rüntz, 3. von links Gerhard Schmitz, 8. von links Peter Frambach, 11. von links Otto Tripp und ganz rechts Hoppen.

 

Motorradclub MSC Oberaußem

Ehemalige Gruppierungen und Vereine in Oberaußem

  • Bund Deutscher Mädchen -BDM-, NS-Jugendorganisation für Mädchen, Vermittlung national-sozialistisches Gedankengut an die Jugend
  • BUMBAS-Club, Interessengemeinschaft, Bau und Spiel mit den Lärminstrumenten "BUMBAS" - meist im Straßenkarneval
  • Deutsches Jugendrotkreuz, DRK-Jugendorganisation, Ausbildung der Jugendlichen gemäß den Gedanken und Vorgaben von Henry Dunant
  • Die Falken, Jugendgruppe der SPD, Selbstbau von Funkanlagen, Ausübung Amateurfunk
  • Fanfaren-Corps, privater Musikzug, Musikveranstaltungen, Festbegleitung
  • Hitler Jugend -HJ-, NS-Jugendorganisation für Jungmänner, Vermittlung national-sozialistisches Gedankengut an die Jugend
  • Knabenchor, Jugendchor der kath. Kirche
  • Jungschar, Jugendgruppen der kath. Kirche, Vermittlung christlicher Werte an die Jugend
  • Kirmesgesellschaft, Interessengemeinschaft, Veranstaltung der jährlichen Dorfkirmes am 1. Septemberwochenende
  • Kriegerverein, Zusammenschluß von Kriegsveteranen, Traditionsbewahrung und Pflege des vaterländischen Militärgedankengutes
  • Maigesellschaft, Brauchtumspflege, Maifeste
  • Mandolinenclub Oberaußem, Musikgruppe, gemeinsames Musizieren und Gesang unter der alten Kastanie
  • MSC - Motor-Sport-Club Oberaußem, Motorradfahrer in Oberaußem hatten sich in den 1920ger Jahren zu einem Club zusammengeschlossen
  • Raucher-Club, Interessengemeinschaft, Gemeinsame Ausübung und Pflege der Raucherkultur
  • Schützengilde, Schützenverein mit Armbrustschützen, Sportliches Schießen im Wettbewerb, jährliches Schützenfest mit Festzug
  • Tambourcorps "Gut Klang", Musikkapelle mit Trommel, Pauke, Querflöte, Schellenbaum, Fest- und Festzugbegleitung
  • Tanz-Kapelle-Heller, Private Musikkapelle, Tanzveranstaltungen, Festbegleitung
  • Tanz-Kapelle-Gottfrid Hintzen, Private Musikkapelle, Tanzveranstaltungen, Festbegleitung
  • Tischtennisclub, Sportverein, Tischtennisspiel, Teilnahme an Wettkämpfen, Wettbewerb mit anderen Clubs
  • Turn-Verein “Deutsche Eiche“, Sportverein, Körperliche Ertüchtigung und Training der eigenen Fitness
  • UNITAS, Interessengemeinschaft, Veranstaltung von Dorffesten, Tanzveranstaltungen
  • VCJM, Verein Christlicher Jungmänner, Vermittlung christlicher Werte an die Jugend
  • Wanderverein, Interessengemeinschaft, gemeinsames Wandern in Wald und Flur
  • Karl-Boromäus-Verein, hatte 1869 sieben Mitglieder. Zielsetzung war die Werbung für christliche Bücher
  • Bruderschaft vom unbefleckten Herzen Maria. Die christliche Gemeinschaft wurde vom einstigen Ortspfarrer Theodor Richartz, 4 Jahre nach seinem Amtsantritt in Oberaußem, also 1867 während einer 14-tägigen Mission, gegründet. Pastor Richartz war der erste Präses der Bruderschaft. Bereits 2 Jahre nach der Gründung gab es mehrere hundert Mitglieder

 

Heutige Gruppierungen und Vereine in Oberaußem

Heute, im Jahr 2010, gibt es in Oberaußem eine verhältnismäßig große Anzahl von Ortsvereinen. Die meisten dieser Vereine bestehen jedoch nur aus wenigen Mitgliedern und spielen im Gesellschaftsleben eine eher untergeordnete Rolle. Die großen Traditionsvereinigungen, wie z.B. der Männergesangverein, der Theaterverein, der Fußballverein, der Gartenbauverein, der Radfahrverein, die Schützenbruderschaft und die freiwillige Feuerwehr, haben dagegen aufgrund ihrer Mitgliederzahlen, ihres Vereinszweckes und ihrer Ziele, eine mitbestimmende, tragende Rolle beim Oberaußemer Orts- und Kulturleben.

