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Brennerei Esser

Die alte Kornbranntwein-Brennerei und Likörfabrik Esser in Oberaußem

 

In Oberaußem existierte bis zum Anfang der 50-ziger Jahre eine damals sehr bekannte und für ihre hochwertigen Produkte geschätzte Kornbranntwein-Brennerei und Likörfabrik.

Im Jahre 1823 findet die Firma erstmals eine aktenkundige Erwähnung. Es wird jedoch vermutet, dass wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt bereits seit 50 Jahren ein Vorgängerbetrieb existiert hatte.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich eine Brennerei in den Gebäulichkeiten des Einwohners Kaspar Esser und Martin Schönen zu Oberaußem in Betrieb, welche sich auf die Spiritusfabrikation aus Roggen und Kartoffeln verlegten.

Aus den stärkemehlhaltigen Bestandteilen dieser Früchte entwickelten sich der Spiritus oder Alkohol infolge von Gärprozessen. Als Spezialität stellte die Brennerei Schönen in größeren Mengen Pflaumenlikör her, der, wie auch der übrige Branntwein, in die umliegenden Ortschaften zum Versand gelangte. Um das Jahr 1840 stellte die letztgenannte Brennerei ihren Betrieb ein.

Ungefähr um dieselbe Zeit war in den Räumlichkeiten der damaligen Wirtschaft Schönen, später Peiner, eine Bierbrauerei etabliert, die auch einen größeren Teil der hergestellten Biere in der Umgegend absetzte. Sie hat bis um das Jahr 1870 bestanden. Eine Hefeerzeugung war ebenfalls angeschlossen.

Hauptstraße in Oberaußem, mit den Wohngebäuden der Brennerei Esser,

nach einem Bild aus dem Familienbesitz.

 

Um das Jahr 1840 übernahm Jakob Esser, geb. 1810 und gest. 1889, den Betrieb an der Ecke Büsdorfer- und Hauptstraße. Die Firma wurde später von dessen Sohn, Kaspar Esser, geb. 1848, gest. 1914, weiter geführt. Die Brennerei hatte unter dem Inhaber Kaspar Esser einen bedeutenden Umfang angenommen. Als Spezialität wurde dort der Oberaußemer Doppelkorn mit hochprozentigem Alkoholgehalt hergestellt, der guten Absatz fand und in größeren Mengen verfrachtet wurde. Die Brennerei wurde mit Motorbetrieb ausgerüstet und stellte pro Jahr ca. 300 hl Alkohol her. Als Nebenprodukt fabrizierte die Brennerei damals Presshefe.

Nach dem Tod von Kaspar Esser, übernahm dessen Neffe Josef Esser, geb. 1885 und gest. 1942, die Brennerei. Unter seiner Leitung erfolgte 1920 eine Fabrikations-Erweiterung auf Liköre, so daß sich die bis dahin landwirtschaftliche Brennerei in einen gewerblichen Betrieb umwandelte. Da um diese Zeit die vorhandene Apparatur der Leistungsfähigkeit des Betriebes nicht mehr gerecht werden konnte, wurde modernisiert und dadurch die Produktionskapazität verdreifacht.

Das Wohnhaus an der Brennerei wurde vor dem 2. Weltkrieg ebenfalls durch Josef Esser erbaut. In einem später abgebrochenen Haus auf dem Brauereigelände an der Hauptstraße, wohnten die Eltern von Josef Esser. Sein Vater war Michael Esser, geb. 1850 – gest. 1935. Dieser betrieb eine Landwirt- und Gastwirtschaft. Die beiden Betriebe, die seine Eltern schon geführt hatten, gab Michael Esser nach dem 1. Weltkrieg auf.

Nach dem Tode von Josef Esser, führte dessen Frau mit ihren drei Söhnen die Brennerei weiter. Das Absatzgebiet, das sich bis zum Kriegsbeginn 1939 verhältnismäßig eng im Kreis Bergheim selbst und auf die Randgebiete erstreckte, konnte nach der Währungsreform aufgrund der Qualität der Erzeugnisse erweitert werden, nachdem im Kriege und in den Nachkriegsjahren die bewirtschaftete Ware nur als hochprozentiger Sprit zu fertigen war; 1949 erfolgte die Inbetriebnahme einer weiteren Brennerei. In beiden Brennereien wurde ein hochwertiger Kornsprit erzeugt und nur dieser wurde zur Herstellung trinkfertiger Produkte verwendet und bot die Garantie für Qualitätsware.

