Lokaldichter, Chronisten, Maler, Fotografen aus den Gemeinden Oberaußem und Fortuna
Ausarbeitung von Ulrich Reimann, 2021
Auch in den Ortschaften Oberaußem und Fortuna gab es immer wieder Menschen, die Geschichte, Erinnerungen, Erlebnisse, besondere Ereignisse und Bewahrenswertes im Allgemeinen, für ihre Nachkommen in Schrift, Wort und Bild, dokumentieren und festhalten wollten.
Nachfolgend eine Aufstellung zu solchen Menschen, mit einer näheren, teilweise detaillierten Betrachtung ihrer Persönlichkeit, ihres Schaffens und ihrer Werke, wobei es sich z.Zt. noch nicht um eine komplette Erfassung aller betreffenden Personen handelt.
Chronist Josef Dürbaum
Chronist Christian Kämmerling
Chronist Hans Lipp
Historiker Gerd Friedt
Chronist Martin Schneider
Martin Schneider, der vielen älteren Oberaußemern noch persönlich bekannt sein dürfte, war als kritischer und meinungsstarker Einwohner in unserem Ort, sehr geachtet und beliebt gewesen. Sein großes Interesse am kulturellen und auch politischen Leben von Oberaußem hat er stets auch öffentlich gezeigt und auch mit einigen persönlichen, schriftlichen Aufzeichnungen dokumentiert. So schrieb er im Jahre 1961 als Rentner u.a. eine persönliche Familienchronik mit eingearbeiteten Informationen zur Oberaußemer Geschichte. Er gab dieser interessanten und recht ausführlichen Aufzeichnung den Titel:
"Kleine Familien- und Dorfgeschichte von Martin Schneider"
In dieser Ausarbeitung schrieb er über sich selbst:
„Ich, Martin Schneider, wurde am 4.10.1894 als 7. Kind des Bäckers Wilhelm Schneider, geb. am 2.6.1859, und dessen Ehefrau Anna Sibilla, geb. Esser, geb. am 13.6.1863 in Oberaussem, geboren. Mein Vater starb am 1.11.1944 und meine Mutter am 24.1.1930. Bis zu meiner Verheiratung wohnte ich im elterlichen Hause in der Büsdorferstraße Nr. 6. Dieses Haus mit Nebengebäuden baute mein Vater im Jahre 1904. Kostenpunkt einschließlich Baustelle 9.500 Goldmark.
Von 1901 bis zum 1. Oktober 1908 besuchte ich die hiesige Volksschule. Aufgrund einer Reklamation wurde ich vorzeitig am 1.10.1908 aus der Volksschule entlassen.
Im April 1910 trat ich eine dreijährige Lehrzeit im Vermessungsbüro Schreinemachers in Bergheim an und blieb dort als Vermessungstechniker bis März 1914. Anschließend ging ich beim Elektrizitätswerk Westfalen in Hamm/Westf. in Stellung. Zur weiteren Ausbildung ging ich im Mai 1914 zum Rhein. Westf. Elektrizitätswerk, Abteilung Bahnbau, nach Düsseldorf und blieb dort bis zur Einberufung zum Militär im November 1914. Meine militärische Ausbildung erfolgte beim Feldart. Regt. 79, anfangs in Culm in Westpreußen und zuletzt in Osterode in Ostpreußen. Von dort zum 5. Gardefeld Artillerie - Regiment ins Feld ausgerückt, kehrte ich im November 1918 aus dem Kriege zurück. Diesen Feldzug machte ich in Rußland, Galizien, Flandern und Frankreich als Kanonier mit. Die beiden letzten Jahre war ich als Zeichner beim Artillerie - Kommandeur tätig.
Im Januar 1919 eröffnete ich das Büro meines Lehrherrn in Bergheim und schaffte dort bis August des gleichen Jahres. Dann ging ich für 2 Jahre zur weiteren Ausbildung im bergtechnischen Vermessungswesen in das Bergtechnische Vermessungsbüro Köln in Köln. Von September 1921 bis Ende August 1922 arbeitete ich bei dem Nachfolger meines Lehrherrn, im Ingenieurbüro Knabe in Bergheim.
Durch die damalige Inflation verließ ich meinen erlernten Beruf und beschäftigte mich mit Tabakwarenhandel. Am 13. November 1922 trat ich als Bergvermessungs-Techniker bei der Rheinischen Braunkohle, Abteilung Fortuna, ein. Dort blieb ich bis zu meiner Pensionierung am 31. Dezember 1959.
Am 20. Mai 1923 schloß ich die Ehe mit Anna Maria Hintzen, geb. an 1.9.1896. Ich siedelte dann von meinem Elternhause in der Büsdorferstraße Nr. 6 in meine jetzige Wohnung in der Bahnstraße Nr. 29 um. Dieses Haus erwarb ich notariell im Jahre 1938.
Aus unserer Ehe gingen unsere beiden Kinder, Anna Sibilla, geb. am 13. Mai 1924, und Franz Wilhelm, geb. am 12. August 1927, hervor.
Im Frühjahr 1937 wurde ich zu einer 3-wöchigen Übung bei einer Nachrichtenabteilung nach Detmold, als Zeichner eingezogen. Im Frühjahr 1939 mußte ich nochmals eine gleiche Übung in Hemer i. Westf. mitmachen. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges mußte ich am 26.August 1939 zu der Übungstruppe. Der Einsatz erfolgte westlich von Dronsfeld / Eifel am Westwall. Am 18. Dezember 1939 wurde ich infolge Reklamation durch die Rheinische Braunkohle entlassen.
Ende 1944 wurde von den Machthabern des Dritten Reiches der Volkssturm aufgestellt. An den Übungen auf der Kippe Fortuna
mußte ich teilnehmen. Zum Einsatz des Volkssturmes kam es infolge des schnellen Vorrückens der Kriegsmaschine der Amerikanischen Armee Gott sei Dank nicht. Am 8. März 1945 deportierten die Amerikaner, wie bereits an anderer Stelle dargestellt ist, 120 Oberaußemer Bürger nach Belgien bzw. Frankreich. Bei diesen 120 Mann befand ich mich ebenfalls. Nach 6 Wochen kehrte ich mit gebrochenen Rippen zu meiner Familie zurück.
Mein Sohn Willi wurde 1944 zum Reichsarbeitsdienst nach Geilenkirchen eingezogen. Von dort kam er nach Düsseldorf - Gerresheim zur Flakausbildung. Er rückte nach Oldenburg aus. Später kam er bei Leipzig und zuletzt bei Dresden in Stellung. Am 18. April 1945 geriet er dort in amerikanische Gefangenschaft und wurde als Jugendlicher vorzeitig im Juli 1945 entlassen. Bei seinem Eintreffen bei uns fielen mir folgende Worte aus dem Munde: “So, wo wir alle vier wieder gesund zusammen sind, haben wir den Krieg gewonnen!“