 

Derzeit sind folgende Organisationen bekannt:

 

  • Arbeiterwohlfahrt, allgemeine humanitäre Hilfsorganisation
  • Caritas, humanitäre Hilfsorganisation der kath. Kirche
  • Deutscher Pfadfinderbund, Vermittlung von sozialen Werten an die Jugend
  • Deutsches Rotes Kreuz, humanitäre Hilfsorganisation, humanitäre Hilfe für alle, gemäß den Gedanken und Vorgaben von Henry Dunant, dem Rotkreuz-Gründer
  • Freiwillige Feuerwehr, Interessensgemeinschaft der Ortsbewohner, Brand- und Katastrophenschutz sowie deren Bekämpfung
  • Mehrere Fußball-Fan-Clubs, (1. FC-Köln, Borussia Mönchengladbach), Interessengemeinschaften, gemeisamer Spielbesuch, Geselligkeit
  • Gartenbauverein, Interessengemeinschaft, Pflege und Erhaltung der Gartenkultur
  • Gymnastikverein der SpVgg., Frauenturngruppe, Sport und Gymnastik für Frauen
  • Handballclub Aussem e.V., Sportverein, Gemeinsames Handballspiel im Wettbewerb mit anderen Vereinen.
  • Heimatverein-Oberaussem, Ortsgeschichte
  • Interessengemeinschaft Oberaußem, Interessensvertretung der Geschäftsleute, Optimierung des Geschäftslebens im Ort
  • Vinzent-Friends, Jugendchor der kath. Kirche, Chorgesang, Kirchengesang, Musicals
  • Kameradschaft Oberaussem 1897 e.V., Theaterverein, jährliche Aufführungen von Theaterstücken
  • Kaninchenzuchtverein, Interessengemeinschaft, Züchtung von rassereinen Kaninchen mit Zuchtvergleichswettbewerben
  • Karnevalsverein, Zusammenschluß MGV-Kameradschaft u. Spvgg., Durchführung von Karnevalsveranstaltungen
  • Katholische Frauengemeinschaft, Interessensgemeinschaft, Selbsthilfeverein der kath. Kirche
  • Mehrere Kegelclubs, (Männer, Frauen, gemischt), Interessengemeinschaften, geselliges Beisammensein mit gleichgesinnten Freunden des Kegelspieles
  • Kinderchor Oberaussem e.V., Gesangvereinigung im MGV, Jugendgesang im Chor mit öffentlichen Auftritten, Nachwuchsförderung
  • Kirchenchor, Chorgemeinschaft kath. Kirche, Gesangsbegleitung der heiligen Messe
  • MGV-Erholung, Männergesangverein, gemeinsamer Gesang mit öffentlichen Auftritten
  • Modeleisenbahn-Club Bergheim e.V., Eisenbahnmodellbaugruppe
  • Modelsportclub Ober-Niederaussem e.V., Flugzeugmodellbaugruppe, Flugzeugmodellbau und Flugmodellbetrieb
  • Motorrad-Club, Interessengemeinschaft, Erfahrensaustausch, gemeinsame Motorradfahrten
  • Mühlenverein, Förderverein, Restaurierung u. Nutzung alte Windmühle
  • Oberaussemer Volleyball Verein e.V., Sportverein, Gemeinsames Volleyballspiel im Wettbewerb mit anderen Vereinen.
  • RV "Freie Bahn" Oberaussem 1906 e.V., Radfahrverein, Kunstradsport
  • Mehrere Sparvereine, Interessensgemeinschaften in Gaststätten, gemeinsam jährlich in Sparkästchen Geld sparen, Geselligkeit
  • SpVgg. Oberfort 1919 e.V., Fußball-Club, gemeinsames Fußballspiel im Wettbewerb mit anderen Vereinen
  • St. Vinzentius Bruderschaft, Interessensgemeinschaft, Selbsthilfeverein der kath. Kirche
  • St. Vinzentius Schützenbruderschaft, Schützenverein mit Kleinkaliberwaffen, Traditionspflege, Schießen im Wettbewerb, jährliches Schützenfest mit Festzug
  • Tambourkorps "Frei Weg", Musikkapelle mit Trommel, Pauke, Querflöte, Schellenbaum Fest- und Festzugbegleitung
  • Tanzfreunde Oberaussem, Hobbytanzgruppe, Tanz als Hobby, Turniertanz
  • Mehrere Taubenzuchtvereine, Interessengemeinschaften, Brieftaubenzucht mit sportlichen Taubenflugwettbewerben
  • Turm 25 Bergheim, Schachclub, Schach für jedermann, Turnierschach
  • Verein für Leichtathletik VfL, Leichtathleten, gemeinsames Körpertraining, Wettbewerb mit anderen Sportlern und Vereinen

Detailinformationen und soweit vorhanden Hompageverlinkungen zu heutigen Oberaußemer Vereinen, Gruppierungen, Gesellschaften und Zusammenschlüssen, findet man unter dem nachfolgenden Link:

 

 

"Heutige Vereine in Oberaussem"

 

 

Da einige der hiesigen Hauptvereine in ihrer langjährigen Geschichte bereits ein großes – 50jähriges, 100jähriges - Bestehensfest gefeiert haben, gibt es so manche Festzeitschrift mit interessanten Daten zur jeweiligen Vereinschronik.

Das gilt z.B. für MGV-Erholung, Theaterverein, Freiwillige Feuerwehr, St. Vinzentiusbruderschaft, Radfahrverein.

Zum 90jährigen Bestehen des Fußballvereines hat der Oberaußemer Peter Geuer 2009 eine Art Vereins-Chronik als Buch herausgebracht.

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Quellen:

  • Heimatkunde von Oberaußem, Josef Dürbaum
  • Familienchronik von Martin Schneider, Oberaußem
  • Festschrift MGV-Erholung, Oberaußem
  • Festschrift Theaterverein, Oberaußem
  • Festschrift freiwillige Feuerwehr Oberaußem
  • Festschrift St. Vinzentius, Oberaußem
  • Broschüre: „Theodor Richartz“, von Dr. Braschoß
  • Foto Motorradclub, Hermann Tripp
  • Privatfotos
  • Recherchen, Texte, Fotos, Saitenlayout: U. Reimann