Den Slogan: “Mit Schnaps von Esser geht’s Dir besser“, konnte man überall vernehmen.

Die Brennerei mit ihren ehemaligen Nebenbetrieben war für das damalige Oberaußem stets ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zahlreiche Oberaußemer Bürger fanden dort Arbeit. Die Brennereiarbeiter erhielten zusätzlich zum Lohn auch eine tägliche Ration Schnaps zum Eigenverbrauch. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Brennerei, „Fibbes“ Esser, erinnert sich gerne an seine dortige Zeit. Er sagt u.a., dass so manch einer der Mitarbeiter abends doch recht mühsam den Weg nach Hause fand.

Die Erzeugnisse der Brennerei waren zu ihrer Blütezeit weit über die Grenzen von Oberaußem bekannt und genossen ein hohes Ansehen ob ihrer sehr guten Qualität.

Heute wird von einem Nachkommen der Familie, Jakob Esser, in einer neuen eigenen kleineren Brennerei im Bergischen Land, wieder ein edler Kräuterschnaps, „Der Mittler“, nach alten Oberaußemer Rezepten hergestellt und vermarktet..

Über das Ansehen und die Beliebtheit der Erzeugnisse der ehemaligen Brennerei Esser gibt auch eine Textpassage im Oberaußemer Heimatlied „Lev Overoßem“ Zeugnis ab.

So heißt es in einer Strophe u.a. „Lecker Schabäusche wuet he gemaat“.

Dieses in Zusammenarbeit mit „Fibbes“ Esser entstandene, schöne und hier in der Bevölkerung sehr beliebte Lied, erklingt oft bei Festen und Feierlichkeiten in Oberaußem.

Das Lied beschließt heute bereits traditionsgemäß den jährlichen Bunten Abends des Männergesangvereins Erholung. So wird es meist von Fibbes Esser als Solist, dem Chor und allen Besucher dieses Abends gemeinsam zum Ende der Gesangsdarbietungen gesungen.

 

Der Familienbetrieb geriet nach dem 2. Weltkrieg durch interne Familienprobleme und die allgemein schlechte Zeit in erhebliche Schwierigkeiten. Viele ehemalige Stammkunden brannten damals ihren Schnaps, den legenderen „Knolly Brandy“, zu Hause selbst. Das war zwar streng verboten, doch kaum einer kümmerte sich darum. In vielen Häusern tropfte dieser aus Zuckerrüben gebrannte „edle Tropfen“ aus den meist selbstgebauten Destillationseinrichtungen. Zum Bau der Brennapparate verwendete man die damals häufig herumliegenden, alten Geschosskartuschen aus dem 2. Weltkrieg.

Die Familie versuchte einiges um den angeschlagenen Betrieb zu erhalten. Um das Abfallprodukt der Spritherstellung, die sogenannte Schlempe, nutzbringend zu verwerten, wurde 1949 sogar der bis dahin verpachtete landwirtschaftliche Betrieb wieder in eigener Regie geführt.

Im Jahr 1951 kam das Unternehmen dann aber in sehr große Zahlungsschwierigkeiten und als Folge dessen kam das gesamte Anwesen zum Zwangsverkauf. Die Brennerei ging damit unwiderruflich außer Betrieb. Vorher hatten die damaligen Inhaber das zum Betrieb gehörende gesamte Ackerland, ca. 50 Morgen, an die Braunkohle verkauft. Käufer der Brennerei selbst, nebst Wohnhaus, wurde eine landwirtschaftliche Genossenschaft aus Ameln. Das restliche Eigentum kauften die Oberaußemer Geschäftsleute Mathias Paus, Hans Weiß, Gerhard Müsch und Toni Vogt.

Nach dem Abriss einzelner alter Gebäudekomplexe der Brennerei, u.a. eines der Wahrzeichen von Oberaußem, der weithin sichtbare hohe Schornstein, entstanden durch die o.g. neuen Besitzer an dieser Stelle zum Teil neue Häuser mit Geschäften und Wohnungen. Die heute noch erhaltenen Gebäudekomplexe der Brennerei werden z. T. als Lagerräume genutzt.

 

Im Zusammenhang mit der Brennerei erscheint hier noch folgendes erwähnenswert.

In einem zur Brennerei Esser gehörenden ehemaligen Hause, das an der Stelle stand, wo sich später das Konsum befand, heute ist hier das Geschäft Ihr Platz, war vor dem Krieg noch die alte Metzgerei von Jean Odenthal untergebracht, bevor dieser an der Ecke Haupt- Büsdorferstraße, direkt gegenüber von der Brennerei, eine eigene Metzgerei erbaute. Nachdem Jean Odenthal, der keine Kinder hatte aus Altersgründen seinen Beruf Anfang der siebziger Jahre aufgegeben hatte, übernahm der Metzger Hans Scheiffarth aus Fliessteden den Betrieb. Heute ist die Metzgerei zum Wohnhaus umgebaut und beherbergt ein kleines Reisebüro.

 

Kurze Zeit bevor die Brennerei aufgegeben wurde gab es 1950 noch einen Besuch von einem Reporterteam der Kölnischen Rundschau. Der aus diesem Besuch resultierende Artikel war eigentlich noch recht locker und optimistisch geschrieben und ließ nicht erahnen, dass der Traditionsbetrieb in Kürze für immer geschlossen würde.

 

So schrieb die Kölnische Rundschau in der Ausgabe vom 29. Juli 1950 folgenden Bericht zur alten Kornbranntwein-Brennerei in Oberaußem.

Eine Fahrt ins „Blaue“

Zur Kornbranntweinbrennerei in Oberaußem. „Wenn jemand eine Reise tut ...“ Wem stiegen nicht Traumbilder von blauen Fernen, blauen Bergen und Meeren auf? Unsere Reise führte uns wenige Kilometer vom Redaktionstisch auch ins Blaue, ins Blaue an sich sozusagen. Die Kornbranntweinbrennerei Esser in Oberaußem war unser Ziel. Und hier, am Ziel, - welch ein Widersinn - wieder Ausgangspunkt der Reise, einer Traumreise allerdings: auf den Flügeln des Münsterländers ins Westfalenland, mit einem Schuß Hamburger Tropfen an die Wasserkante, Curacao-beflügelt an ferne blaue karibische Gestade.

 

Apropos blau! - Noch lassen wir uns nicht vom Alkohol ins Traumland entführen. Noch wandern wir mit gezücktem Bleistift durch den Betrieb, um recht viel von der Herstellung des männermordenden Stoffs festhalten zu können. Für den, der in der Zeit vor der Währungsreform gelegentlich von verschwiegenen „Cherry-Knolly“ - Brennversuchen hörte, doch ein eigenartiges Gefühl, den gleichen Vorgang, diesesmal legal, en gros und im Stadium technischer Vollkommenheit betrieben zu sehen. Allerdings, - auch hier hält Vater Staat seinen Finger fest darauf. Die Steuerschraube, oder besser gesagt, die fiskalische Plombe an jeder wesentlichen Schraube dokumentiert recht eindringlich das „einnehmende“ Wesen der Finanzhoheit. Wer kann das noch bezahlen? –

 

Rohbranntgerät und Brennblase

 

Ansonsten jedoch sind die schwarzbrennenden Zeiten vorbei. Wir dürfen uns vom „Knolly Brandy“ distanzieren. „Schnaps vom Esser schmeckt dir besser“ - denn sein Ausgangsstoff ist nicht die profane Rüben, sondern edler Roggen, der zur besseren Überwachung gleich staatlicherseits zugeteilt wird. Auf dem Boden lagert er in großen Mengen, wird in einer dampfbetriebenen Mühle verschrottet, im Vormaischbehälter mit Malz verzuckert und unter Zusatz von Hefe dem Gärbottich zugeführt. Den weiteren Verlauf kann man in wenigen Stichworten zusammenfassen: das Brennen im Rohbrandgerät, der Kühlvorgang, das Sammeln des nun 70-prozentigen Alkohols in besonderen, wieder plombierten Behältern. Rückführen in die Brennblase, wo der Alkohol seine Gebrauchsprozente erhält.

Sauber geht es in so einer Brennerei zu, das muß man sagen. Steinböden und Eisentreppen jederzeit schrubbfeucht, sehr zum Leidwesen des kreppbeschuhten Reporters, der auch ohne Alkoholgenus kaum die Balance zu halten weiß. Wir sind froh, als wir endlich im tiefen Keller gelandet sind, in der Zauberküche, in der der Alkohol durch die Beimengung der verschiedensten Essenzen in Likör, Weinbrand, Korn und Wachholder - verschnitten wird. Hier, im tiefen Keller, wird uns eine vergnügliche Lektion erteilt, eine kleine Branntweingeographie. Die Reise geht ins Münsterland (siehe oben!), zum Ostseestrand (Danziger Goldwasser), in den Schwarzwald (Kirschwasser) und in alle Richtungen des menschlichen (Wohl-) Geschmacks: „Kakao mit Nuß“ prangt in sauberen Etiketten auf den verlockenden Flaschen, „Orange“, „Mokka-Kirsch“, „Vanille“, „Pfefferminz“, „Kirsch mit Rum, „Anisett“, „Zitrone“, „Cherrybrandy“.

 

Hier wird der „männermordende“ Stoff eingefüllt.

 

Eine erlesene Folge köstlicher Liköre! Eine Kostprobe von allen genügt, den reiseseligen Geist an ferne blaue Gestade zu entführen.

Von dieser „Entführung“ lasst mich nicht reden. Sie gehört nicht zum Thema. Zum Thema gehört noch, daß die sauber etikettierten Flaschen wohlverpackt in die nähere und weitere Umgebung verschickt werden. Rheinland und Westfalen sind die wesentlichen Absatzgebiete. Zum Thema gehört auch, daß die nichtseligmachenden Abfallprodukte, die die Schlempe bilden, gleich an Ort und Stelle an einige zwanzig Kühe verfüttert werden. Vom Schnaps zur Milch! - Schließlich sei noch vermerkt, daß der etwa 30 Meter hohe Schornstein Wahrzeichen eines Betriebes ist, der sich seit 1823 im Familienbesitz befindet. Um diese Zeit wurde die frühere Brauerei, deren Entstehung sich im Dunkel der Zeit verliert, in eine Brennerei umgebaut. Sie hat alle Stürme der Zeit überdauert, zwei Weltkriege, eine Teilzerstörung als Folge des letzteren, und die branntweinlose, die schreckliche Zeit. Stoßen wir also alle, die wir uns gelegentlich einen „Alten Oberaußemer“ genehmigen, an auf weitere 125 Jahre ihres Bestehens!

 

Quellen:

- Josef Dürbaum, Heimatkunde von Oberaußem, sowie die Neuauflage Oktober 2000 von Hans-Josef Weck, Hans-Joachim Mörs, Carsten Meyer

- Christian Kämmerling, 100 Jahre Pfarrkirche St. Vinzentius in Oberaußem

- Schwarzweisfoto: Privatfoto Oberaußemer Bürger

- wisoveg.de

- Familienchronik von Martin Schneider, Oberaußem

- Textergänzungen und neue Texte: Ulrich Reimann 2005

 

 

Leverkusener Journal v. 25. April 2006

Alkohol wird nicht vom Teufel gemacht

Die letzte Leverkusener Brennerei geht wirtschaftlich ungewissen Zeiten entgegen

 

Das nahe Ende des Branntweinmonopols ist für kleine Brennereien schwer zu überleben. Der einzige Leverkusener Kornbrenner will aber nicht aufgegeben.

 

Von Ralf Krieger

 

Nur an einer Stelle kann man den fast reinen Alkohol sehen. Unter einer luftdicht verschlossenen Glasglocke fließt über den eingebuchteten Rand eines Überlaufs, in dessen Mitte ein Glasröhrchen mit einer Prozentskala schwimmt, in einem fingerdicken Rinnsal die begehrte Flüssigkeit und verschwindet sofort wieder in einem Kupferrohr. Der Alkohol läuft noch durch den Weingeistmesser, eine unbestechliche Mechanik in einer Truhe, dann in einen Tank im Keller der Grunder Mühle im Öhlbachtal. Nichts kann man anfassen. Glasglocke, Kupferrohre, Messgeräte, alles hat die Zollbehörde verplombt. Zusätzlich stehen die Geräte im so genannten Verschluss-

 

Künftig bleibt mir nichts anderes übrig,

ich muss meinen Korn und Likör selbst vermarkten.

Ernst-Peter Esser

 

 

raum, hinter Gittern oder Plexiglasscheiben. An jeder Schraube, an jedem Scharnier amtliche Plomben. Da darf nur der Zoll hinein. Der Alkohol gehört schließlich dem Staat. Alle vier bis sechs Wochen kommt der Tankwagen zur Mühle und saugt den Agraralkohol aus dem Keller.

Ernst-Peter Esser, der Brenner, blickt auf die Prozentskala unter der Glasglocke und geht schnell aber nicht hastig zum großen Kupfernen Brennapparat. Dort dreht er an einem Rad, dem Ventil für die Regelung der Dampfmenge. Der Alkoholgehalt war mit 83 Prozent um einen Punkt zu niedrig, Der Destillierapparat ist das Herz der Brennerei. Mit seinem Bullaugen aus Messing erinnert an ein U-Botot aus einem Jules-Verne- Film. Nur, dass es hochkant steht.

In der fast neu Meter hohen Kupfersäule wird bei 103 Grad Delsius und leichtem Überdruck der Alkohol aus der Maische, einem vergorenen Gemisch aus Weizenschrot und Wasser, verdampft. Hinter den Bullaugen kocht und brodelt die Pampe. wie Hechtsuppe. In einer mit Grunder Quellwasser gespeisten Kühlschlange kondensiert das Alkoholgas und wird wieder flüssig. Das, was unten übrig bleibt, die Schlempe, pumpt sich ein Landwirt au der Nachbarschaft täglich für seine Kühe in den Tankwagen.

 

„Ich brauche noch bis Anfang Mai, dann habe ich meine 24 000 Liter Alkohol für dieses Betriebsjahr gebrannt“ sagt Esser langsam. So viel kauft ihm der Staat in diesem letzten Jahr, in dem das Branntweinmonopol ( siehe Einschub) noch Bestand hat, garantiert ab. Es ist die letzte Brennsaison , in der das alte Brennrecht der Familie Esser gilt. Anfangs der 70er Jahre hatte sein Vater die Brennerei Pfeiffer in Burscheid-Hilgen aufgegeben und die Grunder Mühle übernommen.

Esser:“ Künftig bleibt mir nichts anderes übrig, ich muss meinen Korn und Likör selbst vermarkten“. An eigenen Getränken verkauft er in seinem kleinen Geschäft in der Mühle Grunder Kräuterlikör und Grunder Kornbranntwein. Es ist stundenweise Donnerstag- und Freitag Nachmittag geöffnet. Demnächst sollen aber noch weitere Getränke hinzukommen. „Ich plane einen Kirschlikör“, sag Esser, schaut auf die Uhr und klettert eine steile Eisentreppe zum großen Bottich hinauf.

 

Vier Tage Gärung

In dem wird die Maische, eigentlich ein sehr dünnflüssiger Teig, aus selbst gemahlenem Weizenschrot und Wasser eune Stunde gekocht und elektrisch gerührt, wieder abgekühlt , mit vier Kilogramm normaler Bäckerhefe verrührt, dann lässt Esser die Flüssigkeit auf die Minute pünktlich in einen der drei 7400 Liter Gärtanks im Erdgeschoss ab. Vier Tage später hat die Hefe aus der Stärke des Weizens neuprozentigen Alkohol gemacht, der dann gebrannt werden kann.

„Ja, es ist eine sehr anstrengende Arbeit, die Zahl der Gärbehälter bestimmt meinen Arbeitsrhythmus, einen Tag maischen, den anderen brennen, manchmal beides, wenn ein Feiertag naht“, sagt der 52-jährige Esser, während er einen Schlauch mit heißem Wasser spült, bis die Scheiben der Mühle beschlagen. In der Brennzeit von September bis Mai klettert er sechs Tage die Woche von 8 bis 19 Uhr aleine zwischen dem hohen Brennapparat, den drei Gärtanks, Maisbottich, Mahlwerk und Getreidespeicher rauf- und runter.

Den eigenen Alkohol zu trinken ist da kein Thema. „Da bin ich eher reserviert“, sagt Ernst-Peter Esser fast entschuldigend, „höchstens mal hier und da ein Schlückchen zum Probieren.“